Ein Skandalfilm feiert Auferstehung
Warner Bros. veröffentlicht im Oktober den ersten NC-17-Film seit über 20 Jahren. Laut Kotaku handelt es sich dabei um Ken Russells The Devils, das endlich als 4K-Director's Cut erscheint.
Der Film ist berüchtigt und gefeiert zugleich. Viele Cineasten warten seit Jahrzehnten auf eine solche Veröffentlichung.
Die historische Zensurgeschichte von Warner Bros.
Das NC-17-Rating wurde im September 1990 von der MPAA als Ersatz für das alte X-Rating eingeführt. Es sollte künstlerischen Erwachsenenfilmen eine Chance geben, ohne direkt in die Pornografie-Ecke gedrückt zu werden.
- Warner Bros. mied die Einstufung jahrzehntelang aus Angst vor Boykotten großer US-Kinoketten.
- Zu den letzten großen NC-17-Veröffentlichungen des Studios gehörten Titel aus den späten neunziger Jahren.
- Die strikte Vermeidung von NC-17 führte bei The Devils jahrelang dazu, dass physische Heimkino-Veröffentlichungen in den USA komplett blockiert blieben.
Das Major-Studio überließ den Vertrieb des Films stattdessen oft kleineren Labels oder verweigerte schlicht die Auswertung.
Was das NC-17-Rating bedeutet
- Das Rating steht für Inhalte, die für Jugendliche unter 17 Jahren nicht geeignet sind.
- Viele Kinoketten meiden NC-17-Filme, weil sie ein breiteres Publikum ansprechen wollen.
- Studios weichen deshalb oft auf entschärfte Schnittfassungen aus.
Warner Bros. hat sich mehr als 20 Jahre lang komplett von diesem Rating ferngehalten. Umso überraschender ist die Rückkehr mit The Devils.
Die Fakten zur Veröffentlichung
- Release-Zeitraum: Oktober
- Format: 4K-Director's Cut
- Regisseur: Ken Russell
- Quelle der Meldung: Kotaku
Die Meldung stammt von Kotaku. Eine eigene Ankündigung von Warner Bros. liegt nicht vor.
Der lange Kampf um Ken Russells Masterpiece
The Devils basiert auf dem Theaterstück von John Whiting und dem Sachbuch Die Teufel von Loudun von Aldous Huxley. Bereits bei der Kinopremiere im Jahr 1971 schnitt das Studio Warner Bros. den Film unter starkem Druck der britischen Zensurbehörde BBFC.
- Die berüchtigte "Vergewaltigungsszene der Nonnen mit Christusfiguren" wurde damals für den US-Markt gekürzt.
- Regisseur Ken Russell kämpfte bis zu seinem Tod im Jahr 2011 vergeblich für die weltweite Veröffentlichung seiner längeren Schnittfassung.
- Bisher existierten oft nur VHS-Bootlegs oder qualitativ minderwertige TV-Mitschnitte der verlorenen Szenen.
Das nun angekündigte 4K-Master basiert auf den wenigen verbliebenen Filmrollen, die im Londoner Archiv des Studios überlebt haben.
Warum dieser Director's Cut so wichtig ist
Ken Russell schuf mit The Devils ein Werk, das heftige Reaktionen auslöste. Der Film wurde sowohl attackiert als auch hochgefeiert.
Der 4K-Director's Cut ist laut Zusammenfassung die Fassung, die der Film „lange verdient hat“. Das deutet auf eine aufwendige Restaurierung hin, die dem Werk endlich gerecht wird.
Parallelen zur Gaming-Konservierung
Die späte Veröffentlichung von The Devils erinnert an den Umgang der Videospielindustrie mit indizierten Klassikern. Viele Titel aus den neunziger Jahren schlummern bis heute in Archiven, weil Lizenzinhaber rechtliche Auseinandersetzungen scheuen.
- Publisher wie Nintendo oder Sony halten verbotene oder kontroverse Spiele oft unter Verschluss.
- Remaster-Projekte wie die Grand Theft Auto: The Trilogy zeigen, wie stark historische Versionen nachträglich angepasst werden.
- Physische Medien archivieren Film- und Spielgeschichte unabhängig von aktuellen Streaming-Algorithmen.
Vergleichbare Fälle in der Filmgeschichte sind ungekürzte Fassungen von Salò oder die 120 Tage von Sodom, die ebenfalls jahrzehntelang nur über Spezialverlage erhältlich waren.
Eine Lektion für die Gaming-Welt
So wie alte Spiele durch Remaster gerettet werden, holt Warner Bros. mit diesem Director's Cut einen Filmklassiker zurück ins Rampenlicht.
Werke, die damals zu kontrovers für den Massenmarkt waren, finden durch spätere Archiv-Editionen ihr Publikum. Das gilt für Filme ebenso wie für Spiele.
Der Oktober wird spannend
Die Ankündigung von Kotaku nennt nur den Zeitraum. Details wie Extras, Laufzeit oder Kinoauswertung bleiben offen.
Mehr als zwei Jahrzehnte hat Warner Bros. kein NC-17-Werk veröffentlicht.