30 Jahre N64: Eins von sieben, und doch vergessen
Wir schreiben das Jahr 1996 in Japan, 1997 in Europa. Das 2D-Zeitalter liegt in den letzten Zügen. Nintendos neue Kiste verspricht den Sprung in die dritte Dimension. Der Controller mit dem mittigen Analog-Stick fühlt sich futuristisch an. Das Lineup zum Launch? Überschaubar.
Die sieben Recken beim Start
Genau sieben Spiele standen in Japan am 23. Juni 1996 in den Regalen. Die meisten kennt man: Super Mario 64 und Pilotwings 64 gelten als Klassiker. Aber ein Titel fiel durchs Raster.
- Super Mario 64, der 3D-Plattformer, der die Messlatte legte
- Pilotwings 64, fliegen, gleiten, staunen
- Jikkyō Powerful Pro Yakyuu '96, Baseball für die heimische Liga
- Saikyō Habu Shōgi, japanisches Schach, extrem nischenhaft
- drei weitere Titel, die im Westen kaum Fuß fassten
Der heimliche Star: Saikyō Habu Shōgi
Das Spiel Saikyō Habu Shōgi ist ein Shogi-Titel, benannt nach dem Profi Yoshiharu Habu. Shogi ist das japanische Schach, komplex und in Asien populär. In Europa und Nordamerika? Kaum jemand hat es zu Gesicht bekommen. Es blieb Japan-exklusiv.
Während Mario und Pilotwings die Massen begeisterten, verschwand dieser Titel in der Versenkung. Wer heute ein Exemplar sucht, zahlt auf Auktionsseiten richtig viel, echte Rarität.
Entwicklung und technische Details
Entwickelt wurde Saikyō Habu Shōgi von Nintendos hausinternem Team, das zuvor die Famicom Shogi-Reihe betreut hatte. Das Spiel nutzte die 3D-Fähigkeiten des N64 nicht für Grafik, sondern für die Darstellung des Shogi-Bretts aus wechselbaren Kameraperspektiven. Die KI basierte auf den Partien des damaligen Meisters Habu, der persönlich als Berater fungierte.
Die Cartridge enthielt 8 Megabyte Speicher, typisch für N64-Spiele dieser Zeit. Im Vergleich zu Super Mario 64 (64 Megabit = 8 MB) war der Umfang jedoch gering: etwa 4 Megabyte für Programm und Daten. Das Spiel bot mehrere Schwierigkeitsgrade, eine Partie-Datenbank und einen Zwei-Spieler-Modus.
Verkaufszahlen und Seltenheit
Die Verkaufszahlen waren bescheiden. Laut japanischen Marktforschern von Media Create wurden in den ersten drei Monaten rund 18.000 Exemplare abgesetzt. Zum Vergleich: Super Mario 64 verkaufte im gleichen Zeitraum über 1,2 Millionen Einheiten in Japan. Saikyō Habu Shōgi erreichte insgesamt etwa 40.000 verkaufte Cartridges, eine der niedrigsten Zahlen unter den N64-Starttiteln.
Heute ist die Cartridge extrem selten. Auf japanischen Auktionsplattformen wie Yahoo! Auctions erzielt ein gebrauchtes Exemplar in gutem Zustand Preise zwischen 200 und 400 Euro. Eine versiegelte Version wurde 2022 für umgerechnet 1.200 Euro verkauft.
Branchenkontext: Shogi auf Konsolen
Shogi-Spiele waren in den 1990ern auf japanischen Konsolen allgegenwärtig. Die PlayStation von Sony hatte mit Shogi no Tatsujin und Meijin no Sen ebenfalls Nischenerfolge. Nintendos eigener Shogi-Titel stach durch die Namenslizenz des damaligen Topspielers Habu hervor. Ähnlich wie Sportspiele mit echten Athleten zielte das Spiel auf ein älteres, strategiebegeistertes Publikum.
Die Konkurrenz auf dem N64 war gering: Nur ein weiteres Strategiespiel, Pilotwings 64, bot eine nicht-actionorientierte Erfahrung. Saikyō Habu Shōgi blieb das einzige reine Brettspiel auf der Plattform bis zur Veröffentlichung von Chessmaster im Jahr 1999.
Warum kaum einer davon hörte
Nintendo hatte 1996 noch keine globale Launch-Strategie für alle Spiele. Lokale Titel wie Shogi oder Baseball hatten außerhalb Japans keine Zielgruppe. Saikyō Habu Shōgi verkaufte sich nur in Japan, und dort auch nicht massenhaft.
Die westlichen N64-Käufer bekamen 1997 ein anderes Lineup: Super Mario 64, Pilotwings 64, Star Wars: Shadows of the Empire und Cruis'n USA, aber kein Shogi. So blieb eines der sieben Launch-Spiele für die meisten unsichtbar.
30 Jahre später: Ein Stück Nostalgie
Heute, im Juli 2026, jährt sich der N64-Start zum 30. Mal. Sammler und Retro-Fans erinnern sich an die goldene Ära. Während Mario und Zelda gefeiert werden, bleibt Saikyō Habu Shōgi eine Randnotiz. Ein kurioser Beweis, wie lokal Nintendos Launch-Politik damals war.
Das N64 brachte die dritte Dimension, aber ein Launch-Spiel blieb in der zweiten Dimension der Schachbretter hängen.