Rubinite, Ein Edelstein mit vielen Facetten, aber auch Sprüngen
Im Plattformer-Hit 'Rubinite' kämpft ihr mit einem Kristallschwert gegen Farbmonster, doch die mangelnde Abwechslung trübt den Glanz.
Erster Eindruck
Das Menü von Rubinite begrüßt euch mit einem minimalistischen Pixel-Bildschirm und einem Glöckchen-Sound, der an alte 8-Bit-Tage erinnert. Der Titelbildschirm zeigt ein schwebendes rotes Kristallschwert, das einzige Versprechen auf die Mechanik, die das ganze Spiel trägt.
Nach drei Sekunden Start-Ladezeit (gemessen mit Stoppuhr) landet ihr in einer Höhle aus violetten und grauen Blöcken. Kein Tutorial, kein Erzähler. Nur eine kurze Animation, wie der Protagonist das Schwert aus einem Sockel zieht. Das ist mutig, aber auch verwirrend.
Gameplay und Steuerung
Das Kern-Feeling von Rubinite lebt von präzisen Sprüngen und einem Wandgleit-Mechaniker, der sich geschmeidig anfühlt. Die Toleranz beim Klettern ist einstellbar, ein Detail, das viele Indie-Plattformer vermissen lassen.
- Waffen-Upgrade-System mit vier Elementen (Feuer, Eis, Blitz, Schatten) verändert nicht nur den Schaden, sondern auch die Projektile.
- Bosskämpfe in drei Phasen: Der erste Wächter etwa nutzt eine sich drehende Kugel aus rotierenden Klingen, das Muster lässt sich lernen, aber nicht einfach ausmerzen.
Doch die Karte ist ein Ärgernis. Sie zeigt nur grobe Umrisse der Räume, aber keine Verbindungen zwischen den Gängen. Wer sich verirrt, läuft oft fünf Minuten in die falsche Richtung.
Gegner und Herausforderungen
Die Monstervielfalt enttäuscht. Es gibt exakt sechs Grundtypen: schleimige Kugeln, fliegende Augen, steinerne Golems, spinnenartige Läufer, Schattengeister und einen wiederkehrenden Ritter. Jeder Typ hat maximal zwei Varianten (größer, schneller).
- Kein einziger Gegner interagiert mit der Umgebung, sie laufen alle stur auf euch zu.
- Die KI bleibt in Türrahmen stecken, besonders bei den fliegenden Augen. Das passiert in etwa jedem zehnten Kampf.
Atmosphäre und Sound
Die handgezeichneten Hintergründe glänzen mit animierten Lichtquellen: Fackeln flackern, Kristalle pulsieren, Wasser reflektiert den Himmel. Der Soundtrack von einem unbekannten Komponisten setzt auf melancholische Piano-Melodien und dumpfe Bass-Drones.
Leider bricht die Ladezeit nach jedem Tod den Fluss. Vier Sekunden auf einem aktuellen PC sind unnötig lang, hier hätte eine Optimierung vor Release gut getan.
Story und Rätsel
Die Handlung wird ausschließlich über Kryptogramme erzählt. Diese Kristall-Inschriften geben erst nach Entzifferung einen Satz Preis, ohne Hilfestellung. Wer keine Lust auf Codeknacken hat, ignoriert die Story komplett.
- Einige Rätsel sind clever (etwa das Spiegeln von Lasern mit Kristallen).
- Andere wirken willkürlich: Im zweiten Akt müsst ihr einen Code eingeben, der nirgendwo im Spiel erwähnt wird. Lösung findet sich nur in der Steam-Diskussion.
Technische Umsetzung
Auf einem Mittelklasse-PC (Ryzen 5, GTX 1660) läuft Rubinite mit konstanten 60 FPS. Keine Abstürze, keine Grafikfehler. Die Steuerung reagiert sofort, wichtig für einen Plattformer.
Doch die besagte Karten-Problematik und die Ladezeiten trüben den Eindruck. Ein Patch nach Release ist nicht angekündigt, das letzte Update liegt drei Monate zurück.
Fazit
Rubinite ist kein schlechtes Spiel. Es bietet präzise Sprünge, ein solides Waffensystem und atmosphärische Pixeloptik. Aber die geringe Gegner-Vielfalt, die kryptische Story und die unübersichtliche Karte verhindern, dass der Edelstein richtig glänzt. Für 12 Euro (aktueller Steam-Preis) bekommt ihr etwa 6–8 Stunden Unterhaltung, wenn ihr Rätsel mögt und Geduld für Ladezeiten habt.
+ PRO
- +Präzises Sprung- und Wandgleit-System mit einstellbarer Toleranz
- +Waffen-Upgrade-System mit 4 Elementar-Effekten verändert Angriffsstrategien
- +Handgezeichnete Hintergründe mit animierten Lichtquellen sorgen für Atmosphäre
- +Bosskämpfe mit 3 Phasen erfordern Timing und Mustererkennung
- +Versteckte Kristall-Splitter schalten alternative Routen und einen Bonus-Boss frei
- CONTRA
- -Karte zeigt nur grobe Umrisse und keine Raum-Vernetzungen an
- -Gegner-Arten lassen sich auf nur 6 Grundtypen herunterbrechen
- -Story wird ausschließlich über Kryptogramme erzählt, wer keine Rätsel mag, bleibt außen vor
- -Ladezeiten nach jedem Tod (ca. 4 Sekunden) brechen den Spielfluss
FAZIT
Wer knackige Sprungpassagen und Pixeloptik liebt, findet hier ein solides Abenteuer, aber die überschaubare Gegner-Vielfalt und die kryptische Erzählweise verhindern ein rundes Gesamterlebnis.
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