Kinetic Games eröffnet einen Publishing-Ableger
Der britische Entwickler Kinetic Games expandiert vom reinen Studio zum Publisher und stellt ein diversifiziertes Portfolio vor. Das Team erlangte weltweite Bekanntheit durch den Überraschungshit Phasmophobia, der im September 2020 als Early-Access-Titel auf Steam erschien.
Bis heute verkaufte sich das kooperative Geisterjagd-Spiel über 20 Millionen Mal und generierte Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich. Bislang blieb das im Jahr 2020 gegründete Studio unter der Leitung des Gründers Daniel Knight exklusiv auf dieses eine Projekt fokussiert.
- Gründung von Kinetic Games als Ein-Mann-Projekt durch Daniel Knight
- Phasmophobia dominierte monatelang die Steam-Verkaufscharts
- Der Schritt zum Publisher folgt auf jahrelange Alleinarbeit an einem einzigen Titel
Ein prominenter Partner für den Start
Der erste große Coup des neuen Verlagszweigs ist die Zusammenarbeit mit dem britischen Designer Sam Barlow und dessen Studio Half Mermaid Productions. Barlow ist bekannt für narrative Kriminalspiele mit Realfilm-Sequenzen wie Her Story aus dem Jahr 2015 und das 2022 veröffentlichte Immortality.
Für dieses neue Projekt holt sich Barlow den kanadischen Regisseur Brandon Cronenberg ins Boot, dessen Filme für explizite Körperhorror-Motive bekannt sind. Cronenbergs vorherige Regiearbeiten Possessor (2020) und Infinity Pool (2023) liefen auf großen internationalen Filmfestivals und teilen stilistische DNA mit den Werken seines Vaters David Cronenberg.
- Sam Barlow gewann mit Her Story zahlreiche Branchenpreise, darunter mehrere BAFTA Awards
- Brandon Cronenberg fokussiert sich in seinen Filmen auf visuell kompromisslosen Sci-Fi-Horror
- Die Kombination aus Barlows non-linearer Erzählweise und Cronenbergs Handschrift lässt ein extrem düsteres Narrativ erwarten
Ein Lieferdienst mit Hexen-Charme
Neben dem narrativen Schwergewicht umfasst das Publishing-Line-up ein unangekündigtes Projekt mit dem Arbeitstitel „witchy delivery game“. Das Spielkonzept verbindet die Mechaniken von Boten-Simulationen mit magischen Elementen, verzichtet dabei jedoch bewusst auf Horrorelemente.
Der Markt für Liefer-Simulationen wuchs seit dem Erfolg von Titeln wie Death Stranding stark an, wobei indie-Entwickler oft humorvollere oder thematisch fokussierte Varianten wählen. Wer das Projekt entwickelt, hält Kinetic Games zum aktuellen Zeitpunkt noch unter Verschluss.
- Fokus auf gemütliche Spielmechaniken abseits des bisherigen Studio-Portfolios
- Keine offiziellen Details zum verantwortlichen Entwicklerteam oder Release-Zeitraum
- Das Setting setzt auf Magie statt auf den für Kinetic Games bekannten Geister-Grusel
Ein Parasit macht Metroidvania
Das dritte im Bunde ist ein Metroidvania, das auf parasitäre Spielmechaniken setzt. Das Genre, benannt nach den Serien Metroid und Castlevania, erlebt seit Jahren durch hochkarätige Indies wie Hollow Knight oder Dead Cells eine Renaissance.
Die Steuerung eines Parasiten als Kernmechanik erinnert an den PlayStation-Klassiker Parasite Eve oder moderne Ansätze wie Carrion aus dem Jahr 2020, in dem Spieler ebenfalls eine monströse Kreatur steuern. Konkrete Details zu Entwicklern oder Veröffentlichungsdaten fehlen bislang.
- Hollow Knight setzte branchenweit neue Maßstäbe für Umfang und Präzision im Metroidvania-Genre
- Der Arbeitstitel deutet auf dynamische Wirtswechsel und organische Charakter-Upgrades hin
- Kinetic Games positioniert sich mit diesen drei Verträgen als breit aufgestellter Geldgeber für mittlere Produktionen
Ein bunter Mix für den neuen Publisher
Die Bandbreite der drei Projekte zeigt eine klare Abkehr von der bisherigen Firmenphilosophie, die komplett auf kooperativen Mehrspieler-Horror ausgerichtet war. Während Phasmophobia weiterhin von einem kleinen Kernteam bei Kinetic Games betreut wird, agiert das Studio nun als Finanzier und Partner für externe Entwickler.
Ähnliche Wege gingen in der Vergangenheit andere erfolgreiche Entwicklerstudios wie Annapurna Interactive oder Raw Fury, die ebenfalls aus der eigenen Produktion heraus ein erfolgreiches Publishing-Geschäft aufbauten. Der Erfolg dieses Schrittes hängt davon ab, ob Kinetic Games neben Kapital auch die nötige Betreuung für externe Teams bereitstellen kann.
- Annapurna Interactive begann 2016 als Filmstudio und verlegt heute hochgelobte Indie-Spiele wie Stray
- Daniel Knight bleibt trotz der Publishing-Aktivitäten weiter in die Entwicklung von Phasmophobia eingebunden
- Die ersten Partnerprojekte sollen in den kommenden Monaten mit konkreten Trailern vorgestellt werden