Putzlappen statt Knarre: Wenn das Verbrechen nach dem Abzug wartet
In 'Crime Scene Cleaner: Prologue' schlüpfen wir in die Rolle eines Tatortreinigers, der die blutigen Hinterlassenschaften der Mafia beseitigt. Ein befriedigender Loop, der zwischen makaberem Humor und spielerischer Entspannung balanciert.
Wir alle kennen die großen Helden der Videospielgeschichte: den Master Chief, der Galaxien rettet, oder Geralt von Riva, der Monster jagt. Doch wer räumt eigentlich auf, wenn die Action vorbei ist? Wer wischt das Blut von den Wänden, entsorgt die Patronenhülsen und sorgt dafür, dass die Wohnung wieder aussieht, als wäre hier nie ein Massaker passiert? Genau hier setzt Crime Scene Cleaner: Prologue an – und liefert eine überraschend süchtig machende Erfahrung.
Der Tatort als Spielplatz
Das Konzept ist simpel, aber genial: Als alleinerziehender Vater mit einer finanziellen Schieflage und zweifelhaften Kontakten zur Unterwelt übernimmst du die Drecksarbeit für die Mafia. Der Prolog führt uns in eine Wohnung, in der es kurz zuvor ordentlich geknallt hat. Überall klebt Blut, Möbel sind zertrümmert und die Polizei steht quasi schon vor der Tür. Dein Job? Alles muss weg, bevor die Gesetzeshüter eintreffen.
Das Spielgefühl ist dabei eine Mischung aus Viscera Cleanup Detail und einem klassischen First-Person-Simulator. Mit einem Hochdruckreiniger, einem Wischmopp und einem Schwamm bewaffnet, machst du dich an die Arbeit. Und hier liegt die größte Stärke des Titels: Es ist unglaublich befriedigend, eine blutverschmierte Wand mit dem Hochdruckreiniger zu säubern und dabei zuzusehen, wie die Textur von „Horror-Szenario“ wieder zu „gehobenes Wohnzimmer“ wechselt.
Mehr als nur Wischen
Was den Prolog von einer reinen „Putz-Simulation“ abhebt, ist der Zeitdruck und die Interaktion mit der Umgebung. Du musst nicht nur putzen, sondern auch Beweismittel einsammeln, die dich belasten könnten. Manchmal musst du Möbel verschieben, um an die hartnäckigen Flecken hinter dem Sofa zu kommen. Das Spiel belohnt dich mit einer Fortschrittsanzeige, die dir genau zeigt, wie viel Prozent des Tatorts du bereits „bereinigt“ hast.
Die Atmosphäre ist dabei herrlich makaber. Die Kommentare des Protagonisten, der sich über die Unordnung der Gangster beschwert, während er eine Leiche (oder zumindest deren Überreste) in einen Sack packt, sorgen für den nötigen schwarzen Humor. Es ist diese Absurdität, die den Titel aus der Masse der Simulationsspiele heraushebt.
Wo es noch hakt
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Nach etwa einer Stunde Spielzeit beginnt sich der Loop ein wenig abzunutzen. Das Reinigen der immer gleichen Oberflächen mit denselben Werkzeugen kann auf Dauer eintönig werden. Zudem ist die Physik-Engine manchmal etwas störrisch. Wenn ich versuche, einen Stuhl an seinen ursprünglichen Platz zurückzustellen, und er plötzlich durch den Boden glitscht oder in der Wand stecken bleibt, trübt das die Immersion doch erheblich.
Auch die Steuerung beim Aufheben kleinerer Gegenstände wirkt in hitzigen Momenten – wenn der Timer abläuft – etwas zu fummelig. Man wünscht sich hier eine präzisere Greif-Mechanik, wie man sie aus anderen modernen Simulations-Titeln kennt.
Ein weiterer Punkt ist der Umfang. Als Prolog ist das Spiel natürlich kurz, aber es lässt viele Fragen offen. Die Story-Elemente sind bisher nur ein dünner Aufhänger. Man erfährt zwar, warum man diesen Job macht, aber die emotionale Bindung zum Charakter bleibt auf der Strecke. Hier muss die Vollversion deutlich mehr Tiefe bieten, um den Spieler langfristig bei der Stange zu halten.
Fazit
Crime Scene Cleaner: Prologue ist ein erfrischender Ansatz im Simulations-Genre. Es nimmt sich selbst nicht zu ernst, bietet aber ein absolut befriedigendes Gameplay-Erlebnis, das einen seltsamen „Flow“-Zustand erzeugt. Wer gerne Dinge ordentlich macht und einen Hang zum Morbiden hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Es ist kein Spiel für Leute, die eine epische, tiefgründige Story suchen. Es ist ein Spiel für den Feierabend, um den Kopf auszuschalten und – ironischerweise – ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen. Wenn die Entwickler in der Vollversion an der Physik-Engine feilen und für mehr spielerische Abwechslung sorgen, könnte Crime Scene Cleaner ein echter Geheimtipp für 2024 werden. Für den Prolog gibt es von mir eine klare Empfehlung – vor allem, weil er kostenlos einen Einblick in ein herrlich schräges Konzept gewährt.
Also, schnapp dir den Mopp. Die Mafia wartet nicht.
+ PRO
- +Extrem befriedigendes Gameplay-Loop (Putzen bis es glänzt)
- +Gelungene Atmosphäre mit schwarzem Humor
- +Technisch solide Performance für eine Demo/Prolog
- CONTRA
- -Repetitive Spielmechaniken auf Dauer
- -Etwas hakelige Steuerung beim Platzieren von Gegenständen
- -Story-Kontext bleibt im Prolog noch sehr oberflächlich
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