Das Ende einer Ära für Xbox-Fans
Microsoft entfernt mit den neuesten Controller-Revisionen den proprietären Erweiterungsanschluss an der Unterseite. Diese Schnittstelle, bekannt als Expansion Port, war seit dem Jahr 2005 ein fester Bestandteil der Hardware-Philosophie der Xbox 360.
Die Entwicklung der Xbox-Controller obliegt dem internen Hardware-Team in Redmond, das seit den Anfängen von Xbox Design Lab eng mit den Software-Ingenieuren der Xbox-Betriebssystem-Gruppe zusammenarbeitet. Dieses Team zeichnet auch für die Entwicklung des Xbox Adaptive Controllers verantwortlich, der Barrierefreiheit durch externe Eingabegeräte ermöglicht.
Was genau entfällt?
Der Port an der Unterseite fungierte als proprietärer Datenbus für Audio- und Eingabesignale. Er erlaubte Zubehörherstellern den Zugriff auf den Controller-Bus, ohne den klassischen USB-Standard zu nutzen.
Die folgenden Geräte verlieren durch den Wegfall die direkte Anbindung:
- Der originale Xbox 360 Headset Adapter, der für die Kommunikation über den ersten Xbox Live-Service konzipiert wurde.
- Das Xbox One Chatpad, eine kompakte Tastatur, die auf den Controller aufgesteckt wurde und das Schreiben von Nachrichten beschleunigte.
- Der Stereo Headset Adapter, der für die frühen Xbox One-Controller nötig war, da diese noch keinen integrierten 3,5-mm-Klinkenanschluss besaßen.
Die aktuelle Hardware-Situation
Die Xbox Series X|S-Controller (Modell 1914) sind die ersten Gamepads, die den Port physisch komplett eliminieren. Dies geschieht in einer Zeit, in der Microsoft die Fertigungskosten pro Einheit durch eine Reduktion der mechanischen Schnittstellen optimiert.
Der Wegfall ist ein Kontrast zu den frühen Jahren der Xbox One, als Microsoft den Controller mit dem Day One-Update von 2013 erst nach dem Release für Headsets kompatibel machte. Damals war der proprietäre Port die einzige Möglichkeit, Audio über den Controller zu übertragen, bevor mit dem Modell 1697 im Jahr 2015 die Klinkenbuchse Einzug hielt.
Die Konsequenzen für Nutzer
Die Verlagerung der Audio-Steuerung in das Xbox Guide-Menü ist eine bewusste Entscheidung für die Software-Integration. Nutzer müssen nun das Menü aufrufen, um die Balance zwischen Spielesound und Chat-Audio anzupassen.
Diese Umstellung bringt technische Nachteile für Anwender mit sich:
- Die Latenz zwischen einer physischen Regler-Bewegung und der Software-Anpassung ist minimal höher.
- Nutzer verlieren die haptische Rückmeldung der Lautstärkestufen während hektischer Spielszenen.
- Die Abhängigkeit von der aktuell installierten Firmware der Konsole steigt, da die Audio-Konfiguration nun rein digital erfolgt.
Ein Blick zurück
Der Erweiterungsport war ein Überbleibsel einer Zeit, in der die Bandbreite von USB 1.1 und Bluetooth für die Übertragung von verlustfreiem Audio und gleichzeitigen Chat-Daten als zu instabil galt. Mit der Einführung der Xbox 360 im Jahr 2005 wollte Microsoft die Datenlast vom Controller-Prozessor entkoppeln.
Im Vergleich dazu setzen Konkurrenten wie Sony bei der PlayStation 5 weiterhin auf einen ähnlichen Port unterhalb des DualSense, der jedoch primär für den Ladevorgang in Docking-Stationen oder für spezielle Back Button Attachments genutzt wird. Der Xbox-Controller hingegen nutzt für die kabellose Kommunikation ein proprietäres 2,4-GHz-Protokoll, das eine höhere Abtastrate als Standard-Bluetooth bietet.
Das Xbox 360 Headset, das bei vielen Konsolen-Bundles beilag, verkaufte sich über den Lebenszyklus der Konsole hinweg millionenfach. Es legte den Grundstein für die heute übliche Sprachkommunikation in Multiplayer-Titeln wie Halo 3 oder Gears of War.
Die heute verfügbaren Wireless-Headsets nutzen entweder das direkte Xbox Wireless-Protokoll oder Standard-USB-Dongles. Der mechanische Adapter am Controller wird damit technisch obsolet, da die Xbox-App auf dem PC oder der Konsole die Aufgaben der Audio-Mischung heute in Echtzeit übernimmt. Die Anzahl der noch aktiven Chatpads in der Community ist seit der Einführung der virtuellen Tastaturen auf dem Bildschirm stetig gesunken.