Der Speedrun von der Euphorie zur Kündigung
Microsofts Xbox-Sparte liefert einen neuen Rekord, allerdings keinen, den sich Fans gewünscht hätten. Der Wechsel von „Wir sind zurück“ zu „Es ist vorbei“ vollzieht sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Aktuelle Berichte bestätigen: Weitere Entlassungen stehen an.
Die Ankündigung kommt nur drei Jahre nach dem Abschluss der Activision-Blizzard-Übernahme. Damals sprach Phil Spencer von einer „neuen Ära“ für Xbox. Statt kreativer Freiheit dominieren seither Kostensenkungen. Die erste Entlassungswelle im Januar 2024 traf 1.900 Mitarbeiter, darunter viele aus den ehemaligen Activision-Studios wie Sledgehammer Games oder Infinity Ward. Im Mai 2024 folgten die Schließungen von Tango Gameworks, Arkane Austin und Alpha Dog Studios. Tango, bekannt für The Evil Within und Hi-Fi Rush, wurde eingestampft, obwohl Hi-Fi Rush 2023 positive Kritiken und einen Game Award erhielt. Arkane Austin hatte mit Redfall einen Flop geliefert, aber davor Prey und Dishonored-Teile entwickelt. Jetzt, im Juni 2026, geht die nächste Welle durch die Belegschaft.
„Reset“ für eine hellere Zukunft?
Die offizielle Begründung klingt wie aus dem PR-Handbuch: Man wolle einen Reset für eine hellere Zukunft. Für die Betroffenen bedeutet das jedoch das Ende ihrer Stelle. Microsoft hatte erst 2023/2024 massive Stellenstreichungen im Gaming-Bereich vorgenommen.
- Übernahme von Activision Blizzard für knapp 69 Milliarden Dollar abgeschlossen.
- Kurz darauf: Entlassungen von rund 1.900 Mitarbeitern in der Gaming-Sparte (Januar 2024).
- Weitere Kürzungen bei Bethesda und Xbox Publishing (Mai 2024).
- Jetzt, im Juni 2026, die nächste Welle.
Die genaue Zahl der aktuellen Kürzungen ist noch nicht bekannt. Insider sprechen von mehreren hundert Stellen, vor allem in den Support-Abteilungen von Blizzard Entertainment und King. Während die Spieleentwicklung in den Kernstudios wie id Software (Doom) oder Turn 10 (Forza) weitgehend verschont bleibt, trifft es QA-Teams, Lokalisierung und Community-Management. Ein ehemaliger Entwickler von Treyarch berichtete auf LinkedIn von einer „kalten, berechnenden Neuausrichtung“, die bereits im Herbst 2025 in internen Memos angekündigt worden sei. Microsoft selbst kommentiert nur mit Floskeln über „langfristige Wettbewerbsfähigkeit“.
Was bleibt von der „größten Gaming-Übernahme aller Zeiten“?
Die Euphorie nach dem Deal ist längst verflogen. Statt neuer Studios und kreativer Freiheit dominieren Kostensenkungen und Umstrukturierungen. Der „Reset“ soll angeblich die Weichen für langfristigen Erfolg stellen, doch die Belegschaft zahlt den Preis.
Die Übernahme im Oktober 2023 war von regulatorischen Hürden begleitet. Die EU-Kommission genehmigte sie nur unter Auflagen: Microsoft musste die Cloud-Rechte für Activision-Spiele an Ubisoft abtreten. Die britische CMA blockierte den Deal zunächst, ließ ihn nach Zugeständnissen passieren. Seitdem hat Microsoft rund 3.000 Gaming-Jobs gestrichen, das entspricht fast 12 Prozent der gesamten Belegschaft der Sparte. Zum Vergleich: Sony entließ 2024 rund 900 Mitarbeiter bei PlayStation, Electronic Arts strich 5 Prozent der Stellen. Kein anderer Publisher hat nach einer Milliardenübernahme derart tief geschnitten.
Hinzu kommt der Verkauf von Studios: Bungie (seit 2022 Teil von Sony) verlor nach Destiny 2-Flops 220 Mitarbeiter. Embracer Group zerschlug nach einem gescheiterten Investment sein gesamtes Studio-Netzwerk. Microsofts Strategie fällt in dieses Muster: Große Übernahmen mit Schulden finanziert, dann Personalabbau, um die Bilanzen zu glätten. Activision-Chef Bobby Kotick verließ das Unternehmen im Dezember 2023 mit einer Abfindung von über 400 Millionen Dollar. Die Belegschaft trägt die Kosten seiner Ära.
Kein Grund zur Freude für Konsolenbesitzer
Auch für Spieler gibt es kaum gute Nachrichten. Exklusivtitel wie Starfield oder Indiana Jones wandern auf andere Plattformen. Game Pass wächst, aber die Inhalte werden dünner. Die Frage ist: Wann ist der Reset abgeschlossen, und wer bleibt übrig?
Microsoft hatte im Februar 2024 angekündigt, vier Spiele auf PlayStation 5 und Nintendo Switch zu bringen: Hi-Fi Rush, Pentiment, Sea of Thieves und Grounded. Seitdem sind Gerüchte um Starfield für PS5 nie verstummt. Im Juni 2026 ist der Multiplattform-Kurs nun offizielle Strategie. Die Exklusivität, einst Kern des Xbox-Markenversprechens, wird aufgegeben. Indiana Jones and the Great Circle, ursprünglich als Xbox-exklusiv angekündigt, erscheint im Herbst 2026 auch für PS5.
Der Game Pass hatte zuletzt 34 Millionen Abonnenten, weit unter den internen Zielen von 50 Millionen. Microsoft senkte die Preise für PC-Abonnements, strich aber gleichzeitig Drittanbieter-Titel aus dem Katalog. Call of Duty, das Flaggschiff der Activision-Übernahme, bleibt im Game Pass, aber neue Inhalte erscheinen in geringerer Frequenz. Die Diablo IV-Erweiterung „Vessel of Hatred“ kam nur mit Basis-Support. Spieler beschweren sich über leere Roadmaps und verspätete Patches. Die aktuelle Runde zeigt, dass Microsofts Strategie vor allem eines ist: ein Sparprogramm unter dem Deckmantel der Neuausrichtung.