Eine riskante Kurskorrektur
Strauss Zelnick, CEO von Take-Two, bestätigte kürzlich eine kuriose Episode aus der Entwicklungszeit des ersten Borderlands. Das Spiel sah ursprünglich aus wie ein typischer, grauer Militär-Shooter der Xbox-360-Ära, vergleichbar mit Titeln wie Killzone oder Gears of War.
Gearbox Software investierte kurz vor dem Release etwa 50 Millionen Dollar, um das gesamte visuelle Design grundlegend zu überarbeiten. Ohne diesen massiven finanziellen Aufwand wäre der Titel in der Masse der damaligen Shooter-Veröffentlichungen vermutlich untergegangen.
Gearbox Software, unter der Leitung von Randy Pitchford gegründet, hatte sich zuvor primär als Support-Studio für Erweiterungen von Half-Life und Halo einen Namen gemacht. Die Entwicklung von Borderlands begann 2005 als ein Projekt mit dem Titel „Project Zeus“, das einen realistischen, fast schon militärischen Simulations-Look anstrebte.
- Der ursprüngliche Prototyp besaß keine visuelle Alleinstellung am Markt.
- Die Investition von 50 Millionen Dollar sicherte die Überlebensfähigkeit des Studios.
- Das Budget deckte die Implementierung der „Cell-Shaded“-Optik in einer kritischen Phase ab.
Warum der Grafik-Wechsel nötig war
Die Verantwortlichen bei Take-Two erkannten, dass der erste Prototyp keine eigene Identität besaß. Der nun bekannte Comic-Stil wurde in einem späten Stadium der Entwicklung implementiert, um den Shooter aus der Flut an braun-grauen Militär-Szenarien zu heben.
Der Markt für Shooter war um 2008 gesättigt. Spiele wie Call of Duty: Modern Warfare dominierten die Verkaufszahlen durch eine fotorealistische Darstellung. Gearbox drohte mit ihrem eher generischen Ansatz in der Versenkung zu verschwinden, da die Spieler das Setting als austauschbar einstuften.
- Der ursprüngliche Stil war zu generisch und wirkte wie eine blasse Kopie existierender Marken.
- Das neue Design schuf den markanten Comic-Stil, der heute als Markenzeichen der Serie gilt.
- Die visuelle Eigenständigkeit sicherte den kommerziellen Erfolg des Erstlings, der sich über 2 Millionen Mal verkaufte.
Der Wert einer starken Optik
Die Entscheidung für den grafischen Umbau kostete Zeit und ein großes Budget, lohnte sich aber wirtschaftlich. Borderlands etablierte sich durch diesen Schritt als unverwechselbares Franchise, das später Ableger wie Borderlands 2, The Pre-Sequel und Tiny Tina’s Wonderlands hervorbrachte.
Das Team um Ben Watson, den Art Director, musste innerhalb weniger Monate das komplette Asset-Set überarbeiten. Sie nutzten eine spezielle Textur-Technik, die schwarze Outlines auf die 3D-Modelle legte, um den handgezeichneten Look zu erzeugen.
- Die Entwicklung verschlang hohe Summen, um die Texturen und Shader auf die neue Ästhetik anzupassen.
- Ohne die markante Ästhetik hätte die Marke kaum ihre heutige Fangemeinde gefunden.
- Viele Fans assoziieren die Reihe heute primär mit diesem spezifischen Look.
- Die visuelle Identität erlaubte Gearbox, den Humor und die bizarre Welt von Pandora besser zu transportieren als in einem realistischen Grafikstil.
Das Erbe der Entscheidung
Heute gilt die Optik von Borderlands als eine der mutigsten Design-Entscheidungen der Branche. Die Verantwortlichen bei Take-Two sahen den Erfolg des Shooters damals nicht als garantiert an, solange das Spiel wie jeder andere Titel aussah.
Der Erfolg des ersten Teils führte dazu, dass Gearbox Software von einem Auftragsentwickler zu einem der einflussreichsten Studios unter dem Take-Two-Dach aufstieg. Der Grafikstil beeinflusste später zahlreiche andere Titel wie XIII oder The Walking Dead von Telltale, die ebenfalls auf stilisierte Oberflächen setzten.
Die hohen Kosten für die grafische Anpassung zahlten sich über mehrere Fortsetzungen und Ableger hinweg aus. Heute erkennt man einen Screenshot aus Pandora sofort, ohne den Namen des Spiels lesen zu müssen. Das Studio arbeitet aktuell an neuen Projekten, wobei das ursprüngliche Risiko von 2009 den Grundstein für die heutige finanzielle Stabilität der Marke legte.