Ungewöhnliche Marketing-Offensive
Wardogs bekommt eine denkbar ungewöhnliche Marketing-Kampagne. In einem offiziellen Video listet Entwickler Bulkhead zehn Gründe auf, warum man den Hardcore-Shooter nicht kaufen sollte.
Das Studio spricht Klartext. Die Liste reicht von fehlendem Inhalt bis zur eigenen Misserfolgs-Geschichte mit Battalion: 1944.
Studio-Historie und das Erbe von Bulkhead
Das britische Studio Bulkhead Interactive wurde 2015 durch den Zusammenschluss von Bulkhead Games und Bevel Bakery gegründet. Bekannt wurde das Team vor allem durch den Arena-Shooter Pallax und den Weltkriegs-Shooter Battalion: 1944, der 2018 nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne erschien.
Der Publisher Square Enix stieg zeitweise als Partner ein, zog sich nach enttäuschenden Verkaufszahlen jedoch wieder zurück.
- Gründer Joe Brammer verließ das Studio im Jahr 2022 nach internen Umstrukturierungen.
- Die Entwickler mussten nach dem kommerziellen Absturz von Battalion: 1944 tief greifende finanzielle Verluste verkraften.
- Mit Wardogs versucht das verbliebene Team einen harten Neustart im hart umkämpften Milsim-Segment.
Die zehn Gründe im Überblick
- Fehlender Early-Access-Inhalt
- Early-Access-Preis
- Sinkende Spielerzahlen
- Monetarisierung
- Performance und Grafik
- Veränderliche Prioritäten im Early Access
- Battalion: 1944
- VoIP
- Controller-Support
- Entscheidungen und Konsequenzen
Manche Punkte erklären sich von selbst. Andere brauchen Kontext, den Bulkhead im Video liefert.
Preis und Inhalt: Keine falschen Hoffnungen
Der Early Access kostet 40 US-Dollar, später steigt der Preis auf 60 US-Dollar. Bulkhead weiß, dass das für ein unfertiges Spiel viel Geld ist.
"Wenn euch der Preis für ein Early-Access-Spiel zu hoch ist, kauft es noch nicht", sagt das Studio. Auch der Umfang ist bewusst klein gehalten.
Monetarisierung: Kommt später, aber nicht als Abzocke
Während des Early Access gibt es keine Monetarisierung. Keine Battle Pässe, keine bezahlten Skins. Waffencamos und Ingame-Währung werden nicht verkauft, sondern müssen erspielt werden.
Langfristig will Bulkhead aber Geld verdienen. "Wir wollen, dass ihr wisst, worauf ihr euch langfristig einlasst", heißt es in dem Video.
Die Battalion: 1944-Hypothek
Der härteste Punkt ist die eigene Vergangenheit. Battalion: 1944 starb kurz nach Release und erreichte nur 50 bis 200 gleichzeitige Spieler. Bulkhead zahlte Spieler und Kickstarter-Unterstützer zurück.
"Wir hätten Wardogs ohne das Scheitern von Battalion nicht", sagt das Studio. Wer dem Team nicht vertraut, solle den Kauf sein lassen.
Das Studio versuchte die Marke 2021 unter dem Namen Battalion Legacy als kostenlose Version neu zu beleben, stellte den Betrieb jedoch kurz darauf endgültig ein.
Einordnung im aktuellen Milsim-Markt
Der Taktik-Shooter-Markt ist stark polarisiert zwischen etablierten Schwergewichten und risikoreichen Indie-Projekten. Squad von Offworld Industries und Hell Let Loose von Team17 zeigen, dass Hardcore-Shooter ein treues Publikum finden.
Gleichzeitig scheitern viele Projekte an zu hohen Erwartungen der Community. Bulkhead wählt deshalb die Strategie der radikalen Transparenz, um toxische Reaktionen nach dem Release abzufangen.
Milsim statt Gefälligkeits-Shooter
"Entscheidungen und Konsequenzen" bedeutet: Wer stürmt wie in Call of Duty oder Battlefield, stirbt. Ein Tod wirft euch weit zurück, die Ausrüstung muss neu gekauft werden.
Bulkhead fordert Geduld. "Wenn ihr nicht aus diesen Toden lernt, werdet ihr eine schlechte Zeit haben."
Trotz allem: Die Charts sprechen für sich
Die ungewöhnliche Taktik zeigt Wirkung: Wardogs klettert derzeit in den Steam-Top-Seller-Charts. Der Early Access startet am 10. September.