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Netzschwinger im PC-Paradies: Ein technisches Meisterwerk mit leichten Ermüdungserscheinungen
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Netzschwinger im PC-Paradies: Ein technisches Meisterwerk mit leichten Ermüdungserscheinungen

Insomniac Games bringt das ultimative Spider-Man-Erlebnis endlich auf den PC. Wir haben uns durch das virtuelle New York geschwungen und geprüft, ob der Port den hohen Erwartungen gerecht wird.

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Tommes Parzl
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SPIEL Marvel's Spider-Man 2 (PC)
ENTWICKLER Insomniac Games / Nixxes Software
PUBLISHER Sony Interactive Entertainment
RELEASE 30. Januar 2025
PLATTFORMEN: PC

Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, doch nun ist es endlich so weit: Marvel’s Spider-Man 2 hat den Sprung von der PlayStation 5 auf den heimischen PC geschafft. Als jemand, der bereits hunderte Stunden in den Vorgängern verbracht hat, war die Erwartungshaltung gigantisch. Kann der PC-Port das ohnehin schon beeindruckende Erlebnis noch toppen? Die kurze Antwort lautet: Ja, aber mit kleinen Abstrichen.

Die Technik: Ein Fest für Pixel-Enthusiasten

Was Insomniac Games und das für den Port verantwortliche Team hier abgeliefert haben, ist technisch gesehen absolute Oberklasse. Wer über die entsprechende Hardware verfügt – und ich rede hier von einer RTX 4080 oder besser, wenn man in 4K mit vollem Raytracing spielen will –, bekommt das wohl bestaussehende Superhelden-Spiel aller Zeiten serviert. Die Spiegelungen in den Glasfassaden von Manhattan sind messerscharf, und die Lichtstimmung bei Sonnenuntergang lässt einen regelmäßig innehalten, nur um den Fotomodus zu aktivieren.

Besonders hervorzuheben ist die Skalierbarkeit. Auch auf Mittelklasse-Systemen läuft das Spiel dank DLSS 3.5 und Frame Generation erstaunlich flüssig. Wer jedoch auf älteren Systemen spielt, wird schnell merken, dass der Port hungrig ist. Ohne moderne Upscaling-Technologien kommt man bei maximalen Details schnell ins Schwitzen. Die Ladezeiten sind dank DirectStorage-Integration auf einer schnellen NVMe-SSD quasi nicht existent – ein Segen, wenn man wie ich ständig zwischen Peter und Miles hin- und herwechselt.

Gameplay: Das Netzschwingen bleibt ungeschlagen

Am grundlegenden Gameplay hat sich wenig geändert, und das ist auch gut so. Das Gefühl von Geschwindigkeit, wenn man mit den Netzflügeln durch die Häuserschluchten gleitet, ist nach wie vor das beste „Traversing“-System, das ein Open-World-Spiel derzeit zu bieten hat. Die Steuerung per Maus und Tastatur ist erstaunlich präzise umgesetzt; wer jedoch das volle cineastische Erlebnis will, sollte wie gewohnt zum Controller greifen. Die haptischen Effekte des DualSense-Controllers werden am PC (via Kabel) voll unterstützt, was das Trefferfeedback in den Kämpfen deutlich immersiver macht.

Die Kämpfe selbst fühlen sich wuchtig an. Die neuen Fähigkeiten von Peter (Symbiont-Kräfte) und Miles (Bio-Elektrizität) sorgen für eine taktische Tiefe, die das Spiel im Vergleich zum ersten Teil deutlich dynamischer macht. Dennoch: Wer bereits Spider-Man oder Miles Morales gespielt hat, wird sich schnell an das „Mehr vom Gleichen“-Gefühl gewöhnen. Das Rad wurde hier nicht neu erfunden, es wurde lediglich poliert und mit ein paar neuen Gadgets versehen.

Die Story: Zwischen Pathos und Pacing-Problemen

Kommen wir zum kritischen Teil: der Erzählung. Die Geschichte um Kraven den Jäger und Venom ist episch inszeniert, keine Frage. Die Zwischensequenzen haben Blockbuster-Niveau. Doch während die erste Hälfte des Spiels ein hervorragendes Pacing an den Tag legt, wirkt das letzte Drittel gehetzt. Venom taucht auf und verschwindet fast so schnell wieder, wie er gekommen ist. Hier hätte man sich mehr Zeit für die Charakterentwicklung gewünscht, anstatt den Fokus so stark auf die Action-Setpieces zu legen.

Zudem fühlt sich die offene Welt von New York zwar lebendig an, aber die Nebenaktivitäten wirken mittlerweile etwas formelhaft. „Sammle dies“, „Stoppe das Verbrechen“, „Mache ein Foto von jenem“ – das ist das klassische Ubisoft-Formel-Design, das wir mittlerweile auswendig kennen. Hier hätte ich mir für den zweiten Teil etwas mehr Mut zur Innovation gewünscht, anstatt nur die Karte mit Symbolen vollzukleistern.

Fazit: Ein Pflichtkauf, aber kein Meilenstein

Marvel’s Spider-Man 2 auf dem PC ist ein technisches Glanzstück. Es ist die definitive Art, dieses Spiel zu erleben, sofern man die Hardware besitzt. Die Performance ist exzellent, die Steuerung präzise und die Grafik eine Augenweide. Wer jedoch auf bahnbrechende neue Inhalte oder eine revolutionäre Story hofft, wird enttäuscht sein. Es ist „nur“ eine sehr gute Fortsetzung eines sehr guten Spiels.

Für Fans der Reihe ist der PC-Port ein absoluter Pflichtkauf. Wer bisher noch keinen Kontakt mit den Spidey-Spielen hatte, bekommt hier das bisher rundeste Paket geboten. Es ist ein Spiel, das einen für 20 bis 30 Stunden hervorragend unterhält, auch wenn es im letzten Akt etwas an Tiefe vermissen lässt. EndeNews.de gibt eine klare Empfehlung: Schnappt euch die Maske und schwingt euch durch Manhattan – es lohnt sich, auch wenn der Geldbeutel für das Hardware-Upgrade vielleicht kurz weint.

8.8
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Spektakuläre Grafik-Optionen mit exzellentem Raytracing
  • +Nahtlose Performance und blitzschnelle Ladezeiten
  • +Herausragende Maus- und Tastatursteuerung

- CONTRA

  • -Hohe Hardware-Anforderungen für maximale Details
  • -Story-Pacing im letzten Drittel etwas gehetzt
  • -Kaum neue Inhalte im Vergleich zur PS5-Version

FAZIT

Ein vorbildlicher PC-Port mit exzellentem Raytracing und butterweicher Performance, der inhaltlich aber kaum über die PS5-Version hinausgeht.

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