Zwischen Nostalgie und Frust: Warum The Cub kein zweiter Dschungelbuch-Klassiker ist
The Cub entführt uns in eine postapokalyptische Welt, die optisch stark an die Disney-Klassiker der 90er erinnert, spielerisch jedoch zwischen cineastischem Charme und frustrierenden Trial-and-Error-Passagen schwankt.
Wenn man den ersten Trailer zu The Cub sieht, fühlt man sich sofort in eine Zeit zurückversetzt, in der Zeichentrickfilme noch mit Herz und Hand gezeichnet wurden. Das Entwicklerstudio Demagog hat sich offensichtlich von den legendären 16-Bit-Plattformern wie Aladdin oder Das Dschungelbuch inspirieren lassen. Man spielt ein mutiertes Menschenkind in einer Welt, die von der Menschheit längst verlassen wurde, während die Reichen auf den Mars geflohen sind. Die Prämisse ist charmant, die Ästhetik ein echter Hingucker – doch leider ist The Cub ein Paradebeispiel dafür, dass ein Spiel mehr braucht als nur eine hübsche Fassade.
Die Illusion der Freiheit
Das Spiel präsentiert sich als cineastischer Plattformer. Man rennt, springt und klettert durch Ruinen, überwucherte Städte und verlassene Labore. Die Animationen sind dabei das absolute Highlight. Die Bewegungen des kleinen „Cubs“ wirken flüssig und organisch, fast so, als würde man einen spielbaren Cartoon steuern. Doch sobald man den Controller in die Hand nimmt, beginnt die Fassade zu bröckeln.
Das größte Problem von The Cub ist die Steuerung. In einem Spiel, das auf präzise Sprünge und schnelles Reagieren angewiesen ist, fühlt sich die Eingabe oft schwammig an. Besonders in den Fluchtsequenzen, in denen man vor Jägern oder wilden Tieren davonrennt, ist Frust vorprogrammiert. Man stirbt oft nicht, weil man zu langsam war, sondern weil die Kollisionsabfrage ungenau ist oder der Charakter eine Millisekunde zu spät auf den Sprungbefehl reagiert. Das erinnert leider an die frustrierendsten Momente der alten „Don Bluth“-Spiele, bei denen man das Level auswendig lernen musste, um überhaupt eine Chance zu haben.
Radio Nostalgia als Lichtblick
Wo das Spiel jedoch glänzt, ist das Worldbuilding. Während man durch die postapokalyptische Wildnis streift, hört man im Hintergrund „Radio Nostalgia from Mars“. Die Moderatoren plaudern über das Leben auf dem Mars, spielen entspannte Jazz- und Lo-Fi-Tracks und geben Einblicke in die dekadente Gesellschaft, die die Erde ihrem Schicksal überlassen hat. Diese erzählerische Ebene ist brillant. Sie gibt dem Spiel eine melancholische Tiefe, die man in Casual-Titeln selten findet. Man hält zwischendurch wirklich inne, nur um den Dialogen zu lauschen – was ironischerweise den Spielfluss unterbricht, aber das Erlebnis ungemein aufwertet.
Ein kurzes Vergnügen mit Ecken und Kanten
Nach etwa drei bis vier Stunden flimmert bereits der Abspann über den Bildschirm. Für einen Titel, der als Casual-Spiel vermarktet wird, ist das in Ordnung, doch angesichts des Preises hinterlässt es einen faden Beigeschmack. Die Level wiederholen sich in ihrem Aufbau schnell: Laufen, springen, sterben, wiederholen. Es gibt kaum spielerische Abwechslung oder innovative Mechaniken, die über das einfache „Von A nach B kommen“ hinausgehen.
Kritisch muss man auch die fehlende Herausforderung in den Rätseln anmerken. Die Umgebungspuzzles sind so simpel, dass sie eher wie eine lästige Unterbrechung des „Flows“ wirken, anstatt den Spieler geistig zu fordern. Man merkt dem Spiel an, dass es primär darauf ausgelegt ist, gut auszusehen, anstatt sich gut anzufühlen.
Fazit
The Cub ist ein Spiel für Ästheten und Nostalgiker. Wer die 90er-Jahre-Animationen liebt und sich an einem atmosphärischen Soundtrack erfreuen kann, wird hier für ein paar Stunden gut unterhalten. Wer jedoch ein präzises, forderndes Gameplay sucht, wird mit dem Titel schnell an seine Grenzen stoßen. Es ist ein Spiel, das man eher „konsumiert“ wie einen Film, als es aktiv zu meistern.
Für einen Sale-Preis ist The Cub eine klare Empfehlung für einen verregneten Sonntagnachmittag. Wer jedoch ein spielerisches Meisterwerk erwartet, sollte seine Erwartungen drosseln. Es ist ein schönes, aber leider auch sehr ungeschliffenes Juwel, das sein volles Potenzial durch eine frustrierende Steuerung selbst sabotiert. Schade, denn die Welt von The Cub hätte eine technisch sauberere Umsetzung definitiv verdient gehabt.
+ PRO
- +Wunderschöne, handgezeichnete 2D-Grafik im Stil der 90er-Jahre-Animationen
- +Großartiger Soundtrack, der die Atmosphäre der verlassenen Erde perfekt einfängt
- +Originelle Erzählweise durch das In-Game-Radio „Radio Nostalgia“
- CONTRA
- -Extrem unpräzise Steuerung in hektischen Fluchtsequenzen
- -Viele „Trial-and-Error“-Momente, die den Spielfluss unnötig unterbrechen
- -Sehr kurzer Spielumfang, der den Vollpreis kaum rechtfertigt
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