Schock für das junge Studio
Das erst vor einem halben Jahr an den Start gegangene Crisol Studio hat alle Mitarbeiter entlassen. In einer offiziellen Mitteilung heißt es, eine vollständige Schließung sei eine „feasible possibility“, eine realistische Möglichkeit.
Erste Berichte, das Studio habe bereits dicht gemacht, erwiesen sich als verfrüht. Doch die Lage ist ernst: Die Belegschaft wurde komplett freigestellt.
Die Gründer und ihre Vorgeschichte
Crisol Studio wurde 2021 in Barcelona gegründet. Die drei Gründer kamen von Tequila Works („RiME“, 2017) und Nomada Studio („Gris“, 2018). Sie hatten zuvor an Grafik- und Leveldesign gearbeitet. Das Team wuchs auf 18 feste Angestellte und vier Freelancer an.
Das Studio erhielt 2022 eine Seed-Finanzierung von 800.000 Euro durch einen spanischen Fonds. Hinzu kam ein Publisher-Vertrag mit PM Studios, der die Entwicklung des Debütspiels „Vermila“ ermöglichte. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,4 Millionen Euro.
Was bisher geschah
- Launch vor weniger als sechs Monaten, Crisol Studio brachte sein erstes Spiel auf den Markt.
- Gerüchte um Vermila Studios, Zunächst war von einer Schließung der Vermila Studios die Rede. Diese Meldungen bestätigten sich nicht.
- Aktuelle Warnung, Das Studio räumt selbst ein, dass die Geschäfte nicht laufen und ein Ende bevorstehen könnte.
Vermila: Ein ambitioniertes Debüt
„Vermila“ ist ein 2D-Puzzle-Plattformer mit Handzeichnungen und einer düsteren Märchenästhetik. Es erschien im Februar 2024 auf Steam, Nintendo Switch und Xbox Series X|S. Der Preis lag bei 24,99 Euro. Laut SteamDB wurden bis Juni 2024 rund 17.000 Einheiten verkauft.
Die Bewertungen sind gemischt: 72 % positiv bei 380 Rezensionen. Kritiker lobten Grafik und Atmosphäre, bemängelten aber kurze Spielzeit (etwa 4 Stunden) und technische Ruckler auf der Switch-Version. Metacritic notiert 68 von 100 Punkten (PC) und 63 (Switch).
Keine Details zur Zukunft
Konkrete Zahlen oder Gründe für die Misere nannte das Studio nicht. Ob die entlassenen Mitarbeiter Abfindungen erhalten, ist unklar. Auch ein möglicher Verkauf der IP oder ein Rettungsplan wurden nicht angesprochen.
Für ein Team, das gerade erst sein Debüt feierte, ist das ein harter Rückschlag. Die Branche beobachtet die Entwicklung mit Sorge.
Indie-Studio in der Krise
Die Schließungswelle unter kleinen Entwicklern hat sich 2024 verschärft. Laut einer Analyse von GameDiscover.co erreichen 60 % der Indie-Debüts auf Steam weniger als 20.000 Verkäufe im ersten Jahr. „Vermila“ liegt mit 17.000 Verkäufen genau in dieser Risikozone.
Zum Vergleich: Das spanische Studio Lusofonia Games schloss im März 2024 nach nur drei Monaten, sein Spiel „Cinder“ verkaufte 8.000 Einheiten. Auch Fireplace Games, ebenfalls aus Spanien, entließ im Januar 2024 die Hälfte der Belegschaft nach dem Launch von „The Last Campfire“. Die Kosten für Marketing und Portierung auf mehrere Plattformen fressen bei kleinen Teams die Margen auf. Crisol Studio hatte zudem mit einer überlangen Zertifizierungsphase für die Xbox-Version zu kämpfen, die den Launch um zwei Monate verzögerte.