Der vergessene Goldschatz
Wer in den 90ern mit dem Super Nintendo aufgewachsen ist, kennt das: Stapelweise Module im Regal, viele davon heute längst vergessen. Doch genau diese Spielekassetten können sich im Laufe der Jahre zu echten Wertanlagen entwickelt haben. Während die meisten SNES-Klassiker noch relativ günstig zu haben sind, gibt es eine Handvoll Titel, die auf dem Sammlermarkt Preise erzielen, die weit über dem liegen, was ein gebrauchter Kleinwagen kostet.
Die wertvollsten SNES-Titel im Detail
Einige Spiele erreichen vier- bis fünfstellige Summen. Aero Fighters (auch Sonic Wings) von Video System erschien 1993 in kleiner Stückzahl und kostet heute im Neuzustand bis zu 3000 Euro. Der Entwickler Video System hatte zuvor Arcade-Titel wie Rabio Lepus veröffentlicht, ein unbekanntes Studio, das mit diesem Shoot ’em up unbeabsichtigt eine Rarität schuf.
Ein zweites Beispiel: EarthBound (1995) von Ape Inc. und HAL Laboratory. Der Vorgänger Mother erschien 1989 auf dem NES, aber EarthBound wurde in den USA mit einer Auflage von nur rund 140.000 Stück ausgeliefert. Komplettpakete in OVP erzielen heute 2000 bis 4000 Euro. Das lag auch am damaligen Marketing-Flop: Nintendo setzte auf einen skurrilen Beilagen-Wettbewerb, der kaum Aufmerksamkeit erzeugte.
Chrono Trigger (1995) von Square erreicht in der SNES-PAL-Version ebenfalls hohe Preise, bis zu 1500 Euro. Square hatte zuvor mit Final Fantasy IV und V auf dem SNES Maßstäbe gesetzt. Doch Chrono Trigger war das erste Japan-RPG, das auf dem Super Nintendo eine echte Zeitreise-Mechanik bot, und blieb in Europa weitgehend unbeachtet.
Was macht den Wert aus?
- Seltenheit: Viele Spiele wurden nur in kleiner Auflage produziert oder sind regional begrenzt erschienen.
- Zustand: Komplettpakete mit Originalverpackung, Anleitung und unversehrtem Modul erzielen die höchsten Summen.
- Kultstatus: Titel, die damals gefloppt sind, aber später zur Legende wurden, sind besonders begehrt.
Wer also zufällig noch ein paar vergilbte Module auf dem Dachboden findet, sollte nicht zu schnell entsorgen. Eine kurze Recherche auf Sammlerseiten kann sich lohnen.
Worauf sollte man achten?
Nicht jedes Spiel ist automatisch wertvoll. Meist sind es genau die, die damals wenig Beachtung fanden oder nur kurz im Handel waren. Auch regionale Besonderheiten wie PAL- oder NTSC-Versionen spielen eine große Rolle. Ein kurzer Blick auf die Rückseite des Moduls verrät oft schon, ob man einen potenziellen Schatz in der Hand hält. Die kleinen Aufkleber mit der Seriennummer sind der erste Hinweis.
Entwickler und Studios hinter den Raritäten
Viele der teuersten SNES-Spiele stammen von kleineren Studios oder Ablegern großer Publisher. Mega Man X3 (1995) von Capcom war das letzte SNES-Spiel der Serie, Capcom konzentrierte sich danach auf die PlayStation. Die Auflage fiel gering aus, weil der Markt bereits auf die 32-Bit-Konsolen umschwenkte. Vorgänger wie Mega Man X (1993) und Mega Man X2 (1994) sind ebenfalls gesucht, aber X3 toppt sie im Preis (rund 800 Euro in OVP).
Ein weiteres Beispiel: Spanky’s Quest (1991) von Visco Corporation. Der Entwickler hatte zuvor Arcade-Spiele wie Candy und Bubble 2000 veröffentlicht, Nischenprodukte. Spanky’s Quest war ein Puzzle-Jump-’n’-Run, das in einer Auflage von weniger als 10.000 Stück für den SNES in Europa erschien. Heute zahlen Sammler über 1000 Euro für eine komplette Box.
Branchenkontext: Der Markt für SNES-Spiele erlebte ab 2015 einen massiven Preisanstieg, ausgelöst durch YouTube-Sammler und die Pandemie. Zwischen 2019 und 2022 stiegen die Durchschnittspreise für seltene Module um rund 250 Prozent. Verglichen mit NES-Klassikern sind SNES-Titel oft teurer, weil die Produktionszahlen vieler RPGs und Actionspiele niedriger lagen, die Konsole wurde in Europa später veröffentlicht als in Japan, was zu kleineren Auflagen führte.
Ein Tipp zum Schluss
Selbst wenn kein sechsstelliger Betrag rausspringt: Viele Module haben heute einen dreistelligen Wert, besonders wenn OVP und Anleitung noch vorhanden sind. Lohnt sich also der Blick in die staubigen Kisten? Auf jeden Fall. Vielleicht sitzt ihr ja auf einem kleinen Vermögen, ohne es zu wissen.