Die Vorbereitung ist die Mission
In dem Spionagetitel, über den PC Gamer berichtet, ist die Charaktererstellung kein kosmetisches Beiwerk. Wer hier einen unüberzeugypen Auftritt baut, stirbt.
Das klingt nach einem Traum für alle, die stundenlang in Editoren verbringen. Statt nur Frisuren und Narben zu justieren, gilt es, eine glaubwürdige Rolle zu erschaffen.
Das verantwortliche Studio Suspicious Developments hat sich zuvor vor allem durch präzise Taktikspiele wie Gunpoint und Heat Signature einen Namen gemacht. Entwickler und Kopf hinter dem Projekt ist der Brite Tom Francis, der jahrelang als Journalist für die britische Ausgabe der PC Gamer arbeitete. Seine Spiele zeichnen sich traditionell durch systemische Mechaniken aus, bei denen Spielmechaniken logisch und vorhersehbar ineinandergreifen.
Die zentrale Mechanik: Dein Charakter muss in seiner Rolle aufgehen. Wirkt er nicht authentisch, fällt die Tarnung auf.
- Die Konsequenz ist extrem: Game Over.
- Jede Entscheidung im Editor kann über Erfolg oder Scheitern bestimmen.
- Der Kontext der Mission entscheidet, was als glaubwürdig gilt.
Das Spiel belohnt ästhetisches Gespür und Einfühlungsvermögen in die jeweilige Rolle. Ein Undercover-Agent, der wie ein Tourist gekleidet ist, fällt sofort auf.
Mehr als ein hübsches Gesicht
Der Editor wird damit zum Kern des Gameplays, nicht zur bloßen Vorschau auf den Helden. Details wie Kleidung und Auftreten dürften über Leben und Tod bestimmen.
Das erinnert an klassische Stealth-Mechaniken aus Spielen wie Hitman oder Commandos, verlagert den Fokus aber auf die Vorbereitung. Die Täuschung beginnt bereits im Menü.
In der Geschichte des Videospiels gab es selten Ansätze, bei denen die visuelle Präsenz der Spielfigur derart hart mit den Spielregeln verknüpft war. Während Bethesda-Rollenspiele wie Skyrim oder Cyberpunk 2077 den Editor für die rein ästhetische Individualisierung nutzen, greift das System hier direkt in die Simulation ein. NPCs in Tactical Breach Wizards oder früheren Werken von Suspicious Developments reagieren extrem sensibel auf Sichtlinien und visuelle Reize.
Ein Albtraum für Routinier-Spieler
Wer gewohnt ist, Charaktere in fünf Minuten zu skizzieren, bekommt hier Probleme. Die Tarnung muss zur Mission passen, sonst droht das Aus.
Das erinnert an Agentenfilme, in denen das kleinste Detail auffliegt. Hier übernimmt der Spieler die Verantwortung für jede Entscheidung im Editor.
Das Erstlingswerk des Entwicklers, Gunpoint aus dem Jahr 2013, verkaufte sich laut Angaben des Studios innerhalb der ersten Monate über 500.000 Mal auf Steam. Der Nachfolger Heat Signature folgte 2017 und setzte auf prozedural generierte Raumschiff-Infiltrationen. Das neue Projekt verlässt die Pixel-Art-Ästhetik der Vorgänger und wagt den Schritt in eine komplexere visuelle Simulation, bei der das Aussehen des Agenten mathematisch mit den Wahrnehmungs-Algorithmen der Wachen abgeglichen wird.
Ein riskantes Konzept
Ob die Idee aufgeht, hängt von der Umsetzung ab. Wenn die Umgebungen und NPCs intelligent auf den erstellten Charakter reagieren, könnte ein neues Stealth-Erlebnis entstehen.
Bis dahin gilt: Wer den Editor liebt, sollte diesen Titel im Auge behalten. Wer schlampig arbeitet, lernt den Game-Over-Bildschirm kennen.
Das Projekt befindet sich bei Suspicious Developments seit fast drei Jahren in der Entwicklung. Erste Prototypen liefen unter dem Arbeitstitel Project S, bevor das Studio im vergangenen Quartal den offiziellen Namen und die Kernmechanik enthüllte.