Schockwelle durch Redmond
Neue Gerüchte erschüttern die Xbox-Community. Einem Bericht von Polygon.com zufolge bereitet Microsoft eine massive Entlassungswelle vor. Besonders bitter: Arkane Studios, die legendäre Heimat von Dishonored, Prey und Deathloop, soll auf der Streichliste stehen. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.
Arkane Studios: Ein Portrait
Das 1999 gegründete Studio in Lyon (Frankreich) begann mit Arx Fatalis (2002), einem First-Person-Rollenspiel. Unter der Leitung von Raphaël Colantonio etablierte es sich als Spezialist für dichte Atmosphäre und Leveldesign. Nach der Übernahme durch ZeniMax im Jahr 2010 entstanden Dishonored (2012, 16 Millionen US-Dollar Einspielergebnis in den ersten drei Monaten laut NPD), Dishonored 2 (2016) und Dishonored: Death of the Outsider (2017). Zwischen den Dishonored-Teilen brachte Arkane Prey (2017) heraus: 1,5 Millionen verkaufte Einheiten bis 2019, trotz schwachem Launch. Der Titel gilt heute als Geheimtipp für Immersive Sims.
Die Zahlen hinter Redfall
Redfall (2023) war das erste Spiel von Arkane Austin (ein Ableger, der nach der Schließung des Studios 2024 aufgelöst wurde). Es erreichte laut SteamDB maximal 6.200 gleichzeitige Spieler, ein Bruchteil der 100.000 von Deathloop (2021). Der Metacritic-Score lag bei 56 (PC) bis 58 (Xbox). Microsoft gab monatelang keine konkreten Verkaufszahlen bekannt. Im Mai 2024 folgte die Schließung des Austin-Studios, nachdem das Entwicklerteam auf Marvel's Blade umgeleitet worden war. Die jetzigen Gerüchte betreffen das Lyon-Kernstudio, das zuvor nicht von Redfall betroffen war.
Marvel's Blade: Stand der Entwicklung
Das Spiel wurde im Dezember 2023 bei den The Game Awards angekündigt. Es handelt sich um einen Third-Person-Action-Titel mit semi-linearem Leveldesign (anders als die offenen Welten von Deathloop oder Redfall). Laut Jobausschreibungen von 2024 suchte Arkane nach Unreal-Engine-5-Spezialisten und Spezialisten für Nahkampf-Animationen. Ein Release-Fenster wurde nie kommuniziert. Brancheninsider (etwa Jason Schreier von Bloomberg) spekulierten im Februar 2025 über Verzögerungen wegen interner Umstrukturierungen. Eine Einstellung des Projekts wäre ein harter Schlag: Marvel-Spiele lizenzieren hohe Kosten (Lizenzgebühren bei 15–20 % des Umsatzes, laut Analysten).
Branchenkontext: Microsofts Sparkurs
Seit der Übernahme von Activision Blizzard für 69 Milliarden US-Dollar im Oktober 2023 hat Microsoft über 2.500 Mitarbeiter entlassen, allein im Januar 2024 waren es 1.900 Stellen bei Xbox und ZeniMax. Die Schließung von Tango Gameworks (The Evil Within, Hi-Fi Rush) und Alpha Dog Games im Mai 2024 zeigte: Auch etablierte Studios mit gutem Ruf sind nicht sicher. Arkane Lyon war bislang verschont geblieben. Im Vergleich dazu: Bethesda Softworks (Mutterkonzern) streicht laut Quartalsbericht Q4 2024 Kosten von 120 Millionen Dollar ein, durch Stellenabbau und Projektstopps.
Keine klaren Antworten
Bis Microsoft die Karten auf den Tisch legt, bleibt alles Spekulation. Die Branche beobachtet die Lage mit Argusaugen. Für viele ist Arkane das letzte Bollwerk des immersiven Singleplayer-Designs. Ein Ende ohne offizielles Statement wäre eine kalte Dusche.