Twisted Tower im Test: Ein Turm, der sich dreht und dich trotzdem austricksen will
Ein surrealer Schieß- und Kletterausflug durch einen lebendigen Turm, der zwischen Genie und Frust schwankt.
Erste Sicht
Ein Turm, der die Erwartung an Leveldesign um 90 Grad dreht und wie ein Museumsstück aus dem PS1-Zeitalter wirkt. Twisted Tower wirft mich ohne Intro in einen Blechkubus, in dem sich jede Wand als Tür herausstellt.
Die Farbpalette setzt auf Rost, Blut und Fliesenblau. Ich steuere einen namenlosen Wächter, der die spiralförmige Anlage erklimmt, um einen zerbrochenen Gebetshammer zu reparieren.
Twist-Mechanik
Das Herzstück ist genau das, was der Titel verspricht: In markierten Räumen drehen sich Bodenplatten und Wände, wodurch Sackgassen zu Treppenhäusern werden. Die Räume formen sich dabei zu 3D-Puzzles, die an Escher als faire Version erinnern.
- In einem Raum wird aus einer Mauernische ein Durchgang, sobald ich den Drehschalter mit der Schrotflinte aktiviere.
- Die Rotation läuft nie so schnell, dass ich die Kontrolle verliere. Aber im Kampf um die Orientierung entsteht eine räumliche Komplexität, die ich so noch nicht gesehen habe.
Waffen und Kampf
Das Arsenal umfasst sechs Waffen mit alternativen Feuermodi. Der Knochensplitter-Flinger verriegelt nach jedem Schuss eine halbe Sekunde; Mist, aber fair.
Die Rüstungsmodi wie die „Haudrauf-Feder“ verändern Sprungkraft und Schadensabwurf, sodass ich zwischen den Etagen frei wechseln kann. Das bringt Abwechslung, denn manche Räume verlangen schnelle Kletterrouten, andere eher defensives Ducken.
- Die Faksimile-Schrotflinte zerlegt Schleimgegner in Einzelteile, ist aber auf Distanz nutzlos.
- Der Rost-Schnelllauf aktiviert eine 2,4 Sekunden lange Fluchtphase, genau richtig gegen die stacheligen Wurmlauncher.
Bosse
Die drei Bossgegner nehmen die Spielmechanik ernst. Das „Treppenhaus“ zwingt mich, Rotationen zu antizipieren und gezielt in Ruhephasen zu schießen, eine gelungene Prüfung.
Die „Wahnsinnsglocke“ dagegen hat eine Phase, in der der Glockenschwung den gesamten Raum belegt, ohne farbigen Wind oder Schatten anzukündigen. Ohne Speedrun-Wissen hilft nur Trial-and-Error, und das in Kombination mit langen Wiederholungswegen.
Atmosphäre und Technik
Das PS1-Retro-Rendering mit Dithering und niedriger Auflösung verpasst der Kletterei eine angenehm klaustrophobische Enge. Das Knarzen der Turmgelenke beim Richtungswechsel bleibt bis zum Abspann im Ohr.
Performance ist einwandfrei: auf einem AMD Ryzen 5 und einer GTX 1660 Super gibt es durchgehend 60 FPS, keine Abstürze in zehn Stunden Spielzeit.
Dafür klemmt die Kamera in engen Fluren an Oberlichtern fest. Gerade in den Twist-Räumen verliere ich dadurch manchmal den Blick auf die nächste Rotation, was zu unnötigen Stürzen führt.
Kritik
In der zweiten Turmhälfte setzt die Armut des Soundpools ein. Die grunzenden Steinwächter klingen ab Level 3 wie eine Endlosschleife, und die Hintergrundmusik variiert nur noch in der Tonhöhe.
- Checkpoints stehen zu selten: Nach dem dritten Tod gegen die „Wahnsinnsglocke“ starte ich am Etagenanfang und muss eine lange Klettersektion erneut absolvieren.
- Sprungpassagen mit gleichzeitigen Schüssen erfordern eine Genauigkeit, die das analoge Steuerkreuz in dieser Sechzig-Hertz-Umgebung nicht zuverlässig bietet.
Fazit
Am Ende bleibt mir die Klettertür im sechsten Stock im Kopf, deren Türrahmen sich bei jedem Öffnen verbeugt, als würde sie den Wächter höflich verabschieden. Twisted Tower hat acht Stunden Spielzeit, ein mutiges Twist-Konzept und technische Ecken, die es knapp unter die Spitzenklasse drücken.
+ PRO
- +Die Twist-Mechanik rotiert Raumteile live und schafft erstaunliche Wege-Verbindungen
- +Der Knochensplitter-Flinger verlangt echtes Timing und eine ruhige Hand
- +Der Bosskampf gegen das 'Treppenhaus' führt alle vorherigen Mechaniken clever zusammen
- +Das PS1-Retro-Rendering mit Dithering transportiert eine beklemmende Atmosphäre
- +Auf Mittelklasse-PCs laufen die 60 FPS stabil und ruhig
- CONTRA
- -Kamera klemmt in engen Fluren regelmäßig an Oberlichtern fest
- -Soundpool wiederholt sich ab Level 3 schmerzhaft monoton
- -Checkpoint-Mangel in der Turmmitte erzwingt mühsame Wiederholungswege
- -Die Glockenschwung-Phase im Bosskampf ist ohne visuellen Hinweis kaum antizipierbar
FAZIT
Mit gewagter Architektur und zwei offensichtlichen Macken bleibt Twisted Tower ein lohnenswerter, aber streitbarer Retro-Ausflug.
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