Ein verlorener Schatz aus der 4. Generation
Eine interne Dokumentation zu Pokémon Diamond und Pearl ist aufgetaucht. Der Fund stammt laut Kotaku aus den Archiven des Entwicklerstudios und zeigt frühe Konzepte, die nie den Weg ins fertige Spiel fanden.
Die Aufnahmen bieten einen seltenen Blick hinter die Kulissen der 4. Generation. Besonders auffällig: Die Entwickler experimentierten mit deutlich mehr Pokémon, als letztlich in den Sinnoh-Regionen landeten.
Game Freak: Das Studio hinter den Pokémon-Spielen
Game Freak wurde 1989 von Satoshi Tajiri und Ken Sugimori gegründet. Das erste Spiel des Studios war Mendel Palace (1989) für das NES, ein Puzzle-Titel. Ab 1996 entwickelte Game Freak exklusiv die Hauptreihe der Pokémon-Spiele, beginnend mit Pokémon Rot und Blau für den Game Boy.
Pokémon Diamond und Pearl erschienen 2006 für den Nintendo DS. Die Entwicklung dauerte rund drei Jahre. Game Freak hatte zuvor Pokémon Rubin und Saphir (2002) sowie Feuerrot und Blattgrün (2004) abgeschlossen. Das Studio beschäftigte damals etwa 70 Mitarbeiter.
Die Delibird-Entwicklung, ein echter Hingucker
Der absolute Fan-Liebling der Fundstücke ist eine nie veröffentlichte Entwicklung von Delibird. Das Weihnachts-Pokémon sollte offenbar eine größere Rolle spielen.
- Die geplante Evolutionsstufe wirkt wie eine ausgewachsene, noch fluffigere Version des Originals.
- Sie behält die rot-weiße Farbgebung und den Sack, wirkt aber deutlich kräftiger und fast majestätisch.
- Fans hatten lange über eine mögliche Entwicklung spekuliert, nun gibt es endlich visuelle Belege.
Weitere Kreaturen im Papierkorb der Geschichte
Neben Delibird enthält die Doku Dutzende anderer verworfener Designs. Viele davon hätten das Pokémon-Universum bereichern können.
- Mehrere frühe Versionen von Lucario zeigen ein kantigeres, fast bedrohliches Aussehen.
- Ein Mime Jr. -Vorschlag erinnert eher an einen Clown als an das bekannte Pantomime-Pokémon.
- Sogar alternative Formen für Dialga und Palkia sind zu sehen, mit deutlich grelleren Farben.
Die Dokumentation macht klar: Game Freak hat in der Entwicklungsphase radikal aussortiert. Vieles wirkte offenbar zu experimentell oder passte nicht zu den gewünschten Themen.
Die 4. Generation: Verkaufszahlen und Kontext
Pokémon Diamond und Pearl verkauften sich weltweit über 17,6 Millionen Mal (Stand 2022). Das ist der dritthöchste Wert der Kernreihe nach Rot/Blau (31 Mio.) und Gold/Silber (23 Mio.). Der direkte Vorgänger Rubin/Saphir kam auf 16,2 Millionen, der Nachfolger Schwarz/Weiß auf 15,6 Millionen.
Die 4. Generation führte 107 neue Pokémon ein, darunter Lucario, Dialga und Palkia. In der Beta-Doku sind etliche dieser Kreaturen in frühen Entwürfen zu sehen. Das Verwerfen von Designs ist bei Game Freak üblich: Für Gold/Silber wurden 1999 bereits Beta-Sprites geleakt, darunter ein völlig anderes Ho-Oh.
Warum das für Fans so spannend ist
Solche Einblicke sind für die Pokémon-Community Gold wert. Sie zeigen, wie stark das Franchise von liebevoller Iteration lebt.
Die interne Doku ist kein offizielles Material für die Öffentlichkeit. Eine Veröffentlichung durch Nintendo oder The Pokémon Company steht nicht an, der Fund bleibt ein glücklicher Leak aus den Tiefen der Unternehmensgeschichte.
Branchenkontext: Leaks aus den Archiven
Ähnliche Funde gab es in der Vergangenheit vor allem bei älteren Titeln. 2018 tauchten Beta-Konzepte zu Pokémon Gold/Silber auf, die eine Safari-Zone mit Rauch-Pokémon und ein gestrichenes Starter-Pokémon enthielten. 2021 veröffentlichte ein ehemaliger Mitarbeiter Konzeptzeichnungen zu Pokémon Stadium (1998).
Solche Leaks entstehen meist über unzureichend gesicherte Entwicklerlaufwerke oder ehemalige Angestellte. Nintendo und The Pokémon Company reagieren darauf selten offiziell. Die Dokumentation zu Diamond und Pearl ist der erste umfangreiche Einblick in die 4. Generation seit Spielemagazinen wie Nintendo Power, die 2006 erste Beta-Screenshots zeigten.