Count Binface stellt Ultimatum
Der meistfotografierte Nicht-Politiker Großbritanniens schaltet einen Gang höher. Count Binface, bekannt für bizarre Wahlversprechen, unterbrach seinen Feldzug gegen Nigel Farage, um sich einem echten Nationalproblem zu widmen.
Wie PCGamer berichtet, fordert Binface von Sega ein öffentliches Update zu Shenmue 4. Komme der japanische Konzern dieser Aufforderung nicht nach, drohe die Verstaatlichung des Unternehmens.
Die Details der Drohung
- Binface verlangt offenbar ein offizielles Statement oder einen Trailer zum vierten Teil der Ryo-Hazuki-Saga.
- Sollte Sega nichts liefern, will der Politclown mittels Parlamentsbeschluss die Enteignung des Spielekonzerns einleiten.
- Die Entwicklung von Shenmue 4 würde dann unter britischer Kontrolle stattfinden, mit Binface als Aufpasser.
Die lange Geschichte der Shenmue-Entwicklung
Shenmue startete 1999 auf der Dreamcast. Das damalige Budget von rund 70 Millionen US-Dollar (nach heutiger Kaufkraft über 120 Millionen) machte es zum teuersten Spiel seiner Zeit. Entwickelt wurde es von Sega AM2, dem Studio von Yu Suzuki, der zuvor mit Virtua Fighter, Daytona USA und OutRun Arcade-Meilensteine geschaffen hatte.
Teil 1 verkaufte sich etwa 1,2 Millionen Mal, Teil 2 (2001) nur 500.000 Einheiten. Sega zog den Stecker. Die Serie schlummerte 18 Jahre.
Yu Suzuki und Ys Net: Ein Studio im Spannungsfeld
2013 gründete Suzuki Ys Net, ein unabhängiges Studio. Die Entwickler hatten zuvor an Titeln wie Shenmue Online (einem nie veröffentlichten MMO) gearbeitet. 2015 startete Ys Net eine Kickstarter-Kampagne für Shenmue 3, mit einem Ziel von 2 Millionen US-Dollar. Am Ende standen 6,3 Millionen von 69.000 Unterstützern. Sony half mit zusätzlichen Mitteln und Exklusivrechten für PS4.
Shenmue 3 erschien 2019, verkaufte sich über 2 Millionen Mal. Das Spiel endete mit einem Cliffhanger, der auf Teil 4 verweist.
Sega und die Vernachlässigung von Klassikern
Sega besitzt die IP-Rechte an Shenmue, während Ys Net als Auftragsentwickler arbeitet. Der Konzern veröffentlicht regelmäßig Erfolge wie Like a Dragon (verkaufte 2020 über 6 Millionen) und Sonic Frontiers (3,5 Millionen). Gleichzeitig liegen Traditionsmarken brach: Jet Set Radio, Crazy Taxi, Panzer Dragoon oder Streets of Rage (letzteres überlebte nur als Lizenz an Drittanbieter).
Finanziell geht es Sega gut: Der Mutterkonzern Sega Sammy Holdings meldete 2023 einen Nettogewinn von 44 Milliarden Yen (rund 290 Millionen Euro). Eine Verstaatlichung ist faktisch unmöglich.
Branchenkontext: Fan-Druck und leere Versprechen
Die Forderung von Binface ist absurd, aber symptomatisch. Vergleichbare Fälle: Fans forderten jahrelang Half-Life 3, bis Valve 2020 mit Half-Life: Alyx einen VR-Ableger lieferte. Silent Hills wurde 2015 von Konami und Hideo Kojima nach einem Demo-Prototyp (*PT) eingestellt. Tausende Petitionen folgten, ohne Ergebnis.
Die Shenmue-Community startete 2022 eine eigene Petition auf Change.org, die über 50.000 Unterschriften sammelte. Yu Suzuki erklärte mehrfach in Interviews, er habe die Story für Teil 4 bereits fertig ausgearbeitet. Sega schweigt.
Konkrete Zahlen, keine Visionen
Ein Blick auf die Entwicklungskosten: Shenmue 3 kostete rund 20 Millionen US-Dollar, ein Bruchteil des ersten Teils. Ein Shenmue 4 mit moderner Grafik (Unreal Engine 5) würde Schätzungen zufolge 40 bis 60 Millionen US-Dollar erfordern. Sega investierte 2023 über 100 Millionen in neue IPs und über 50 Millionen in den Ausbau der Like-a-Dragon-Reihe.
Der Konzern priorisiert sichere Käufe. Eine Nischen-Fortsetzung mit maximal 2 Millionen erwarteten Verkäufen liegt außerhalb der Renditeerwartungen. Ys Net selbst hat seit 2019 kein neues Spiel veröffentlicht. Das Studio beschäftigt rund 40 Mitarbeiter und finanziert sich über Lizenznahmen.