Vorfall erschüttert Belegschaft
Ein Bericht von Kotaku enthüllt einen schwerwiegenden Vorfall bei Wizards of the Coast. Während einer Gewerkschaftswahl wurden trans Angestellte vor ihren Kollegen mit ihrem früheren Namen angesprochen, bekannt als Deadnaming. Der Vorfall ereignete sich im Hauptquartier in Renton, Washington, und betraf mindestens zwei Mitarbeiter.
Entschuldigung ohne Wirkung
Das Unternehmen reagierte umgehend und entschuldigte sich für den ersten Vorfall. Doch nur kurze Zeit später wiederholte sich die Situation erneut, wie die Quelle berichtet.
Stimmung im Unternehmen
Ein Mitarbeiter kommentierte die Vorfälle gegenüber Kotaku mit deutlichen Worten: „Diese Handlungen stehen im Widerspruch zu der Freundlichkeit und Unterstützung, die ich täglich erfahre.“ Die Aussage macht den tiefen Riss zwischen dem normalen Arbeitsklima und den wiederholten Verstößen sichtbar.
Hintergrund: Gewerkschaftsbildung bei WotC
Die Bemühungen der Belegschaft, eine Gewerkschaft zu gründen, laufen bereits seit Monaten. Solche Vorfälle belasten das Vertrauen in die Führungsebene zusätzlich, ausgerechnet während des Wahlprozesses.
Keine offizielle Stellungnahme
Bislang hat sich Wizards of the Coast nicht öffentlich zu den wiederholten Deadnaming-Vorfällen geäußert. Ob konkrete Maßnahmen folgen, bleibt offen. Der Vorfall zeigt aber, dass interne Prozesse offenbar nicht ausreichen, um solche Verletzungen zu verhindern.
Wer ist Wizards of the Coast?
Gegründet 1990 von Peter Adkison, verlegte das Unternehmen zunächst Rollenspiele und Brettspiele. 1993 brachte Magic: The Gathering den Durchbruch, das erste Sammelkartenspiel der Welt, das bis heute über 50 Milliarden Karten gedruckt hat und mit jährlichen Turnieren wie der Pro Tour Millionenumsätze generiert. 1997 übernahm Wizards den angeschlagenen Rollenspiel-Verlag TSR samt der Marke Dungeons & Dragons, die seitdem unter Wizards weiterentwickelt wird. Seit 1999 gehört das Studio zu Hasbro, dem weltgrößten Spielzeugkonzern. Die Gaming-Sparte von Hasbro, zu der auch Wizards zählt, erzielte 2023 rund 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Fünftel des gesamten Konzernumsatzes.
Frühere Vorfälle und Arbeitsklima
Deadnaming und Diskriminierung von trans Mitarbeitern sind kein Einzelfall in der Spielebranche. 2018 verklagten ehemalige Angestellte Riot Games wegen geschlechtsspezifischer Belästigung und Vergeltungsmaßnahmen. 2021 wurde Blizzard Entertainment durch die Klage des Staates Kalifornien öffentlich vorgeführt, darunter auch systematisches Deadnaming von trans Angestellten. Bei CD Projekt Red führte ein transphober Vorfall 2020 zu einem öffentlichen Entschuldigungs-Video des Studios. Wizards of the Coast selbst hatte bereits 2022 Kritik einstecken müssen, als ein interner Leitfaden zu Diversity-Maßnahmen geleakt wurde, der bei einem Teil der Belegschaft auf Widerstand stieß.
Gewerkschaftsbildung in der Spieleindustrie
Wizards ist nicht das einzige Studio, in dem Beschäftigte eine Gewerkschaft gründen wollen. Seit 2022 haben Angestellte bei Activision Blizzard mehrere Gewerkschaften gebildet, darunter die Microsoft Game Workers Alliance und die Quality Assurance Workers Union. Die Übernahme durch Microsoft im Oktober 2023 hat diese Bemühungen politisch aufgeladen, da Microsoft eine Neutralitätsvereinbarung mit der Gewerkschaft CWA (Communication Workers of America) getroffen hat. Die Wahl bei Wizards of the Coast läuft seit Januar 2024 und könnte die erste Gewerkschaft in einem Hasbro-Studio werden. Ein Erfolg würde Druck auf andere Tochtergesellschaften des Konzerns ausüben, darunter Hasbro Gaming mit Marken wie Monopoly, Jenga oder Trivial Pursuit.
Zahlen und Fakten zum Deadnaming-Vorfall
Laut Kotaku-Quellen wurden die betroffenen trans Mitarbeiter während eines internen Meetings zu den Wahlmodalitäten mit ihrem Deadname angesprochen. Der Verantwortliche, ein leitender Angestellter, dessen Name nicht genannt wird, entschuldigte sich sofort, wiederholte den Fehler jedoch zwei Tage später vor derselben Gruppe. Eine formelle interne Beschwerde liegt vor, die Personalabteilung prüft den Fall. Bisher gab es keine öffentliche Erklärung von CEO Cynthia Williams oder dem Führungsteam von Wizards. Die Gewerkschaftsorganisation WotC Workers United, die von rund 40 Prozent der rund 800 Belegschaftsmitgliedern unterstützt wird, fordert ein klares Anti-Diskriminierungs-Protokoll und verpflichtende Schulungen für Führungskräfte.