Zeitreisen, Tritte und ein Hauch von Cyberpunk-Wahnsinn: Warum Anomaly Agent süchtig macht
Anomaly Agent ist ein rasanter Action-Plattformer, der mit seinem flüssigen Kampfsystem und einer Prise Humor überzeugt. Ein kleiner Indie-Geheimtipp, der trotz einiger Wiederholungen ordentlich Laune macht.
In der Welt der Indie-Spiele ist es oft schwer, aus der Masse der „Metroidvanias“ oder „Roguelikes“ herauszustechen. PGG Games hat mit Anomaly Agent jedoch einen Titel abgeliefert, der sich nicht durch eine komplexe, lebensverändernde Story definiert, sondern durch das, was im Gaming oft zu kurz kommt: pures, ungefiltertes Spielgefühl.
Die Mechanik: Wenn Prügeln zum Tanz wird
Das Herzstück von Anomaly Agent ist zweifellos das Kampfsystem. Ihr schlüpft in die Rolle eines Agenten, dessen Aufgabe es ist, Anomalien in der Zeitlinie zu korrigieren. Das bedeutet in der Praxis: Ihr prügelt euch durch Horden von Gegnern, die aus verschiedenen Epochen stammen. Das Spiel setzt dabei stark auf ein Konter-System. Wer stumpf auf die Angriffstaste hämmert, wird schnell das Zeitliche segnen. Wer jedoch im richtigen Moment pariert, löst eine Kette von Angriffen aus, die sich so flüssig anfühlt, dass man sich fast wie in einem modernen Batman: Arkham-Spiel fühlt – nur eben in 2D und mit deutlich mehr Neon-Ästhetik.
Besonders hervorzuheben ist hierbei die Bewegungsfreiheit. Ihr könnt Gegner in die Luft schleudern, sie mit Gadgets manipulieren oder sie einfach mit einem gezielten Tritt in eine Falle befördern. Es gibt diesen einen „Flow-Zustand“, den das Spiel ab der zweiten Spielstunde perfekt meistert. Wenn man durch einen Raum voller Gegner wirbelt, ohne einmal getroffen zu werden, fühlt man sich wie der coolste Agent der Zeitgeschichte.
Stil und Atmosphäre
Optisch ist Anomaly Agent ein Leckerbissen. Die Pixel-Art ist detailliert, die Animationen sind butterweich. Besonders die Übergänge zwischen den verschiedenen Zeitebenen sind visuell kreativ gelöst. Man merkt an jeder Ecke, dass hier viel Liebe zum Detail in die Sprites geflossen ist. Der Soundtrack unterstreicht das Ganze mit treibenden Synth-Wave-Beats, die perfekt zum Cyberpunk-Setting passen.
Auch beim Humor hat das Team ins Schwarze getroffen. Die Dialoge sind kurzweilig, oft skurril und brechen regelmäßig die vierte Wand. Es ist kein Spiel, das versucht, eine tiefgründige philosophische Debatte über Zeitreisen zu führen – und das ist auch gut so. Es will unterhalten, und das gelingt ihm durch die charmanten Charaktere und die absurde Welt hervorragend.
Wo es hakt: Die Schattenseiten der Anomalie
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So viel Spaß das Kampfsystem macht, so schnell stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Das Leveldesign ist funktional, aber leider auch sehr vorhersehbar. Man läuft von Raum zu Raum, prügelt sich, löst ein simples Rätsel, läuft weiter. Nach etwa der Hälfte der Spielzeit hat man die meisten Gegnertypen gesehen und die Taktiken wiederholen sich. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung in den Umgebungen oder komplexere Interaktionen mit der Spielwelt gewünscht.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Bosskämpfe. Während einige Bosse durch ihre Mechaniken fordern und begeistern, fühlen sich andere eher wie „Bullet Sponges“ an – Gegner, die einfach nur extrem viel einstecken, ohne dass der Spieler eine wirklich clevere Taktik anwenden muss. Das sorgt für Momente der Frustration, die den sonst so hohen Spielfluss abrupt ausbremsen. Auch die Kameraführung in manchen vertikalen Abschnitten ist etwas hakelig, was zu unnötigen Stürzen in den Abgrund führt.
Fazit: Ein Pflichtkauf für Action-Fans?
Anomaly Agent ist kein perfektes Spiel, aber es ist ein verdammt ehrliches. Es weiß genau, was es sein will: ein kurzweiliger, stylischer Action-Trip, der den Spieler für ein paar Stunden in eine neonfarbene Welt entführt. Wer auf der Suche nach einem komplexen RPG ist, wird hier enttäuscht. Wer aber nach einem langen Arbeitstag einfach nur ein paar Anomalien verhauen und dabei verdammt cool aussehen will, der ist hier genau richtig.
Für den verlangten Preis bietet das Spiel eine solide Spielzeit und einen Wiederspielwert, der durch verschiedene Schwierigkeitsgrade und Upgrades motiviert. PGG Games hat bewiesen, dass sie ein Händchen für flüssiges Gameplay haben. Wenn sie für ihr nächstes Projekt das Leveldesign noch etwas abwechslungsreicher gestalten, könnte das nächste Spiel ein echter Meilenstein werden. Bis dahin ist Anomaly Agent ein absolut empfehlenswerter Indie-Titel, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Anomaly Agent ist ab sofort für PC und Konsolen erhältlich.
+ PRO
- +Extrem befriedigendes, flüssiges Kampfsystem mit Fokus auf Konter
- +Stilvoller Pixel-Art-Look mit fantastischen Animationen
- +Humorvolles Writing, das sich selbst nie zu ernst nimmt
- CONTRA
- -Leveldesign wirkt auf Dauer etwas repetitiv
- -Die Bosskämpfe schwanken stark in ihrer Qualität
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