Heavenly Island: Wo die Hölle auf Erden wartet
Ein Open-World-Crafting-Spiel, das mit 10 Quadratkilometern Landfläche lockt, aber in einer technischen und spielerischen Wüste endet.
Der erste Eindruck
Heavenly Island startet mit einem hübschen, animierten Wolkenzug über pastellfarbenen Bergen. Dieser Moment täuscht: Was folgt, ist eine der enttäuschendsten Open-World-Erfahrungen der letzten Jahre.
Die Ankündigung versprach „10 Quadratkilometer Handarbeit“. In der Realität besteht die Insel aus flachen, texturlosen Flächen, die erst nach zehn Sekunden nachladen, selbst auf einer SSD mit PCIe 4.0.
Die Handlung im Detail
Die Geschichte: Der Spieler erwacht als Gestrandeter auf einer Insel, die ein uraltes Geheimnis birgt. Drei Fraktionen warten auf Entscheidungen, doch die Dialoge bestehen aus genau einem Satz pro NPC.
- Einzige Stadt: „Hafenstadt Aether“ mit 8 Bewohnern
- Jeder NPC sagt wortwörtlich: „Die Insel wartet, Fremder.“
- Story-Ende nach 20 Minuten, drei Variationen per Wahl, alle führen zum selben Abspann
Die „tiefgründige Lore“ erschöpft sich in zwei verstreuten Notizen, die man in zufällig generierten Truhen findet.
Gameplay-Mechaniken
Das Crafting-System umfasst 200 Rezepte, von Steinwerkzeugen bis zu Eisenrüstungen. Die Rohstoffe liegen verstreut, doch die Werkbank erlaubt nur lineare Fortschritte ohne echte Synergien.
- Überlebensmechanik: Hunger- und Durstbalken sinken doppelt so schnell wie in üblichen Survival-Spielen
- Feinde: Drei Tierarten (Wolf, Bär, Vogel), alle mit identischem Angriffsmuster
- Multiplayer: 32-Spieler-Server, aber ständiges Rubberbanding macht Bewegung zur Qual
Die KI der Gegner bleibt in Felsbrocken stecken oder rennt planlos gegen Bäume. Einzig der Tag-Nacht-Zyklus mit animierten Sternenmustern wirkt durchdacht, doch er ändert weder Gameplay noch Gegnerverhalten.
Technische Mängel
Heavenly Island läuft auf der Unity-Engine, aber mit katastrophaler Optimierung. Selbst auf einem Mittelklasse-PC (RTX 3060, 16 GB RAM) ruckelt die Framerate auf unter 20 FPS, sobald mehr als drei Bäume im Bild sind.
- Texturen laden nach: 10–15 Sekunden Warteraum bei jedem Gebietswechsel
- Sound bricht bei jedem Ladevorgang ab, dann Stille für 3 Sekunden
- Abstürze: im Test alle 45 Minuten, ohne Fehlermeldung
Der Speicherstand lässt sich nur manuell auslösen, Autosave existiert nicht. Bei einem Tod fallen sämtliche Gegenstände ins Nichts; ein Respawn-Punkt fehlt völlig.
Fazit
Heavenly Island ist der Versuch eines frühen Early-Access-Titels, der nie das Alpha-Stadium verließ. Die hübsche Menü-Animation und der eine nette Soundtrack können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein unfertiges Produkt zum Vollpreis (29,99 Euro) angeboten wird.
+ PRO
- +Animierter Wolkenzug im Hauptmenü sorgt für kurze Ruhepause
- +Soundtrack aus 5 melancholischen Klavierstücken hat Atmosphäre
- +Crafting-Rezepte decken 200 Items von Steinzeit bis Eisenzeit ab
- +Tag-Nacht-Zyklus mit dynamischen Sternenmustern ist nett
- +Charaktererstellung bietet 12 Frisuren und 3 Hautfarben
- CONTRA
- -Texturen laden erst nach 10 Sekunden nach, selbst auf einer SSD
- -NPCs in der einzigen Siedlung wiederholen stets denselben Dialog
- -Bei Tod fallen alle Gegenstände ins Nichts, kein Respawn möglich
- -Server-Rubberbanding im Multiplayer-Modus zerstört jede Bewegung
FAZIT
Ein ambitioniertes Nichts, das in seiner technischen und spielerischen Armut untergeht.
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