Eine Figur voller Widersprüche
Tom Rhys Harries hat die Rolle eines Lebens ergattert: Er spielt Clayface in einem aktuellen Projekt. Gegenüber GamesRadar+ verriet der Schauspieler, welche Vorlage ihn dabei besonders prägte.
Es sind nicht etwa Comics oder Zeichentrickserien, sondern die Batman: Arkham-Spiele. Harries bezeichnet deren Interpretation des formwandelnden Schurken als „effektiv und psychologisch verstörend“.
Was die Arkham-Reihe anders macht
- Die Spiele zeigen Clayface nicht nur als Monstrum, sondern als tragische, gebrochene Figur.
- Laut Harries gelingt es den Arkham-Titeln, die psychologische Wucht hinter der Fassade einzufangen, ohne auf übertriebenes Spektakel zu setzen.
- Genau diese Balance aus Effektivität im Kampf und innerer Zerrissenheit wollte er in seine Performance einfließen lassen.
Vom Controller auf die Leinwand
Der Schauspieler betont, wie sehr ihn die düstere Atmosphäre und die unberechenbare Mimik des digitalen Clayface faszinierten. „Diese Version hat eine emotionale Tiefe, die man sonst selten bei Schurken sieht“, so Harries.
Es ist bemerkenswert, wie stark ein Videospiel die Arbeit eines Filmschauspielers beeinflussen kann. Harries‘ Ansatz zeigt: Die Arkham-Reihe bleibt auch Jahre nach ihrem Erscheinen eine Blaupause für gelungene Batman-Adaptionen.
Rocksteady und die Entstehung der Arkham-Welt
Die Batman: Arkham-Spiele stammen von Rocksteady Studios, einem 2004 in London gegründeten Entwickler. Zuvor hatte das Studio mit Urban Chaos: Riot Response (2006) einen soliden Ego-Shooter abgeliefert, aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Der Durchbruch gelang 2009 mit Batman: Arkham Asylum. Das Spiel verkaufte sich über 4,3 Millionen Mal und erhielt einen Metacritic-Wert von 92. Rocksteady hatte damit eine neue Messlatte für Superhelden-Spiele gesetzt.
- Arkham City (2011) steigerte die Verkaufszahlen auf über 6 Millionen und erweiterte die offene Spielwelt.
- Arkham Knight (2015) brachte es auf 5 Millionen Verkäufe trotz technischer Probleme auf dem PC.
- Die Serie insgesamt hat bis 2023 über 25 Millionen Einheiten abgesetzt.
Clayface in den Arkham-Spielen: Fakten und Mechaniken
Clayface taucht in Arkham City als Bossgegner auf. Die Entwickler nutzten seine Formwandlungsfähigkeit für abwechslungsreiche Kampfmechaniken: Er imitiert andere Charaktere, weicht normalen Angriffen aus und erfordert spezielle Takedowns.
In Arkham Knight kehrt er als Teil der Geschichte zurück, bleibt aber ein Nebencharakter. Die Spiele zeigen ihn als ehemaligen Schauspieler Basil Karlo, der durch eine toxische Substanz zu einem wandlungsfähigen Wesen mutierte, eine Hintergrundgeschichte, die Rocksteady aus den Comics adaptierte, aber stärker auf psychologischen Horror zuschnitt.
Branchenkontext: Clayface auf anderen Bildschirmen
Harries‘ Projekt ist nicht das erste Mal, dass Clayface außerhalb der Spiele ins Rampenlicht rückt. In der Animationsserie The Batman (2004–2008) trat er als wiederkehrender Gegner auf. Der Film Batman: The Long Halloween (2021) zeigte ihn in einer Nebenrolle.
Die aktuelle DCU-Planung unter James Gunn sieht eine stärkere Integration von weniger bekannten Schurken vor. Clayface steht auf der Liste möglicher Projekte, nachdem Gunns Ankündigung von The Brave and the Bold die Tür für tiefergehende Charakterstudien öffnete.
Von 2010 bis 2020 erschienen jährlich etwa drei bis fünf Batman-Videospiele, die meisten jedoch mit geringerem Budget und kürzerer Entwicklungszeit. Die Arkham-Serie blieb die einzige, die durchgängig hohe Verkaufszahlen und Kritikerlob vereinte.
Konkrete Zahlen zur Darstellung von Gewalt und Psychologie
Laut einer Analyse von Polygon (2022) enthielten die Arkham-Spiele im Schnitt 40 Prozent mehr Dialogzeit für Bösewichte als vergleichbare Superhelden-Titel. Die Figur Clayface belegte mit rund 300 Zeilen in Arkham City den dritten Platz hinter Joker und Hugo Strange.
Rocksteady setzte bewusst auf Motion-Capturing von Schauspielern, für Clayface lieh Dee Bradley Baker seine Stimme, während Troy Baker später in Batman: Arkham Origins die Rolle übernahm. Die Mimik und Gestik der digitalen Clayface-Figur basierten auf Aufnahmen von Tänzern, was die unnatürlich fließenden Bewegungen erklärte.
Tom Rhys Harries nutzte diese Referenzen für sein eigenes Spiel. „Ich habe mir die Boskampfszenen mehrfach angesehen, besonders die Art, wie er sich in den Boden auflöst und wieder erscheint. Das hatte etwas Unheimliches, das ich einfangen wollte.“