868-BACK – Ein retroes Desaster, das in die Tonne gehört
Ein lieblos zusammengeklautes C64-Homebrew-Spiel, das mit mieser Steuerung, öder Pixelgrafik und einem Soundtrack aus drei Tönen den Retro-Charme vermissen lässt.
Erster Eindruck – liebloser Klon ohne Seele
868-BACK wurde 2023 als „hommage an klassische C64-Plattformer“ angekündigt. Tatsächlich erinnert es an eine hastig zusammengeschusterte Basic-Kopie von „Boulder Dash“ oder „Jumpman“.
Das Menü bietet genau drei Optionen: Start, Credits (eine Zeile) und Beenden. Mehr nicht. Keine Optionen, keine Bildschirmmodi, kein Sound-Volume.
Gameplay – Kampf gegen die Hitbox
Die Steuerung reagiert träge auf Tastendrücke. Die Figur hüpft etwa 0,3 Sekunden nach dem Knopfdruck. Das zerstört jede Timing-basierte Passage.
Die einzigen Gegner – grüne Blobs – bewegen sich zufällig über den Bildschirm. Kollisionserkennung funktioniert nur auf einer Achse. Wer seitlich an einem Blob vorbeihüpft, stirbt trotzdem.
- Keine Power-Ups, keine Waffen
- Keine Checkpoints – nur Start und Tod
- Einzige Aktion: Springen oder Sterben
Leveldesign – Spiegelbild der Langeweile
Die ersten beiden Level variieren noch minimal: Plattformen, Leitern, eine Falle. Ab Level 3 wird der Bildschirm horizontal gespiegelt.
Level 4 ist Level 2, nur mit anderer Hintergrundfarbe. Das wiederholt sich bis Level 8. Der Entwickler gibt im Readme zu: „Ich hatte keine Zeit für mehr.“
Technik – solide Verarbeitung (aber das wars auch)
Die ROM-Datei ist sauber programmiert. Keine Abstürze, kein Ruckeln. Auf einem originalen C64 läuft es flüssig.
Der Soundtrack besteht aus drei Dauerschleifen: Startbildschirm, Ingame, Game-Over. Die Ingame-Melodie wiederholt sich nach 8 Sekunden. Sie nervt nach Minute zwei.
Fazit – Nicht mal für Nostalgiker
Bis auf die saubere Emulation und den niedrigen Preis hat 868-BACK nichts zu bieten. Es ist ein halbgares Experiment, das besser in einer Programmier-Übung verschwunden wäre.
Wer echte Qualität sucht, greift zu „Spelunky“ oder „Downwell“. Wer trotzdem 3 Euro ausgeben will, sollte zumindest eine Tüte Chips kaufen – das hält länger.
+ PRO
- +Authentische 16-Farben-Palette erinnert an echte C64-Spiele
- +Keine Ladezeiten durch direkte ROM-Einbindung
- +Das Jump’n’Run-Grundgerüst funktioniert auf glatten Untergründen
- +Soundchip-Simulation klingt originalgetreu blechern
- +Der Preis von 2,99 Euro ist schwer zu unterbieten
- CONTRA
- -Kollisionsabfrage erkennt Gegner erst 8 Pixel nach Berührung – unfair
- -Nur ein einziger Schwierigkeitsgrad mit unveränderbaren Parametern
- -Level 3 bis 8 sind identische Spiegelungen von Level 1 und 2
- -Keine Speicherfunktion – nach jedem Game-Over startet das Spiel von vorne
FAZIT
Ein missglückter Hommage-Versuch, der selbst für hartgesottene Retro-Fans eine Zumutung ist – nur mit viel Nostalgie und Bier erträglich.
VERWANDTE ARTIKEL
N.E.R.D: Ein digitales Fiasko in Pixel-Form
Ein technisch mangelhafter Plattformer, der seine ambitionierten Ideen unter einem Berg aus Bugs begräbt.
Mina the Hollower & Soundtrack Bundle: Ein Grusel-Retro-Abenteuer mit Biss und kleinen Wunden
Yacht Club Games liefert mit Mina the Hollower einen top-down Action-Adventure-Horror im Stile alter Game-Boy-Klassiker, der atmosphärisch stark ist, aber an einigen Stellen die Geduld des Spielers auf die Probe stellt.
Scale the Depths: Ein tiefer Absturz
Der Indie-Plattformer Scale the Depths enttäuscht trotz ambitionierter Unterwasser-Ästhetik mit unausgegorener Mechanik und vielen Bugs.
14 Wahrheiten über Skyrim, Zelda und mehr, die euch nie aufgefallen sind
Wir entlarven die skurrilen und oft absurden Fassaden hinter euren liebsten Gaming-Klassikern.