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Micky Maus im Farb-Rausch: Ein nostalgischer Trip mit Ecken und Kanten
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Micky Maus im Farb-Rausch: Ein nostalgischer Trip mit Ecken und Kanten

Das Remake des Wii-Klassikers „Disney Epic Mickey“ erstrahlt in neuem Glanz, kämpft aber mit den Geistern der Vergangenheit. Ein charmantes Abenteuer, das trotz technischer Politur seine spielerischen Wurzeln nicht ganz verleugnen kann.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Es ist eine seltsame Zeit für Videospiel-Remakes. Während wir uns an fotorealistischen Neuauflagen von Resident Evil oder Final Fantasy sattsehen, wirkt Disney Epic Mickey: Rebrushed wie ein kleiner, fast schon vergessener Schatz aus einer anderen Ära. Als das Original 2010 für die Nintendo Wii erschien, war es ein ambitioniertes Experiment von Warren Spector, das zwar durch seine düstere Ästhetik und die „Farbe oder Verdünner“-Mechanik bestach, aber unter der schwammigen Bewegungssteuerung der Wii litt. 2024 kehrt Micky nun zurück – und die Frage ist: Brauchten wir diesen Trip in das Wasteland wirklich?

Die Antwort lautet: Ja, aber mit Einschränkungen.

Eine Welt zwischen Glanz und Vergessen

Die Geschichte von Epic Mickey: Rebrushed ist nach wie vor das Herzstück des Spiels. Wir schlüpfen in die Rolle von Micky Maus, der versehentlich das Wasteland – einen Ort für vergessene Disney-Charaktere – mit Farbe und Verdünner ins Chaos stürzt. Die Prämisse ist herrlich düster und bietet einen faszinierenden Kontrast zum sonst so strahlenden Image des Mäuse-Konzerns. Das Art-Design wurde von Purple Lamp hervorragend modernisiert. Die Umgebungen wirken lebendiger, die Texturen schärfer und die Beleuchtung verleiht dem Wasteland eine Tiefe, die auf der Wii nur angedeutet werden konnte. Es ist ein Fest für Fans, die Anspielungen auf Oswald den lustigen Hasen oder die frühen Cartoons der 30er Jahre zu schätzen wissen.

Spielmechanik: Farbe als Waffe

Das Kern-Gameplay bleibt identisch: Micky bewaffnet sich mit einem Pinsel, mit dem er entweder Farbe versprüht, um Objekte zu reparieren und Gegner zu befreunden, oder Verdünner nutzt, um Hindernisse aufzulösen und Feinde zu eliminieren. Diese moralische Komponente ist auch heute noch erfrischend. Es macht einen Unterschied, wie man spielt, und das Spiel belohnt einen für den gewählten Weg.

Die größte Verbesserung im Vergleich zum Original ist zweifellos die Steuerung. Die träge Wii-Remote-Steuerung ist einem modernen, präzisen Controller-Layout gewichen. Micky fühlt sich agiler an, das Zielen mit dem Pinsel geht flüssiger von der Hand. Dennoch: Das Spielgefühl ist kein „Super Mario Odyssey“. Die Sprungpassagen wirken manchmal etwas „schwerfällig“, und wer pixelgenaue Präzision erwartet, wird bei einigen der kniffligeren Plattform-Abschnitte frustriert aufstöhnen.

Die Schattenseiten des Wastelands

Hier kommen wir zum kritischen Punkt: Epic Mickey: Rebrushed ist kein perfektes Spiel. Das größte Manko ist die Kamera. Trotz der Überarbeitung bleibt sie in engen Räumen oder bei hektischen Kämpfen oft hängen oder zeigt in die falsche Richtung. In einem 3D-Platformer ist das ein Ärgernis, das den Spielfluss immer wieder unterbricht.

Zudem merkt man dem Spiel sein Alter an. Die Missionsstruktur ist sehr klassisch: „Gehe von A nach B, sammle drei Gegenstände, kehre zurück“. Während das in den ersten Stunden durch die charmante Welt noch wunderbar kaschiert wird, stellt sich im letzten Drittel eine gewisse Ermüdung ein. Die Backtracking-Passagen wirken unnötig in die Länge gezogen, und die Kämpfe gegen die „Kleckse“ wiederholen sich zu oft, ohne dass neue, spannende Taktiken gefordert werden.

Ein liebevolles Remake mit Ecken und Kanten

Technisch läuft das Spiel auf modernen Konsolen butterweich. Die Performance ist stabil, und die Ladezeiten sind kurz – ein Segen gegenüber dem Original. Auch die 2D-Side-Scroller-Abschnitte, die als Übergänge zwischen den Arealen dienen, wurden optisch aufgewertet und sind nun kleine Highlights, die den Geist der alten Disney-Filme perfekt einfangen.

Disney Epic Mickey: Rebrushed ist ein Spiel für zwei Zielgruppen: Diejenigen, die das Original damals geliebt haben und nun die definitive Version spielen wollen, und jene, die ein atmosphärisches, leicht melancholisches Abenteuer suchen, das sich nicht an den üblichen AAA-Standards misst.

Es ist kein Meisterwerk, das das Genre neu erfindet. Es ist ein ehrliches, handwerklich gut gemachtes Remake eines Spiels, das damals seiner Zeit voraus war, aber an der Technik scheiterte. Heute ist die Technik solide, das Spielgefühl aber eben „nur“ gut. Wer über die gelegentlichen Kameraprobleme und die etwas altbackene Missionsstruktur hinwegsehen kann, findet hier ein wunderbares, nostalgisches Abenteuer, das zeigt, dass auch eine Micky Maus eine dunkle Seite haben darf.

Fazit: Ein gelungener „Anstrich“ für einen Klassiker, der zwar seine Macken behalten hat, aber durch seinen Charme und die verbesserte Steuerung definitiv eine Empfehlung wert ist – besonders für Disney-Fans.

7.5
/10
GUT

+ PRO

  • +Wunderschönes, atmosphärisches Art-Design
  • +Gelungene Modernisierung der Steuerung
  • +Fantastische Hommage an die Geschichte von Disney

- CONTRA

  • -Kameraführung bleibt ein nerviger Begleiter
  • -Repetitive Aufgabenstruktur im späteren Spielverlauf
  • -Plattform-Passagen wirken teils etwas unpräzise

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