Zurück an die Zeichenbretter, ohne Multiplayer-Fieber
Cliff Bleszinski, alias CliffyB, arbeitet an einem neuen Spiel. Laut einem Bericht von Polygon wird der Titel keinen Player-versus-Player-Modus enthalten. Bleszinski selbst gab dies in einem Interview an.
Die Ankündigung überrascht, denn Bleszinski prägte mit Gears of War den kompetitiven Third-Person-Shooter. Sein letztes Projekt LawBreakers von 2017 war ein reiner PvP-Arena-Shooter. Dessen kommerzielles Scheitern führte zur Schließung seines Studios Boss Key Productions im Jahr 2018.
Bleszinski hatte sich nach der Boss Key-Schließung weitgehend aus der Spielebranche zurückgezogen. In den letzten Jahren trat er nur noch als Consultant oder auf Conventions auf. Polygon zitiert ihn mit den Worten, er wolle etwas „Persönlicheres und kleineres“ machen, ohne PvP.
Was bisher geschah
Bleszinski begann seine Karriere bei Epic Games. Dort war er leitender Designer der Unreal-Serie und prägte maßgeblich Gears of War (2006). Der Titel verkaufte sich über 5 Millionen Mal und etablierte das Cover-Shooter-Genre. Es folgten Gears of War 2 (2008) und Gears of War 3 (2011), die jeweils über 3 Millionen Einheiten absetzten.
2012 verließ Bleszinski Epic und gründete Boss Key Productions mit Finanzierung von Nexon. Das Studio veröffentlichte 2017 LawBreakers, einen schnellen Arena-Shooter mit Schwerkraft-Mechaniken. Trotz guter Kritiken (Metacritic 78) erreichte das Spiel auf Steam nie mehr als 2.914 gleichzeitige Spieler, ein massiver Misserfolg für ein Projekt mit einem geschätzten Budget von über 30 Millionen Dollar.
- Gears of War (2006), 5 Mio. Verkäufe
- Gears of War 2 (2008), 3 Mio.
- Gears of War 3 (2011), 3 Mio.
- LawBreakers (2017), unter 100.000 geschätzte Verkäufe, Steam-Peak 2.914
Nexon zog die Unterstützung zurück, Boss Key schloss 2018 nach nur drei Jahren. Der Markt für reine Arena-Shooter war zu diesem Zeitpunkt bereits von Overwatch (30 Mio. Spieler bis 2017) und Quake Champions (kleine, aber treue Community) besetzt.
Kein PvP, was dann?
Bleszinski gab keine weiteren Details zum neuen Projekt preis. Genre, Plattform oder ein Veröffentlichungsfenster sind unbekannt. Er sagte lediglich, dass er sich auf PvE konzentrieren wolle.
In einem IGN-Interview von 2019 äußerte er Interesse an „charaktergetriebenen Erlebnissen“ und kooperativen Spielen. Auf Twitter erwähnte er mehrfach, dass er ein Singleplayer-Spiel mit starkem Story-Fokus machen würde. Ob das neue Projekt ein Third-Person-Shooter bleibt oder ein anderes Genre wählt, ist offen.
Denkbar wäre ein Koop-Spiel im Stil von Left 4 Dead oder Back 4 Blood. Bleszinskis Stärke liegt in Shooter-Mechaniken und Leveldesign. Ein reiner Singleplayer-Titel wie die Kampagne von Gears of War würde an sein Erbe anknüpfen und wäre weniger risikoreich als ein weiterer PvP-Titel.
Ein Schritt zur Seite
Der Verzicht auf PvP wirkt wie eine bewusste Korrektur nach dem LawBreakers-Flop. Bleszinski selbst bezeichnete das Spiel in einem Podcast als „zu ambitioniert“ für ein junges Studio.
Branchenintern ist der Rückzug aus dem kompetitiven Mehrspielerbereich nachvollziehbar. Der Markt wird von grossen Live-Service-Titeln dominiert: Valorant, Apex Legends, Call of Duty: Warzone. Ein neuer PvP-Shooter ohne etablierte Marke hätte geringe Chancen.
CliffyB verkaufte 2020 sein Anwesen in Hollywood Hills für 4,5 Millionen Dollar. Er lebt heute in Raleigh, North Carolina, wo auch Boss Key seinen Sitz hatte. Sein neues Projekt finanziert er vermutlich aus eigenen Mitteln. Das letzte Mal, dass er einen kommerziell erfolgreichen Singleplayer-Titel verantwortete, war Gears of War 3, elf Jahre her.