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Adrenalin-Overkill im 90er-Jahre-Fiebertraum: Warum Mullet MadJack süchtig macht
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Adrenalin-Overkill im 90er-Jahre-Fiebertraum: Warum Mullet MadJack süchtig macht

Mullet MadJack ist ein hyperaktiver First-Person-Shooter, der den Geist klassischer Anime-Ästhetik mit einem gnadenlosen Zeitlimit-Mechanismus kreuzt. Ein blutiger Ritt, der keine Fehler verzeiht.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Es gibt Spiele, die versuchen, dich mit einer tiefgründigen Story oder komplexen Rollenspiel-Mechaniken zu fesseln. Und dann gibt es Mullet MadJack. Dieses Spiel hat keine Zeit für dein Gejammer, keine Zeit für lange Dialoge und – das ist der entscheidende Punkt – absolut keine Zeit für Pausen. Entwickelt von Hammer95, ist dieser Titel ein purer, ungefilterter Adrenalinschub, der sich anfühlt, als hätte man eine VHS-Kassette aus den 90ern geschluckt, die mit Energy-Drinks statt mit Magnetband gefüllt ist.

Das Konzept: Töten oder sterben (buchstäblich)

Die Prämisse ist so simpel wie genial: Du bist Jack, ein Typ mit einer Vokuhila-Frisur, der in einer dystopischen Zukunft eine Influencerin aus den Klauen von Robotern befreien muss. Der Haken? Dein Herz ist mit einem Mechanismus verbunden, der dich nach genau zehn Sekunden tötet, wenn du nicht ständig Gegner eliminierst. Jeder Kill schenkt dir ein paar wertvolle Sekunden Lebenszeit.

Das klingt nach einem stressigen Gimmick, ist aber das Herzstück eines der intensivsten Shooter-Erlebnisse des Jahres. In Mullet MadJack gibt es kein „Ich bleibe mal kurz hinter der Deckung stehen und warte, bis sich mein Schild regeneriert“. Wer stehen bleibt, verliert. Dieses Design zwingt den Spieler dazu, konstant in Bewegung zu bleiben, in Räume zu stürmen und jeden Gegner wie einen Tanzpartner zu behandeln, den man so schnell wie möglich aus dem Weg räumen muss.

Visuelle Wucht und Sound-Gewitter

Was sofort ins Auge sticht, ist der Grafikstil. Die Entwickler haben den Look von 90er-Jahre-OVAs (Original Video Animations) perfekt eingefangen. Die Farben sind knallig, die Animationen haben diesen leicht abgehackten, aber extrem stylischen Charme, und die Gewalt ist so comichaft übertrieben, dass sie nie deplatziert wirkt. Es ist eine visuelle Hommage an Klassiker wie Ghost in the Shell oder Akira, nur eben mit deutlich mehr Schrotflinten-Action.

Der Soundtrack unterstreicht das Ganze mit treibenden Synthwave- und Metal-Beats, die den Puls des Spielers synchron zum Spielgeschehen in die Höhe treiben. Wenn man durch einen Korridor stürmt, während die Musik pumpt und die Gegner in ihre Einzelteile zerfallen, fühlt man sich wie der Protagonist in einem High-Budget-Action-Anime.

Wo das Spiel an seine Grenzen stößt

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Mullet MadJack ist kein Spiel für schwache Nerven oder Spieler, die eine entspannte Feierabend-Runde suchen. Der Schwierigkeitsgrad zieht nach den ersten Levels spürbar an. Wenn man in einem Raum feststeckt, weil man die falsche Waffe gewählt hat oder ein Gegner-Typ einen in eine Sackgasse drängt, ist der „Game Over“-Bildschirm vorprogrammiert. Das Zeitlimit kann sich in manchen Momenten unfair anfühlen, besonders wenn man die Architektur der Level noch nicht auswendig kennt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die erzählerische Tiefe – oder besser gesagt, deren Abwesenheit. Die Story ist ein reines Vehikel, um dich von A nach B zu schicken. Wer hier eine komplexe Welt oder Charakterentwicklung erwartet, wird enttäuscht. Das Spiel ist sich dessen zwar bewusst und nimmt sich selbst nicht ernst, aber ein wenig mehr Fleisch am Knochen hätte der Welt nicht geschadet. Manchmal fühlt sich das Spiel eher wie ein „Roguelite-Shooter-Simulator“ an als wie ein vollwertiges Abenteuer.

Fazit: Ein Pflichtkauf für Genre-Fans

Trotz der Frustmomente und der dünnen Story ist Mullet MadJack ein absolutes Highlight im Indie-Bereich 2024. Es ist ein Spiel, das genau weiß, was es sein will: Ein schneller, blutiger und extrem stylischer Shooter, der dich zwingt, über deine eigenen Grenzen hinauszugehen.

Wer Spiele wie ULTRAKILL oder DOOM Eternal liebt und den 90er-Jahre-Anime-Vibe feiert, kommt an diesem Titel nicht vorbei. Es ist ein Spiel, das man nicht spielt, um sich zu entspannen, sondern um sich lebendig zu fühlen. Setz die Sonnenbrille auf, richte deine Vokuhila und mach dich bereit – denn in Mullet MadJack wartet der Tod an jeder Ecke, und er hat verdammt wenig Geduld.

8.5
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Einzigartiger, visuell beeindruckender 90er-Jahre-Anime-Stil
  • +Extrem befriedigendes Gunplay mit hohem Tempo
  • +Innovatives Zeit-Management-System zwingt zu aggressivem Spielstil

- CONTRA

  • -Hoher Schwierigkeitsgrad kann zu Frustmomenten führen
  • -Story tritt hinter dem Gameplay fast völlig in den Hintergrund

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