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Gott spielen mit Ecken und Kanten: Warum The Universim trotz Sternenstaub nicht ganz nach den Sternen greift
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Gott spielen mit Ecken und Kanten: Warum The Universim trotz Sternenstaub nicht ganz nach den Sternen greift

Nach einer langen Early-Access-Phase ist The Universim endlich in der Version 1.0 gelandet. Wir haben die Entwicklung unserer Nuggets von der Steinzeit bis in den Weltraum begleitet und klären, ob die Göttersimulation den hohen Erwartungen gerecht wird.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Es ist ein Genre, das lange Zeit als fast ausgestorben galt: Die klassische Göttersimulation. Als Crytivo vor Jahren The Universim ankündigte, war das Versprechen groß. Man wollte das Erbe von Black & White antreten und uns die volle Kontrolle über eine Zivilisation geben – von der ersten Entdeckung des Feuers bis hin zur Besiedlung fremder Planeten. Nach einer gefühlt ewigen Reise durch den Early Access ist das Spiel nun offiziell erschienen. Doch wie fühlt es sich an, wenn man tatsächlich die Fäden in der Hand hält?

Der Einstieg in The Universim ist zweifellos der stärkste Moment des Spiels. Man landet auf einem prozedural generierten Planeten, beobachtet die ersten „Nuggets“ – die kleinen, wuseligen Bewohner –, wie sie ihre ersten Hütten bauen und sich fortpflanzen. Der Humor ist dabei allgegenwärtig. Die Erzählerstimme, die unsere göttlichen Taten kommentiert, ist herrlich zynisch und erinnert an die besten Momente von Dungeon Keeper. Wenn ein Nugget aus purem Leichtsinn in einen See rennt und dort von einem Krokodil verspeist wird, während ich gerade versuche, eine neue Technologie zu erforschen, ist das gleichermaßen frustrierend wie unterhaltsam.

Die grafische Gestaltung ist dabei ein echtes Highlight. Der Übergang von der mittelalterlichen Siedlung zur industriellen Metropole und schließlich zur futuristischen Weltraumstation ist visuell beeindruckend. Besonders der Zoom-Faktor – von der Ameisenperspektive bis hin zum Blick aus dem Orbit – funktioniert nahtlos und vermittelt ein echtes Gefühl von Fortschritt.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und hier beginnt die Kritik, denn The Universim leidet unter einer Krankheit, die viele ambitionierte Aufbau-Strategiespiele plagt: das Mid-Game-Loch. Sobald die Zivilisation eine gewisse Größe erreicht, verwandelt sich das Spiel von einer entspannten Göttersimulation in einen stressigen Verwaltungsjob. Die Nuggets sind zwar niedlich, aber leider auch oft strunzdoof. Die KI-Wegfindung führt regelmäßig dazu, dass sich Bewohner in Gebäuden festlaufen oder Ressourcen an Orte schleppen, die absolut keinen Sinn ergeben. Wenn man dann manuell eingreifen muss, um eine Hungersnot zu verhindern, die nur durch eine schlechte Priorisierung der KI entstanden ist, verfliegt das göttliche Gefühl schnell.

Ein weiteres Problem ist die Balance der göttlichen Kräfte. Zu Beginn fühlt man sich mächtig, wenn man Blitze schleudert oder das Wetter manipuliert. Später im Spiel werden diese Kräfte jedoch zu einem notwendigen Übel, um die ständigen Katastrophen abzuwehren, die das Spiel auf den Spieler niederprasseln lässt. Es fühlt sich weniger wie „Gott spielen“ an und mehr wie „Feuerwehrmann für eine inkompetente Bevölkerung spielen“. Das Spiel verlangt hier ein Maß an Mikromanagement, das den Spielfluss empfindlich stört.

Auch technisch ist The Universim kein Meisterwerk. Während die Performance in der frühen Phase stabil bleibt, gerät die Engine ins Schwitzen, sobald die Bevölkerung in die Tausende geht. Ruckler und kleine Bugs – etwa schwebende Gebäude oder in der Geometrie feststeckende Objekte – sind keine Seltenheit. Das trübt das ansonsten sehr stimmige Gesamtbild.

Dennoch: Man kann dem Spiel nicht absprechen, dass es eine Seele hat. Die Idee, verschiedene Planeten mit unterschiedlichen Ökosystemen zu besiedeln, ist großartig. Die Forschungspfade sind logisch aufgebaut und bieten genug Anreize, um immer noch ein weiteres Zeitalter freischalten zu wollen. Es ist dieses „Nur noch eine Runde“-Gefühl, das einen trotz der frustrierenden KI-Aussetzer immer wieder zurückkehren lässt.

Fazit: The Universim ist kein perfektes Spiel. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das an seinen eigenen hohen Zielen manchmal ein wenig zu schwer trägt. Wer eine perfekt polierte Simulation sucht, wird hier vielleicht enttäuscht. Wer jedoch ein Herz für charmante, chaotische und humorvolle Aufbauspiele hat und über die eine oder andere KI-Macke hinwegsehen kann, findet hier ein Spiel, das das Genre der Göttersimulation erfolgreich in die moderne Ära rettet. Es ist ein Spiel mit Ecken und Kanten, aber auch mit einer Menge Herzblut. Für Genre-Fans ist es definitiv einen Blick wert – man sollte nur nicht erwarten, dass die Nuggets einem das göttliche Leben leicht machen.

7.4
/10
GUT

+ PRO

  • +Einzigartiges, humorvolles Setting mit charmanten Nuggets
  • +Beeindruckende visuelle Entwicklung vom Dorf zur galaktischen Zivilisation
  • +Kreative Nutzung göttlicher Kräfte zur Beeinflussung der Welt

- CONTRA

  • -Zunehmende Mikromanagement-Last im Mid-Game
  • -KI-Aussetzer bei der Wegfindung und Priorisierung
  • -Technischer Schliff lässt in späteren Phasen zu wünschen übrig

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