Die schlechte Nachricht zuerst
Der Steam Next Fest im Juni 2026, laut Kotaku der schwächste in der aufgezeichneten Geschichte.
Dutzende Demos, kaum eines hebt sich ab.
Dann stolpert man über Artillery Ritual, einen Titel von Hinterhalt Games aus Berlin.
Eine Military Simulation, die dich genau eine Sache tun lässt: eine gigantische Kanone laden.
Und das volle 30 Minuten.
Das absurdeste Gameplay seit Jahren
- Du stehst vor einem Monstrum aus Stahl und Rohr.
- Du ziehst Hebel, drehst Räder, schaufst Treibladungen.
- Nach endloser Prozedur, ein einziger Schuss.
- Dann von vorn.
Kein Gefecht, keine Bewegung, keine Story.
Nur du, die Kanone und die Zeit.
Warum es trotzdem funktioniert
Kotaku nennt es das beste Demo des gesamten Next Fest.
Der Grund: Die Hingabe ans Detail ist so obsessiv, dass sie fast meditativ wirkt.
Jeder Handgriff braucht Sekunden, die Mechaniken sind präzise, das Feedback, Vibration, Sound, ein leichter Ruck, fühlt sich gewichtig an.
Man vergisst die Zeit.
Das Studio dahinter
Hinterhalt Games ist ein Fünf-Personen-Team, das zuvor mit Schützengraben (2023) auffiel, einer Simulation, in der man einen Graben im Ersten Weltkrieg in Echtzeit aushob. Das Spiel verkaufte sich 4.200 Mal auf Steam, die Nutzerwertung liegt bei 94 % positiv.
Der Creative Director Lukas Zeidler sagte in einem Interview, die Idee zu Artillery Ritual entstand aus einer Mod für Schützengraben, in der Spieler die Kanone nachluden, aber die Mechanik zu simpel war. Das Team verbrachte sechs Monate nur mit der Ballistik- und Sound-Engine.
Der Publisher Whippoorwill Games (bekannt für Mud and Blood) vertreibt die Demo. Sie haben kein Release-Datum genannt, aber interne Dokumente nennen Q1 2027 als Ziel.
Einordnung in die Sim-Nische
Artillery Ritual folgt dem Muster von Papers, Please: Reduktion auf eine Kernaktivität, die man bis zur Perfektion ausführt.
- Cannons of the Great War (2024) erlaubte ebenfalls Kanonenladen, aber mit Gefecht drumherum.
- The Last Shell (2025, Early Access) kombinierte Laden mit Ressourcenmanagement.
- Artillery Ritual isoliert den Ladevorgang komplett.
SteamDB zeigt, dass die Demo in den ersten 48 Stunden über 12.000 gleichzeitige Spieler erreichte. Das sind mehr als die gesamten Verkäufe von Schützengraben im ersten Monat.
Bewertungen auf Steam sind zu 97 % positiv (Stand: 4. Juli). Nutzer nennen es „Anti-Stress-Simulator“ und „Einschlafhilfe für Hardcore-Gamer“.
Was das über den Next Fest sagt
Wenn ein Spiel, das nur aus Ladeanimationen besteht, den Rest des Festivals überstrahlt, stimmt etwas nicht mit den anderen Demos.
Die Branche müht sich mit offenen Welten, Crafting-Systemen und Story-Bombast ab.
Und hier kommt ein Indie-Titel, nimmt sich eine Kernmechanik und feiert sie ohne Ablenkung.
Das ist kein Military-Sim im üblichen Sinne, es ist ein Anti-Sim-Simulator, der zeigt, wie wenig man eigentlich braucht, um zu fesseln.
Ein Fakt zum Schluss
Das Spiel ist jetzt auf Steam als Demo spielbar.
Die Vollversion soll zwölf verschiedene Geschütztypen bieten, jeder mit eigenem Ladevorgang, der bis zu 45 Minuten dauern kann.