Kurz vor dem Kahlschlag? Xbox beschwichtigt
Trotz neuer Berichte über gestoppte Finanzierungsdeals und die Überlegung, Studios zu schließen, versichert Xbox, man werde die Investitionen in Spiele nicht reduzieren. Die offizielle Linie: Die anstehenden Kürzungen seien kein Zeichen dafür, dass Microsoft weniger Geld in die Entwicklung neuer Titel steckt.
Ein aktueller Report von Rock Paper Shotstop (via Rock Paper Shotgun) zeigt jedoch ein düstereres Bild. Demnach sollen bei Microsofts breiter angelegten Stellenstreichungen weniger als 2,5 % der gesamten Belegschaft betroffen sein. Eine Zahl, die zwar klein wirkt, aber bei rund 220.000 Mitarbeitern immer noch Tausende betrifft.
Was konkret auf dem Spiel steht
- Gestoppte Finanzierungsdeals: Xbox hat sich aus mehreren externen Projekten zurückgezogen.
- Mögliche Studioschließungen: Interne Überlegungen sollen bereits laufen.
- Beteuerungen: Die Sparte betont weiterhin, dass die Spieleentwicklung oberste Priorität habe.
Diese Widersprüche lassen viele Beobachter zweifeln. Denn wenn Studios dichtgemacht werden, sind genau jene Teams betroffen, die Spiele produzieren, egal, wie viel Budget theoretisch zur Verfügung steht.
Die Zahl, die nicht tröstet
Die Angabe von unter 2,5 % klingt technisch klein, aber sie relativiert die realen Auswirkungen nicht. Bei Microsofts Konzernstruktur bedeuten selbst wenige Prozent tausende Arbeitsplätze. Zudem sind die Kürzungen nicht gleichmäßig verteilt: Die Gaming-Sparte rund um Xbox, Bethesda und Activision Blizzard scheint härter getroffen zu werden als andere Bereiche.
Bisherige Schließungen als Vorgeschichte
Microsoft hat bereits mehrfach Studios geschlossen, die noch kurz zuvor als Kern der First-Party-Entwicklung galten. 2016 dichtgemacht: Lionhead Studios, Macher der Fable-Reihe, nachdem Fable Legends eingestellt wurde. 2009: Ensemble Studios, die Age of Empires schufen, trotz kommerzieller Erfolge. 2024 folgten Tango Gameworks (Entwickler von Hi-Fi Rush und Ghostwire: Tokyo) sowie Arkane Austin (Prey, Redfall). Beide wurden geschlossen, obwohl Hi-Fi Rush bei Kritikern und Spielern gut ankam. Microsofts Begründung damals: Umstrukturierung, um Prioritäten zu setzen. Die aktuellen Berichte über erneute Überlegungen zu Studioschließungen reihen sich in dieses Muster ein.
Konkrete Folgen für externe Projekte
Die gestoppten Finanzierungsdeals betreffen nach Brancheninsidern mehrere Partnerstudios, die für Xbox exklusive Titel entwickeln sollten. Namen werden nicht genannt, aber bekannt ist, dass Xbox in den letzten Jahren viele kleinere Deals mit Indie- und Mid-Size-Studios abgeschlossen hatte, etwa für As Dusk Falls (Interior/Night) oder Pentiment (Obsidian). Solche Projekte sind häufig auf Publishing-Verträge angewiesen. Wenn Microsoft die Finanzierung stoppt, stehen komplette Teams vor dem Aus, oder müssen ihre Spiele ohne Publisher fertigstellen. Parallel dazu hat Xbox im Januar 2024 bereits 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox gestrichen, im Mai 2024 weitere 650 bei Bethesda. Addiert man die Zahlen, sind innerhalb eines Jahres über 2.500 Gaming-Jobs bei Microsoft weggefallen, bevor die aktuellen 2,5 % überhaupt umgesetzt sind.
Branchenkontext: Entlassungswelle trifft alle Großen
Microsofts Kürzungen sind kein Einzelfall. 2024 haben große Publisher rekordverdächtig Personal abgebaut. Sony entließ 900 Mitarbeiter bei PlayStation (davon geschlossen: London Studio), EA strich rund 5 % der Belegschaft (670 Stellen), Ubisoft kündigte Abbau an mehreren Standorten an. Allein in den ersten sechs Monaten 2024 wurden laut Layoffs.fyi über 10.000 Gaming-Jobs weltweit gestrichen. Der Unterschied: Microsoft hat mit dem Kauf von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden US-Dollar die größte Übernahme der Branche hinter sich. Hohe Schulden und der Druck, Synergien zu zeigen, führen zu stärkerem Rationalisierungsdruck. Die 2,5 % unter Microsofts Gesamtbelegschaft sind aus Konzernsicht marginal, aus Sicht der Gaming-Sparte, die nur etwa 8–10 % der Mitarbeiter stellt (rund 20.000), könnten die Streichungen überproportional ausfallen.
Ob Spieler etwas davon merken, bleibt abzuwarten. Die offiziellen Statements klingen beschwichtigend, die gemeldeten Schritte sprechen eine andere Sprache.