Der Schöpfer des Grimdark ist von uns gegangen
John Blanche starb im Alter von 74 Jahren. Der gebürtige Brite trat 1979 in die noch junge Firma Games Workshop ein, die 1975 von Ian Livingstone, Steve Jackson und John Peake gegründet worden war. Das Unternehmen vertrieb zunächst Brettspiele und US-Rollenspiele, entwickelte dann aber eigene Miniaturen, zuerst für "The Battle of Five Armies" (1979). Blanche gestaltete vom ersten Warhammer Fantasy Battle (1983) an das gesamte Cover-Artwork. Sein bekanntestes Werk ist das Logo und die Silhouette des Space Marines für Warhammer 40.000: Rogue Trader (1987). Dieses Regelbuch verkaufte in den ersten zwei Jahren über 60.000 Exemplare, ein Wert, der die Tabletop-Szene veränderte. Blanche war zudem für die Fassadenmalerei und die Dioramen im Warhammer World-Besucherzentrum in Nottingham verantwortlich (Eröffnung 2011).
Was er für Warhammer bedeutete
- Blanche definierte die Ikonografie der wichtigsten Fraktionen: das Imperium der Menschheit, die Chaos Space Marines, die Orks. Seine Skizzen dienten als Vorlage für die Miniaturen-Designer.
- Er arbeitete eng mit dem Firmengründer Rick Priestley zusammen, der die Spielregeln schrieb, während Blanche die Bildsprache festlegte.
- Bis zu seiner Pensionierung 2019 leitete er die Kunstabteilung von Black Library, dem Verlag für Warhammer-Romane, und zeichnete Cover für über 200 Titel.
Sein Stil prägte den Begriff "Grimdark", der aus dem Eröffnungssatz des 40k-Regelbuchs stammt. Blanche malte keine Helden, er zeigte eine Welt, in der selbst die menschlichen Verteidiger aussehen wie Monster. Seine Bilder aus der "The Lost and the Damned"-Kampagnenbuchserie (1990) gelten als Höhepunkte. Das Cover des Codex: Space Marines (1998) zeigt einen Marine mit blutverschmierter Kettensäge, ein Blanche-Klassiker. Das Arkane, Metallische und Biologische verschmolz in seiner Tusche- und Aquarelltechnik zu einer Ästhetik, die Games Workshop über Jahrzehnte als Hausstil bewahrte.
Ein Stil, der Schule machte
Blanche entwickelte seine Technik unabhängig von zeitgenössischen Fantasy-Künstlern wie Frank Frazetta oder Boris Vallejo. Er setzte auf Collagen, zerrissene Pappen, übermalte Fehler. Seine Werke waren oft monochrom mit roten Akzenten (Blut, Roben). Seine Collage-Technik, bei der er alte Buchseiten und Metallic-Folien verwendete, verlieh den Bildern eine taktile Qualität, die digitale Nachahmungen nie erreichen. Dieser Look wurde von Firmen wie Privateer Press (Warmachine) oder Mantic Games (Kings of War) kopiert. Auch in der Videospiel-Branche findet er sich wieder: Das Design der Warhammer 40.000: Dawn of War-Serie (2004) zitiert seine Bildkompositionen direkt.
Er zeigte seine Arbeiten in Ausstellungen wie "The Dark Age" (Nottingham 2012) und inspirierte eine Generation von Nachwuchskünstlern bei Games Workshop, darunter Adrian Smith, Jes Goodwin und Karl Kopinski. Diese Maler übernahmen seine Vorliebe für Chaos und Textur. Blanche selbst blieb analog: Er nutzte nie digitale Werkzeuge. Seine Originale werden heute auf dem Kunstmarkt für 2000 bis 5000 Euro gehandelt; nach seinem Tod stiegen die Preise bei Auktionshäusern wie Heritage Auctions auf bis zu 10.000 Dollar.
Das Vermächtnis
Der Einfluss von John Blanche ist messbar. Warhammer 40.000 erzielte 2023 einen Umsatz von rund 450 Millionen Euro. Die gesamte Games Workshop Group PLC meldete einen Gewinn von 82 Millionen Pfund. Ohne Blanches Bildwelt wäre das Produkt nicht wiederzuerkennen. Seine Entwürfe für den Imperial Knight (1994), den Chaos Lord (1988) und die Genestealer (1987) sind in aktuellen Boxen noch enthalten.
Sein letztes großes Projekt war die Retrospektive "The Art of Warhammer 40,000: A Visual History" (2022), ein 560-seitiger Band mit über 800 seiner Zeichnungen. Die erste Auflage von 15.000 Exemplaren war innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Das Original-Manuskript des Rogue Trader-Regelbuchs mit seinen Tuschenotizen befindet sich im Besitz des British Museum. Blanche starb am 22. Dezember 2024; der Nachruf von Games Workshop nannte ihn "den Architekten der düsteren Zukunft".