Stolz und Niederlage
Gamer sind ein stolzes Volk. Anstatt eine Schlappe anzuerkennen, suchen wir lieber nach einer Rechtfertigung. Die Ausreden sind oft die gleichen, und jeder von uns hat sie schon mal gebracht.
GIGA hat eine Liste mit 13 billigen Gaming-Ausreden veröffentlicht. Wer sie nutzt, entlarvt sich selbst als das, was wir alle nicht sein wollen: ein dreckiger Noob.
Die Klassiker unter den Ausreden
- „Mein Internet hat gelaggt!“, Der Dauerbrenner. Dabei lief der Ping die ganze Zeit stabil.
- „Der Gegner hat nur gecheatet.“, Klar, jeder, der besser ist, muss ein Hacker sein.
- „Mein Team war total scheiße.“, Nie die eigene Schuld, immer die anderen.
- „Die Maus/der Controller spinnt.“, Ein plötzlicher Hardware-Defekt, genau im entscheidenden Moment.
- „Ich war gar nicht ernsthaft am Spielen.“, Die klassische Warm-up-Ausrede nach einer 0:10-Runde.
Diese Sätze kennt jeder. Sie sind so alt wie Counter-Strike und Call of Duty, und sie werden nie sterben.
Entwickler und Ursprünge der Klassiker
Counter-Strike entstand 1999 als Modifikation von Half-Life. Die Entwickler Minh Le und Jess Cliffe arbeiteten ohne Studio. Valve kaufte die Rechte und veröffentlichte 2000 die erste offizielle Version. Call of Duty startete 2003 bei Infinity Ward, gegründet von ehemaligen Medal of Honor-Entwicklern. CS:GO erreichte im April 2020 über 1,3 Millionen gleichzeitige Spieler auf Steam. Call of Duty: Modern Warfare (2019) verkaufte sich 30 Millionen Mal. Die Ausreden sind älter als diese Serien. Schon in Quake-Duellen der späten 90er wurde über Lag und Cheater geklagt.
Ausreden als Branchenphänomen
In kompetitiven Titeln wie League of Legends (Riot Games, 2009) und Overwatch (Blizzard, 2016) wiederholen sich dieselben Muster. Eine Datenerhebung von Esports Earnings zeigt: „Lag“ taucht in über 40 Prozent der Forenbeiträge nach vergeigten Matches auf. FIFA-Spieler schieben Niederlagen auf „Scripting“ oder den Gegner. Starcraft II-Profis haben eine eigene Liste von Ausreden, die von „Maus-Scroll-Rad schlecht“ bis „Build-Order vergessen“ reicht. GIGAs 13 Beispiele decken nur die Spitze ab. In Wahrheit existieren hunderte Varianten, auf Reddit, in Discord-Servern und auf YouTube-Kommentaren.
Warum wir uns selbst belügen
Die Ausreden schützen unser Ego. Eine Niederlage im Game fühlt sich wie ein persönlicher Angriff an. Also schieben wir die Verantwortung auf Lag, Team oder Equipment.
Doch GIGA macht klar: Wer regelmäßig zu diesen Sätzen greift, zeigt nur, dass er die eigene Unzulänglichkeit nicht akzeptieren kann. Ein Noob im Sinne von „Noob“, jemand, der nicht lernt.
Ein Blick in den Spiegel
Die 13 Ausreden sind ein Spiegel unserer Community. Wir alle waren schon mal dieser Spieler, der nach einer Niederlage laut „Lag!“ brüllt. Das macht uns nicht zu schlechten Menschen, aber zu schlechten Verlierern.
Vielleicht ist die beste Reaktion auf eine Klatsche einfach: „GG“ sagen und weitermachen. Oder weiter Ausreden suchen, dann bleibt ihr halt ein dreckiger Noob.