Druck aus den Studios wächst
Rund um die Xbox-Sparte von Microsoft mehren sich die Anzeichen für massive Einschnitte. Bereits Anfang Juni 2026 kursierten Gerüchte über bevorstehende Entlassungswellen im Sommer. Jetzt schalten sich die betroffenen Entwickler selbst in die Debatte ein.
Mehrere Gewerkschaftsvertreter der United Video Game Workers traten gemeinsam mit Abgesandten von Zenimax (Mutter von Bethesda) und Activision Blizzard vor die Presse. Organisiert von der Communications Workers of America (CWA) forderten sie konkrete Schutzmaßnahmen für alle Xbox-Beschäftigten.
Die Geschichte dieser Studios reicht weit zurück. Bethesda Game Studios wurde 1986 gegründet und brachte mit The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) den Durchbruch im Rollenspiel-Genre. Fallout 3 (2008) und Starfield (2023) folgten. Activision Blizzard entstand 2008 aus der Fusion von Activision (gegründet 1979) und Vivendi Games. Call of Duty: Black Ops 6 (2024) brachte dem Publisher im ersten Quartal 2025 einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar. Microsoft zahlte für die Übernahme von Activision Blizzard 68,7 Milliarden US-Dollar, der teuerste Deal der Gaming-Geschichte. Zenimax Media (zu dem Bethesda gehört) wurde 2020 für 7,5 Milliarden übernommen. Beide Übernahmen sollten das Game-Pass-Angebot stärken, führten aber seither zu mehreren Entlassungswellen: Allein 2024 strich Microsoft 1.900 Stellen in der Gaming-Sparte, 2025 folgten 650 weitere in den übernommenen Studios.
Die Forderungen im Überblick
- Vorwarnzeit vor jeder Kündigung, damit sich Teams neu orientieren können.
- Temporäre Einstellungssperren, um internen Bewerbern Vorrang zu geben.
- Wiedereinstellungsrechte für zwei Jahre nach einer Entlassung.
Laut Berichten von Kotaku verwiesen die Redner auf die enormen Summen, die Microsoft in AI-Investitionen und Manager-Boni steckt, während gleichzeitig der Xbox-Konsolenpreis erneut angehoben wurde. „Das Geld ist da, das Management entscheidet nur, wohin es fließt und wer bezahlt“, erklärte Frank Arce, Vizepräsident der CWA District 9. Und weiter: „Xbox-Angestellte werden nicht als Wegwerfware behandelt.“
Die CWA ist keine unbekannte Größe. Sie organisierte bereits 2022 die erste Gewerkschaft bei Activision Blizzard (Raven Software) und 2024 bei ZeniMax (Bethesda). Branchenweit wächst der Druck: Riot Games baute 2024 rund 530 Stellen ab, Sony entließ 900 bei PlayStation Studios, Unity kündigte 1.800 Mitarbeitern. Die Bewegung der United Video Game Workers zählt aktuell über 3.000 Mitglieder in 16 Studios, noch eine Randerscheinung, aber mit steigender Tendenz.
Microsoft mauert, bis auf eine Ausnahme
Die Gewerkschaftsvertreter kritisierten, dass Microsoft auf ihre Vorschläge bisher kaum reagiert habe. Sowohl die Zenimax- als auch die Activision-Blizzard-Delegation berichteten von ausbleibenden Antworten. Einzige Lichtblick: das World-of-Warcraft-Team von Blizzard, wo man „positive Bewegung“ in den Gesprächen sehe.
Derweil hat Compulsion Games („South of Midnight“) offenbar bereits erste Entlassungen hinnehmen müssen. Das Studio verhandelt, ebenso wie Double Fine und Ninja Theory, mit Microsoft über die Vermeidung kompletter Studio-Schließungen. Craig Duncan, langjähriger Chef von Xbox Game Studios, verließ das Unternehmen nach 15 Jahren.
Compulsion Games mit Sitz in Montreal veröffentlichte zuvor We Happy Few (2016), ein dystopisches Action-Adventure, das sich rund 600.000 Mal verkaufte. South of Midnight (Release für 2025 angekündigt, bisher kein genaues Datum) spielt in den Südstaaten der USA und soll folkloristische Elemente verweben. Double Fine, bekannt durch Psychonauts 2 (2021) und Grim Fandango Remastered, wurde 2019 von Microsoft übernommen. Ninja Theory, Entwickler von Hellblade: Senua's Sacrifice (2017, 1 Million verkaufte Einheiten) und dem kommenden Hellblade II, arbeitet seit der Übernahme 2018 an Motion-Capture-Live-Service-Projekten. Craig Duncan war zuvor bei Rare (Sea of Thieves) und leitete Xbox Game Studios seit 2014. Sein Abgang folgt auf die Schließung von Arkane Austin und Tango Gameworks im Mai 2024, ein Schritt, der rund 250 Jobs kostete.
Finanzdruck und Zukunftsgerüchte
Microsoft-CEO Satya Nadella hat öffentlich gefordert, dass die Xbox-Sparte endlich finanziell auf eigenen Beinen stehen müsse. Dies heizt Spekulationen an, Microsoft könne die gesamte Gaming-Sparte abstoßen. Zudem kursieren Berichte über weitere Preiserhöhungen für Xbox-Konsolen im Jahr 2027.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Xbox-Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2025 (Juli 2025) einen Umsatz von rund 18 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 38 Prozent zum Vorjahr, getrieben durch die Activision-Übernahme. Der operative Gewinn lag bei unter 3 Milliarden, während Microsofts Cloud-Sparte Azure im selben Zeitraum 81 Milliarden Umsatz und 35 Milliarden Gewinn verbuchte. Nadella pumpt 2025 knapp 10 Milliarden in AI-Infrastruktur (davon 3 Milliarden in Partnerschaft mit OpenAI), während die Gaming-Sparte weiter von Kostensenkungen betroffen ist. Der Preis der Xbox Series X stieg 2025 von 499 auf 549 Euro, der Series-S-Preis von 299 auf 329 Euro, die dritte Erhöhung seit 2023. Analysten von DFC Intelligence schätzen, dass Microsoft die Gaming-Sparte nicht komplett verkaufen wird, aber eine Abspaltung von Activision Blizzard in drei Jahren möglich sei.