Zwischen düsterer Kunst und Gacha-Frust: Ein Ritt durch die Welt von Planis
ASTRA: Knights of Veda lockt mit einem atemberaubenden 2D-Artstyle und düsterer Dark-Fantasy-Atmosphäre, stolpert jedoch über ein aggressives Monetarisierungsmodell und repetitives Gameplay.
Wenn man den ersten Trailer zu ASTRA: Knights of Veda sieht, ist man sofort gefesselt. Das Spiel präsentiert sich als ein visuelles Meisterwerk, das irgendwo zwischen dem düsteren Charme von Blasphemous und der cineastischen Wucht von Dragon’s Crown angesiedelt ist. Entwickler HYBE IM hat hier eine Welt geschaffen, die vor Atmosphäre nur so strotzt. Doch wie so oft bei modernen Action-RPGs aus dem asiatischen Raum stellt sich die Frage: Ist das Spiel ein echtes Erlebnis oder nur eine hübsche Fassade für ein gieriges Gacha-System?
Die Welt von Planis: Ein Fest für die Augen
Fangen wir mit dem Positiven an: Die künstlerische Gestaltung ist zweifellos das Highlight von ASTRA. Die handgezeichneten Sprites, die düsteren, verfallenen Landschaften und die grotesken Monsterdesigns sind erstklassig. Wenn man durch die Ruinen von Planis streift, spürt man förmlich den Verfall und die Hoffnungslosigkeit der Welt. Auch der Soundtrack unterstreicht diese Stimmung perfekt und sorgt für eine immersive Erfahrung, die man in diesem Genre selten so konsequent durchgezogen sieht.
Gameplay: Wuchtig, aber mit Ecken und Kanten
Spielerisch setzt ASTRA auf ein 2D-Action-System, das sich deutlich von den typischen “Auto-Play”-Titeln abhebt. Man steuert seine Ritter direkt, führt Kombos aus, weicht Angriffen aus und nutzt die spezifischen Elemente der Charaktere, um Schwachstellen der Gegner auszunutzen. Das fühlt sich in den ersten Stunden sehr befriedigend an. Die Treffer-Feedback-Mechanik ist wuchtig, und die Kämpfe gegen die Bosse erfordern tatsächlich Aufmerksamkeit und Timing.
Doch hier beginnt auch die erste Kritik: Die Steuerung am PC ist leider nicht optimal. Während das Spiel auf einem Controller flüssig von der Hand geht, wirkt die Belegung auf Maus und Tastatur oft überladen und unpräzise. In hektischen Bosskämpfen, in denen ein einziger Fehler den Tod bedeuten kann, fühlt sich die Eingabeverzögerung oder ein falsch registrierter Klick oft wie eine Bestrafung durch das Spiel an, nicht durch das eigene Unvermögen.
Das Gacha-Dilemma
Kommen wir zum Elefanten im Raum: Die Monetarisierung. ASTRA: Knights of Veda ist ein Gacha-Spiel durch und durch. Wer die besten Ritter in sein Team holen will, muss tief in die Tasche greifen oder extrem viel Geduld (und Glück) mitbringen. Das wäre an sich noch zu verschmerzen, wenn das Spiel nicht so aggressiv gegen den Spieler arbeiten würde.
Das Energie-System (Stamina) ist eines der restriktivsten, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Wer wirklich Fortschritte machen will, stößt nach kurzer Zeit gegen eine unsichtbare Wand. Man wird förmlich dazu gedrängt, Ressourcen zu kaufen, um weiterzuspielen. Das nimmt dem Spiel jeglichen “Flow”. Gerade wenn man in einen Rhythmus gekommen ist und die Geschichte spannend wird, zwingt einen das Spiel in eine Zwangspause. Das ist frustrierend und wirkt wie ein künstlicher Streckungsfaktor, um die Spieler zur Kasse zu bitten.
Story und Fortschritt
Die Geschichte um den König der Veda und den Kampf gegen den Wahnsinn ist solide Dark-Fantasy-Kost. Sie ist düster, philosophisch angehaucht und bietet genug Anreize, um weiterzuspielen – wenn man denn darf. Die Charaktere sind gut geschrieben, und jeder Ritter bringt seine eigene, oft tragische Hintergrundgeschichte mit. Doch der Fortschritt fühlt sich ab einem gewissen Punkt wie ein endloser Grind an. Man wiederholt Dungeons, um Materialien für Aufstiege zu farmen, nur um dann festzustellen, dass man für das nächste Level wieder eine Wand erreicht hat, die nur durch bessere Ausrüstung oder stärkere (und seltenere) Charaktere zu überwinden ist.
Fazit: Ein Juwel mit Kratzern
ASTRA: Knights of Veda ist ein Spiel der Kontraste. Auf der einen Seite steht ein visuelles und akustisches Erlebnis, das seinesgleichen sucht und ein Kampfsystem, das durchaus Spaß macht. Auf der anderen Seite steht ein aggressives Monetarisierungsmodell, das den Spielspaß aktiv untergräbt.
Wer ein Spiel sucht, in das er sich für 30 Minuten am Tag kurz einloggen kann, um ein paar Kämpfe zu bestreiten und die düstere Ästhetik zu genießen, wird hier glücklich. Wer jedoch ein tiefgründiges Action-RPG sucht, in das er sich stundenlang versenken kann, ohne ständig an eine Paywall oder ein Energie-Limit zu stoßen, der wird von ASTRA enttäuscht werden. Es ist ein Spiel, das man für seine Kunst lieben möchte, aber für seine Geschäftsmodelle nur schwer uneingeschränkt empfehlen kann. Ein solider Titel, der sein Potenzial durch gierige Mechaniken leider selbst beschneidet.
+ PRO
- +Herausragendes, handgezeichnetes Art-Design mit düsterem Flair
- +Wuchtiges Kampfsystem, das sich angenehm von klassischen Auto-Battlern abhebt
- +Umfangreiche Lore und eine stimmungsvolle, melancholische Inszenierung
- CONTRA
- -Extrem restriktives Energie-System (Stamina) bremst den Spielfluss massiv
- -Gacha-Mechaniken fühlen sich oft wie eine Paywall für den Fortschritt an
- -Steuerung am PC mit Maus und Tastatur wirkt teilweise unpräzise und überladen
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