Ein einsamer Tanz im All: Wenn Nostalgie auf eine gläserne Decke trifft
Homeworld 3 kehrt nach zwei Jahrzehnten ins All zurück, liefert eine visuelle Meisterleistung ab, stolpert aber bei der erzählerischen Tiefe und der KI.
Es gibt Spiele, die sind mehr als nur Software – sie sind Denkmäler. Homeworld gehört zweifellos dazu. Als Relic Entertainment 1999 das erste Spiel veröffentlichte, veränderte es unser Verständnis von Echtzeitstrategie (RTS) im dreidimensionalen Raum für immer. Nun, 21 Jahre nach Homeworld 2, hat Blackbird Interactive die schwere Last übernommen, das Erbe fortzuführen. Homeworld 3 ist da, und es ist ein Spiel, das mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurücklässt.
Fangen wir mit dem an, was sofort ins Auge sticht: Die Präsentation. Homeworld 3 ist ein visuelles Juwel. Wenn die riesigen Mutterschiffe durch gigantische Weltraum-Ruinen gleiten, während Partikeleffekte von Geschossen den dunklen Raum erhellen, vergisst man kurzzeitig, dass man eigentlich gerade eine taktische Entscheidung treffen sollte. Das Art-Design bleibt dem ikonischen, fast schon sakralen Stil der Vorgänger treu. Die Kameraführung, die cineastischen Zwischensequenzen und das Sounddesign bilden eine Einheit, die eine Atmosphäre erzeugt, die ihresgleichen sucht. Wer sich in der Einsamkeit des Alls verlieren will, findet hier sein Zuhause.
Doch sobald die erste Euphorie verfliegt, beginnt die Ernüchterung. Das Herzstück eines jeden Homeworld-Spiels war immer die Geschichte – eine epische Odyssee, die sich wie ein griechisches Drama im Weltraum anfühlte. Die Handlung von Homeworld 3 wirkt im direkten Vergleich jedoch seltsam gehetzt und emotional distanziert. Die neuen Protagonisten erreichen nie die Tiefe von Karan S’jet, und die Story-Missionen fühlen sich oft wie eine Aneinanderreihung von Skript-Events an, statt wie ein organischer Teil einer großen Reise. Nach etwa 10 bis 12 Stunden flimmert der Abspann über den Bildschirm – für ein Spiel, das so lange auf sich warten ließ, ist das schlicht zu wenig.
Das Gameplay selbst bleibt dem bewährten Kern treu. Die Steuerung im 3D-Raum ist nach wie vor eine Herausforderung, aber durch die überarbeitete Benutzeroberfläche deutlich zugänglicher als in den alten Teilen. Die taktische Tiefe, die durch die Nutzung von Deckung in Form von riesigen Megastrukturen entsteht, ist eine willkommene Neuerung. Es macht Spaß, seine Flotte hinter einem Trümmerfeld zu verstecken, um einen Hinterhalt zu legen. Doch hier zeigt sich auch die größte Schwäche: die KI.
In einer Umgebung, die so komplex ist wie die von Homeworld 3, sollte die Wegfindung das A und O sein. Leider passiert es viel zu oft, dass meine Korvetten an Asteroiden hängen bleiben oder ihre Formationen auf dem Weg zum Ziel völlig auflösen. Wenn man in einer hitzigen Schlacht präzise Manöver ausführen will und die Einheiten stattdessen wie betrunkene Motten gegen eine Wand fliegen, frustriert das gewaltig. Es nimmt dem Spiel die taktische Eleganz, die es eigentlich ausstrahlen möchte.
Ein weiterer Punkt, der für Diskussionen sorgen wird, ist der neue „War Games“-Modus. Dieser Roguelike-Ansatz soll den Wiederspielwert erhöhen, indem er prozedural generierte Missionen bietet. Während das Konzept an sich spannend ist, wirkt es auf mich wie ein Versuch, die kurze Kampagne zu kaschieren. Es macht kurzzeitig Spaß, sich durch Wellen von Gegnern zu kämpfen, aber die mangelnde Abwechslung bei den Missionszielen lässt den Modus schnell repetitiv werden.
Ist Homeworld 3 ein schlechtes Spiel? Absolut nicht. Es ist ein kompetentes RTS, das in einer Zeit, in der das Genre eher ein Nischendasein fristet, ein wichtiges Lebenszeichen gibt. Es sieht fantastisch aus, klingt göttlich und spielt sich in seinen besten Momenten wie eine Sinfonie der Zerstörung. Aber es fehlt ihm der Mut, das Genre wirklich weiterzuentwickeln. Es fühlt sich an wie ein „Best-of“ der alten Teile, verpackt in eine moderne Engine, aber ohne den visionären Geist, der das Original damals so besonders machte.
Für Fans der Serie ist Homeworld 3 ein Pflichtkauf, allein schon um das Ende der Geschichte zu sehen und die atemberaubende Grafik zu genießen. Wer jedoch eine spielerische Revolution oder eine packende, tiefgründige Erzählung erwartet, könnte enttäuscht werden. Es ist ein würdiges, aber leider auch ein wenig glanzloses Denkmal. Ein Spiel, das man gerne spielt, aber bei dem man sich wünscht, es hätte sich mehr getraut, als nur in der Vergangenheit zu schwelgen.
Am Ende bleibt das Gefühl, dass Homeworld 3 ein Spiel ist, das man liebt, weil man die Serie liebt – nicht unbedingt, weil es in jeder Hinsicht perfekt abgeliefert hat. Es ist ein solider Flug durch den Weltraum, aber die Sterne, nach denen es greift, bleiben ein Stück weit außer Reichweite.
+ PRO
- +Atemberaubende Grafik und das beste Art-Design des Jahres
- +Einzigartiges, dreidimensionales Kampfsystem mit taktischem Tiefgang
- +Atmosphärischer Soundtrack, der das Erbe der Serie perfekt ehrt
- CONTRA
- -Enttäuschende und zu kurz geratene Kampagne
- -KI-Aussetzer bei der Wegfindung in komplexen Umgebungen
- -Mangelnde spielerische Innovation im Vergleich zum Vorgänger
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