Ein neues Patent sorgt für Unmut
Sony Interactive Entertainment hat ein Patent beim US-Patentamt eingereicht, das die Ausspielung von Werbeanzeigen während des Matchmakings für Multiplayer-Spiele beschreibt. Die technische Dokumentation sieht vor, dass Spieler während der Wartezeit auf eine Lobby mit kommerziellen Inhalten konfrontiert werden.
Die Details der geplanten Technik
Das Dokument beschreibt verschiedene Methoden, wie Werbepartner ihre Botschaften an den Spieler bringen. Das System nutzt die Latenzzeit beim Verbindungsaufbau aus, um Datenpakete gezielt zu laden.
- Dynamische Werbeeinblendungen in Echtzeit während des Ladeprozesses der Server.
- Interaktive Werbeformate, die auf die aktuelle Spielsituation reagieren.
- Personalisierte Inhalte basierend auf dem bisherigen Spielverlauf oder den Nutzerpräferenzen.
- Belohnungssysteme, bei denen Spieler In-Game-Währung für das Ansehen von Werbeclips erhalten.
Die technische Umsetzung basiert auf einem Daten-Server, der die Spieler-ID mit dem aktuellen Ladezustand des Spiels abgleicht. Sobald ein Spieler in eine Warteschlange eintritt, sendet das System eine Anfrage an den Werbepartner, um das passende Video- oder Bildformat in den Zwischenspeicher zu laden.
Branchenkontext und historische Einordnung
Die Idee der In-Game-Werbung ist in der Industrie nicht neu, verlagerte sich jedoch über die Jahre. Bereits in den 2000er Jahren experimentierten Titel wie Burnout Paradise von Criterion Games mit dynamischen Werbetafeln, die über das Internet aktualisiert wurden.
- Electronic Arts implementierte in EA Sports UFC 4 im Jahr 2020 nachträglich Werbeunterbrechungen bei Wiederholungen, was nach massiver Kritik der Community wieder entfernt wurde.
- Microsoft testete 2022 Werbeformate innerhalb von Free-to-Play-Titeln, die ebenfalls auf statische Banner innerhalb der Spielwelt setzten.
- Sony selbst integrierte in der PlayStation 3-Ära bereits gezielte Werbekampagnen im PlayStation Store und in Menü-Overlays.
Diese Historie zeigt den ständigen Druck auf Publisher, die hohen Entwicklungskosten von AAA-Produktionen durch zusätzliche Einnahmequellen zu decken. Während die Entwicklungskosten für ein Spiel wie The Last of Us Part II laut Sony-Dokumenten bei über 200 Millionen Dollar lagen, stagniert der klassische Verkaufspreis pro Einheit bei 70 bis 80 Euro.
Kritik aus der Community
Viele Fans reagieren auf die Nachricht mit Skepsis und Ablehnung. Die Befürchtung wächst, dass die Immersion bei Titeln wie Call of Duty oder EA Sports FC durch Unterbrechungen gestört wird.
- Spieler zahlen bereits für ein Premium-Gerät und monatliche Abogebühren wie PlayStation Plus.
- Zusätzliche Werbung wird von vielen als Eindringen in die Privatsphäre wahrgenommen.
- Werbeunterbrechungen werden oft als störendes Element für den Spielfluss empfunden.
Die Nutzerbasis von PlayStation Plus umfasst derzeit über 47 Millionen aktive Abonnenten. Eine Einführung von Werbung in einem kostenpflichtigen Dienst würde einen direkten Bruch mit dem bisherigen Versprechen darstellen, dass Abogebühren die Infrastruktur und den Service exklusiv finanzieren.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Bisher handelt es sich lediglich um ein eingereichtes Patent. Viele dieser Konzepte landen in den Archiven der Unternehmen und werden nie in tatsächliche Software integriert.
- Ein Patent bedeutet keine sofortige Implementierung in die aktuelle PS5-Firmware.
- Sony hat sich bisher nicht dazu geäußert, ob diese Funktion tatsächlich getestet wird.
- Ähnliche Modelle existieren bereits in kostenlosen Mobile-Games, sind im Konsolen-Sektor jedoch bisher unüblich.
Analysten von Firmen wie Niko Partners vermuten, dass Sony lediglich rechtliche Optionen für eine mögliche Monetarisierung von Free-to-Play-Titeln absichern will. Die Hardware-Verkäufe der PlayStation 5 erreichten bis Ende 2023 über 50 Millionen Einheiten, doch der Bereich der digitalen Dienstleistungen ist laut dem Geschäftsbericht von Sony für einen steigenden Anteil des operativen Gewinns verantwortlich. Patente dieser Art dienen oft dazu, Wettbewerber wie Microsoft oder Valve daran zu hindern, ähnliche Technologien exklusiv zu besetzen. Die rechtliche Absicherung erfolgt dabei primär für den Fall, dass der Markt für klassische Vollpreis-Titel zugunsten von werbefinanzierten Modellen weiter erodiert.