Konsolen bleiben Pflicht für Gelegenheitsspieler
Michał Nowakowski, Joint-CEO von CD Projekt, sieht der Zukunft der Spielkonsolen trotz explodierender Kosten gelassen entgegen. Im Gespräch mit The Game Business betonte er, dass Konsolen weiterhin „notwendig sind, um das Publikum zu erweitern“, besonders für Gelegenheits- und Halbgelegenheitsspieler. „Es ist wichtig, dass man einfach einstecken und losspielen kann“, erklärte der Manager.
Seine Zuversicht hat konkrete Gründe: Nowakowski glaubt, dass Konsolen den „Sturm“ aus Preiserhöhungen und Lieferkettenproblemen überstehen werden. Selbst die jüngsten Preisanstiege bei PlayStation, Xbox und Nintendo hätten daran nichts geändert. Der Markt für Plug-and-Play-Gaming sei schlicht zu etabliert, um dauerhaft Schaden zu nehmen, auch wenn die Geräte teurer werden.
Gerüchte um PS6 und nächste Xbox: Keine Sorge in Polen
Auf die kursierenden Gerüchte über eine mögliche Verschiebung von PS6 und neuer Xbox angesprochen, reagierte Nowakowski zurückhaltend. „Ich weiß nicht, ob sie wahr sind“, sagte er. Selbst wenn sich die Next-Gen-Konsolen verzögern würden, hätte das für CD Projekt keine existenziellen Folgen. Die Entwickler seien „realistisch“ genug, um ihre Projektpläne entsprechend anzupassen.
- Einige Spielideen, die mehr Rechenleistung benötigen, könnten „auf ein Regal für die Zukunft“ wandern.
- Die kommerzielle Seite bereitet ihm keine Bauchschmerzen: „Konsolen sind hier, um zu bleiben.“
- Das Studio konzentriere sich lieber auf Inhalte als auf Hardware-Zyklen.
Generell verschwende CD Projekt keine Zeit damit, sich über den Weg zum Spieler Gedanken zu machen. „Content ist der König. Wenn der Inhalt stimmt, finden die Leute einen Weg, ihn zu spielen“, so der CEO. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Multi-Plattform-Strategie des Studios wider, das künftig noch mehr Plattformen bedienen will.
Die Entwicklung von The Witcher 4: Power wird trotzdem erbeten
Interessant wird es bei der technischen Umsetzung: Nowakowski verriet, dass die Entwickler bei CD Projekt stets „so viel Power wie möglich“ anfordern würden, um ihre Spiele optimal darzustellen. Gleichzeitig seien sie pragmatisch genug, um mit begrenzter Hardware zu arbeiten. Das bedeutet: Sollte die nächste Konsolengeneration tatsächlich später kommen, würden visionäre Features eben später umgesetzt, nicht verworfen.
Dass The Witcher 4 selbst auf der kommenden Hardware-Generation erscheinen soll, ist bekannt. Der Titel ist für 2028 angekündigt, ein Release-Fenster, das eng an den neuen Maschinen hängt. Cyberpunk 2 dürfte danach folgen. Sollten sich die Konsolen verzögern, müsste CD Projekt entweder warten oder die Technik an den aktuellen Stand anpassen, ein Drahtseilakt, den Nowakowski offenbar entspannt sieht.
Rückblick: Vom Kultspiel zum Großkonzern
- CD Projekt Red wurde 1994 in Warschau gegründet und startete mit der Adaption von The Witcher (2007).
- Der Durchbruch gelang 2015 mit The Witcher 3: Wild Hunt (über 50 Millionen verkaufte Exemplare).
- 2020 folgte der katastrophale Cyberpunk 2077-Launch, der sich nach Jahren von Patches und der Anime-Serie Edgerunners zum kommerziellen Erfolg wandelte.
- Heute arbeitet das Studio parallel an mehreren neuen Projekten, darunter auch Remakes und neue IPs.
Diese wechselvolle Geschichte erklärt, warum CD Projekt bei Hardware-Fragen eher gelassen reagiert. Man hat schon erlebt, dass ein Spiel trotz technischer Probleme langfristig funktioniert, und dass gehypte Features nicht alles sind.
Branchenkontext: Preise explodieren, Rückerstattungen bleiben aus
Die Kostensituation ist angespannt: Sony, Microsoft und Nintendo haben in den letzten Monaten die Hardwarepreise erhöht, ausgelöst durch Zölle und die KI-getriebene Nachfrage nach Komponenten und Speicher. Xbox-CEO Asha Sharma nannte es „wunderbar“, dass GPUs auch außerhalb des Gamings nützlich seien, auch wenn das Xbox-Konsolen teurer denn je mache.
- Nintendo hat für die Zölle von US-Präsident Trump Rückerstattungen erhalten, nachdem diese für illegal erklärt worden waren.
- Das Unternehmen betonte jedoch, keine rechtliche Verpflichtung zu haben, das Geld an Verbraucher weiterzugeben, die mehr bezahlt haben.
- Auch Sony kassierte hohe Zoll-Rückerstattungen, plant aber ebenfalls keine Weitergabe.
Für Spieler bedeutet das: Die Preise dürften auf dem hohen Niveau bleiben, während die Hersteller ihre Margen verbessern.
Die 1000-Dollar-Frage: Wird die nächste Generation zu teuer?
In der Branche kursieren Gerüchte über einen Preis von 1000 Dollar oder mehr für die nächste Konsolen-Generation. Sollte dies eintreten, könnte das den Massenmarkt deutlich abkühlen. Historisch gesehen lag die Schmerzgrenze für die breite Käuferschaft bei rund 500 US-Dollar; alles darüber führte zu verhaltenen Verkaufszahlen, wie zuletzt beim PS3-Launch mit 599 Dollar.
Doch CD Projekt bleibt unbeeindruckt. Nowakowski sieht Konsolen als „notwendig“, aber nicht als einzigen Vertriebsweg. Mit dem wachsenden PC-Markt und Cloud-Gaming-Angeboten hätte das Studio Alternativen. Seine Aussage „Konsolen werden den Sturm überstehen“ ist daher weniger ein technisches Urteil als ein strategisches: Selbst wenn die teuren Geräte weniger verkauft werden, bleibt die Nachfrage nach guten Spielen bestehen, und die liefert CD Projekt.
Ein Blick in die Glaskugel: Was bedeutet das für Spieler?
Letztlich zeigt Nowakowskis Gelassenheit, wie sehr sich die Branche verändert hat. Konsolen sind nicht mehr das alleinige Tor zur Spielerschaft. Wer ein starkes Spiel hat, erreicht sein Publikum auch über PC, Cloud oder ältere Geräte. Für The Witcher 4 bedeutet das: Sollte die PS6 tatsächlich erst 2029 statt 2028 kommen, könnte CD Projekt das Spiel wahlweise für PC und aktuelle Konsolen optimieren oder verschieben, beides wäre kein Drama.
Konkret hieße das für Gamer: Wer auf The Witcher 4 hofft, müsste nicht zwingend eine teure Neuanschaffung tätigen, sofern der Titel auch für die PS5 und Xbox Series erscheint. Bislang hat CD Projekt jedoch keine Plattformen für den 2028er-Titel bestätigt. Eines ist sicher: Die nächsten Monate werden zeigen, ob die neuen Konsolen wirklich so teuer und spät kommen wie befürchtet, und ob CD Projekt dann seinen Zeitplan hält.