Retro-Futurismus mit Herzrasen: Warum Routine uns endlich den Mond-Horror bringt, den wir verdienen
Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Entwicklungshölle ist Routine endlich da. Wir haben uns auf die verlassene Mondbasis gewagt und herausgefunden, ob der atmosphärische Sci-Fi-Horror den hohen Erwartungen gerecht wird.
Es gibt Spiele, deren Entwicklung sich so lange hinzieht, dass man fast vergisst, warum man sich ursprünglich darauf gefreut hat. Routine ist ein Paradebeispiel für dieses Phänomen. Seit der ersten Ankündigung vor über einem Jahrzehnt hat sich die Gaming-Landschaft massiv verändert. Doch nun, im Jahr 2025, ist das Abenteuer auf der verlassenen Mondbasis endlich Realität. Die große Frage ist: Kann ein Spiel, das so lange in der Mache war, heute noch überzeugen?
Die kurze Antwort lautet: Ja, aber mit Abstrichen.
Wer Routine startet, wird sofort von einer Atmosphäre erschlagen, die ihresgleichen sucht. Die Entwickler haben den Look des „Retro-Futurismus“ perfekt eingefangen. Alles sieht so aus, wie man sich in den 80er Jahren die Zukunft vorgestellt hat: klobige Röhrenmonitore, physische Schalter, die bei Betätigung ein befriedigendes Klacken von sich geben, und ein Design, das stark an Klassiker wie Alien oder 2001: Odyssee im Weltraum erinnert. Es ist diese Liebe zum Detail, die den Spieler sofort in die Basis saugt. Man fühlt sich nicht wie in einem modernen High-Tech-Labor, sondern wie in einer rostigen, klaustrophobischen Blechdose, die jeden Moment den Geist aufgeben könnte.
Ein besonderes Highlight ist das Interface-Design. Es gibt kein HUD. Wenn ihr wissen wollt, wie viel Energie euer Gerät noch hat oder wo ihr euch befindet, müsst ihr auf die physischen Anzeigen an euren Gadgets schauen. Das mag simpel klingen, erhöht den Immersion-Faktor aber massiv. Wenn man in einer dunklen Ecke kauert und panisch auf ein flackerndes Display starrt, während man Schritte in der Nähe hört, dann ist das purer, ungefilterter Horror.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und hier kommen wir zum kritischen Teil: dem Gameplay. Routine ist kein Action-Spiel. Wer hier ballern will, ist an der falschen Adresse. Das Spiel setzt auf Stealth und Flucht. Das Problem dabei ist die KI der Gegner. In einem Moment sind sie gnadenlose Jäger, die auf jedes Geräusch reagieren, im nächsten Moment bleiben sie an einer Tür hängen oder laufen stumpfsinnig gegen eine Wand, während man direkt hinter ihnen steht. Wenn die KI aussetzt, verfliegt die mühsam aufgebaute Spannung sofort. Das ist besonders schade, da das Spiel in seinen besten Momenten – etwa wenn man sich durch die dunklen Korridore schleicht und nur das Summen der Lüftung hört – absolut brilliert.
Auch beim Pacing gibt es Schwächen. Während die erste Hälfte des Spiels durch eine hervorragende Erzählweise und ein stetiges Voranschreiten besticht, verliert sich Routine in der zweiten Hälfte in repetitivem Backtracking. Man wird oft dazu gezwungen, durch bereits besuchte Sektoren zurückzulaufen, um einen Schlüssel oder eine Zugangskarte zu finden. Das wirkt wie ein künstlicher Streckungsfaktor, der den Spielfluss unnötig ausbremst.
Ein weiterer Punkt, der mich während meiner Testzeit immer wieder aus der Immersion gerissen hat, ist die Steuerung. Sie ist zwar bewusst etwas schwerfälliger gehalten, um das Gefühl eines Raumanzugs zu simulieren, doch in den hektischen Fluchtmomenten fühlt sie sich oft zu schwammig an. Wenn man in einer engen Kurve hängen bleibt, weil das Movement-System nicht präzise genug reagiert, führt das eher zu Frust als zu echtem Nervenkitzel.
Dennoch: Routine ist ein Spiel, das man trotz seiner Ecken und Kanten gespielt haben muss, wenn man Sci-Fi-Horror liebt. Es ist ein atmosphärisches Meisterwerk, das vor allem durch seine visuelle Gestaltung und das Sounddesign glänzt. Die Soundkulisse – das metallische Ächzen der Basis, das ferne Rauschen der Lebenserhaltungssysteme – ist erstklassig und sorgt dafür, dass man sich nie sicher fühlt.
Fazit: Routine ist kein perfektes Spiel. Es ist ein Relikt einer anderen Ära, das sich in die Moderne gerettet hat. Es hat Macken bei der KI und beim Pacing, aber es besitzt eine Seele, die vielen modernen AAA-Produktionen fehlt. Wer bereit ist, sich auf das langsame, bedrückende Tempo einzulassen und über die kleineren technischen Mängel hinwegzusehen, wird mit einem der atmosphärischsten Sci-Fi-Abenteuer der letzten Jahre belohnt. Es ist ein Spiel, das nicht durch Action überzeugt, sondern durch das, was es nicht zeigt – und genau das macht den Horror auf dem Mond so effektiv.
Für Fans von Amnesia oder Alien: Isolation ist Routine ein Pflichtkauf, auch wenn man vielleicht auf einen ersten Patch warten sollte, der die KI-Aussetzer behebt. EndeNews.de sagt: Ein mutiger, wenn auch nicht ganz fehlerfreier Ausflug ins All.
+ PRO
- +Herausragendes, authentisches 80er-Jahre-Retro-Futurismus-Design
- +Extrem dichte Atmosphäre durch exzellentes Sounddesign
- +Innovatives Interface-System ohne störende HUD-Elemente
- CONTRA
- -Gelegentliche KI-Aussetzer bei den Gegnern nehmen die Spannung
- -Backtracking in den späteren Spielabschnitten wirkt etwas gestreckt
- -Die Steuerung fühlt sich in hektischen Momenten manchmal zu schwammig an
FAZIT
Ein atmosphärisch dichter 80er-Retro-Futurismus-Horror auf der Mondbasis, der mit KI-Aussetzern und Backtracking zu kämpfen hat.
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