Das Aus für die WM-Tradition
Jahrzehntelang gehörten offizielle Videospiele zu Fußball-Weltmeisterschaften wie das runde Leder auf den Rasen. Für die diesjährige WM 2026 bleibt der gewohnte Release eines eigenen Titels von EA Sports für PC, PS5 und Xbox jedoch aus.
Was bisher geschah
Die Geschichte der WM-Spiele war geprägt von speziellen Inhalten, die das Turnierfeeling in das heimische Wohnzimmer brachten. Viele Spieler erinnern sich gerne an diese Veröffentlichungen:
- Separate Vollpreis-Titel mit allen qualifizierten Nationen.
- Spezielle Anpassungen der Spielmechanik für das Turnier.
- Exklusive Präsentationen rund um die Austragungsorte.
Entwickler und Tradition der WM-Spiele
Seit 1998 entwickelte EA Vancouver (ehemals EA Canada) alle offiziellen WM-Titel. Das Studio in Burnaby, British Columbia, war auch für den Kern der FIFA-Reihe verantwortlich. Der erste eigenständige WM-Ableger war 1998 FIFA World Cup für PlayStation und Nintendo 64, gefolgt von 2002 FIFA World Cup (GameCube, PS2, Xbox), beide mit länderspezifischen Stadien und Torhymnen. Ab 2006 kamen Plattformen wie die Xbox 360 und PS3 hinzu. FIFA World Cup 2010 South Africa führte erstmals dynamische Wettereffekte und ein spezielles „Story-Modus“-Feature ein. FIFA World Cup Brazil 2014 verkaufte sich weltweit rund 2,1 Millionen Mal, sein Vorgänger (2010) sogar 3,2 Millionen Einheiten (Quelle: VGChartz). Für 2018 und 2022 wechselte EA auf ein kostenloses Update-Modell innerhalb der Hauptserie, die Ära der Vollpreis-WM-Spiele endete damit schrittweise.
Die aktuelle Situation
Zur Weltmeisterschaft 2026 gibt es keine offizielle Ankündigung oder Bestätigung für eine eigenständige digitale Umsetzung. Wer auf ein dediziertes FIFA-Spiel mit dem Branding der Weltmeisterschaft gehofft hat, wird heute, am 5. Juni 2026, enttäuscht.
Verkaufszahlen und Marktentwicklung
Das Aus für einen eigenständigen WM-Titel ist auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Laut offiziellen EA-Geschäftsberichten lagen die Verkaufszahlen der WM-Ableger zuletzt bei etwa 1,5 bis 2 Millionen Einheiten, ein Bruchteil der regulären FIFA-Verkäufe (FIFA 23: 11,9 Millionen in den ersten vier Wochen). Hinzu kommt: Seit 2022 besitzt EA die Marke EA Sports FC, nachdem die Lizenz mit dem Fußballweltverband auslief. Die FIFA wiederum hat keine neuen Lizenzpartner für ein separates WM-Spiel bekannt gegeben. Für 2026 wäre ein eigenständiger Titel mit über 200 Nationalmannschaften, 16 Stadien und speziellen Turniermodi nötig gewesen, Entwicklungskosten weit über 50 Millionen US-Dollar. Ohne die FIFA-Branding-Kraft und mit sinkenden Verkaufszahlen der Vorgänger scheint das Risiko für EA zu hoch.
Ein Blick zurück auf das Lizenzgeschäft
Die Vermarktung offizieller Lizenzen durch EA Sports sorgte in der Vergangenheit regelmäßig für Begeisterung bei Fußballfans. Diese Form der exklusiven Veröffentlichung ist für das aktuelle Turnier nicht vorgesehen.
Branchenkontext: FIFA-Lizenz und Zukunft
Der Bruch zwischen EA und der FIFA im Mai 2022 hatte direkte Folgen für WM-Spiele. Die FIFA vergab die exklusiven Rechte für digitale Spiele an keine neuen Partner, stattdessen kündigte sie 2023 an, selbst ein „non-simulation game“ zu entwickeln, vermutlich unter Einbindung von Web3 und Blockchain. Konkurrent Konami mit eFootball besitzt keine WM-Rechte und konzentriert sich auf Klubwettbewerbe. Für die WM 2026 bleibt damit eine Lücke: Weder EA noch ein anderer Publisher bringen ein offizielles Spiel heraus. EA Sports FC 26 wird vermutlich ein generisches Turnier ohne FIFA-Logo und ohne lizenzierte WM-Stadien bieten, aber ohne das spezielle Turnier-Erlebnis der eigenständigen Titel. Die Ära der eigenständigen WM-Spiele scheint damit in der bekannten Form beendet zu sein. Auf den gängigen Konsolen und dem PC bleibt das übliche Fußball-Angebot ohne die offizielle WM-Erweiterung.