Fatekeeper, Ein missratener Griff nach den Sternen
Ein liebloses Action-RPG, das an seiner eigenen Ideenlosigkeit und zahlreichen Bugs zerbricht.
Erster Eindruck, Vom Regen in die Traufe
Fatekeeper wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Indie-Klon der frühen 2000er-Diablo-Kopie. Die Hauptfigur steht in einer farblosen Taverne, ein NPC erzählt holprig von einer Bedrohung. Das Original ließ mehr Atmosphäre aufkommen als diese Graupappe. Nach drei Minuten hängt man an den Tasten fest: nur eine primitive linke Maustaste-Attacke, kein Ausweichen, kein Blocken. Einzig die Spezialfähigkeit alle 30 Sekunden bringt Abwechslung, falls man sie trifft.
Die Steuerung reagiert träge, der Charakter dreht sich wie ein Öltanker. Schon die erste Ratte im Keller braucht fünf Klicks. Unfreiwillig komisch wird es, wenn die Kreatur plötzlich in der Wand verschwindet und von hinten zubeißt.
Kampfsystem, Ein Klick ins Leere
Das Herz jedes Action-RPGs ist der Kampf. Fatekeeper bietet:
- Genau einen Angriffsbutton (linke Maustaste)
- Einen „Sprint“, der tatsächlich langsamer macht als normales Laufen
- Eine Spezialfähigkeit mit 30-Sekunden-Cooldown
- Keine Block- oder Ausweichmechanik
Gegner besitzen zwei Verhaltensmuster: Sie stehen still oder rennen im Kreis. Die Trefferanimation fehlt komplett. Man sieht nur eine Zahl über dem Monster, die Schaden anzeigt, aber keine Bewegung im Modell. Nach dem Tod des Feindes verschwindet er ohne Sound oder Effekt. Einfach weg.
Besonders grotesk: Bossgegner nutzen die gleiche KI wie normale Ratten, haben aber mehr Lebenspunkte. Der erste Boss, ein „Dämonenkrieger“, stand regungslos da, während ich ihn für 45 Sekunden totklickte. Selbst ein Punching-Bag im Boxsack-Training hätte mehr Gegenwehr geleistet.
Story und Welt, Nichts dahinter
Die Handlung liest sich wie ein mittelmäßiger Fantasyschinken aus dritter Reihe. Der Spielercharakter ist der titelgebende Fatekeeper, ein Hüter des Schicksals, aber warum das wichtig ist, erklärt niemand. Die Dialoge bestehen aus zwei, drei Sätzen pro NPC. Die deutsche Übersetzung scheitert an einfachen Wörtern: „Schatz“ wird zu „Schatzsuche“, „Söldner“ zu „Soldner“. Die Quests folgen dem Schema: „Töte 10 X“ oder „Bringe Item Y zu NPC Z“. Keine Nebenentscheidungen, keine Überraschungen.
Die Spielwelt besteht aus drei Gebieten: Wald, Ruinen, Lavahöhle. Alle sehen identisch aus, die Texturen wiederholen sich. Der Wald hat hellgrüne Bäume, die Ruinen graue Steinbrocken, die Lavahöhle orangefarbene Pixel. Mehr Abwechslung gab es in Spielen von vor 25 Jahren.
Technik und Performance, Absturzgarantie
Die technische Umsetzung ist das größte Problem. Fatekeeper läuft auf einem Mittelklasse-PC mit konstanten 60 FPS, bis man in die erste Stadt kommt. Dort sackt die Framerate auf 15-20 ab. Die Ursache: überflüssige Partikeleffekte an einem unnötigen Brunnen. Keine Optimierung in Sicht.
- Speicherstände korrumpieren nach etwa 3 Stunden Spielzeit. Das hat mein erster Durchlauf gezeigt. Das Spiel speichert automatisch an bestimmten Punkten, aber nach einem Ladeversuch war der Save leer.
- Texturen laden extrem langsam nach. Man sieht oft eine graue Fläche, die erst nach 5-10 Sekunden Details zeigt.
- Sound bricht ab und zu komplett weg. Musik startet nur bei Bosskämpfen, und dann meist mitten im Kampf.
Es gibt keine Optionen für Grafikdetails. Nur eine Auflösungseinstellung und ein Volume-Regler. Die Menüs sind aus den 90ern: einfache weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Im Jahr 2024 ist das kein Retro-Charme, sondern Schlamperei.
Fazit, Nur für hartgesottene Fehlerforscher
Fatekeeper scheitert auf ganzer Linie. Es erfüllt die Grundanforderungen eines Action-RPGs nicht: kein knackiges Kampfsystem, keine fesselnde Welt, keine stabile Technik. Die paar positiven Aspekte, drei Klassen, kurze Hauptquest, kein Kopierschutz, wiegen die Flut an Bugs und Designfehlern nicht auf.
Die Bewertung von 4/10 ist noch gnädig. Wer wirklich sehen will, wie schlecht ein Indie-RPG sein kann, findet hier Anschauungsmaterial. Alle anderen spielen lieber eins der hundert besseren Spiele, die es für das gleiche Geld gibt. Fatekeeper ist ein Warnsignal für unfertige Early-Access-Titel, die nie fertig werden.
+ PRO
- +Drei wählbare Charakterklassen mit jeweils einer Spezialfähigkeit
- +Einfaches Levelsystem ohne unnötige Komplexität
- +Soundtrack enthält zwei brauchbare Tracks für Bosskämpfe
- +Hauptquest lässt sich in etwa 6 Stunden durchspielen
- +Kein Denuvo oder Online-Zwang
- CONTRA
- -Kampfsystem mit nur einem Angriffsbutton und null Trefferfeedback
- -Gegner-KI bleibt regelmäßig an der gleichen Stelle stehen
- -Deutsche Übersetzung wirkt wie von Google Translate, Dialoge sinnentstellt
- -Speicherstände korrumpieren nach ca. 3 Stunden Spielzeit zuverlässig
FAZIT
Fatekeeper ist ein fehlerhaftes Zeitgrab, das nur absolute Hardcore-Sammler oder Freunde des unfreiwilligen Humors anspricht.
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