Spinosaurus trifft Final-Fantasy-Feeling
Dinoblade ist ab heute auf dem Markt, und ja, das ist wirklich ein Spiel, in dem ein Spinosaurus Cloud Strifes Buster Sword schwingt. Was vor vier Jahren als kurze Dwitter-Animation eines Entwicklers namens Jean Nguyen die Runde machte, ist heute ein spielbares, vollwertiges Action-Erlebnis.
Der ursprüngliche Clip zeigte den Dinosaurier, wie er mit einer absurd flüssigen Combo gegen unsichtbare Feinde kämpfte. Das Video wurde viral. Die Frage „Gibt’s das als Spiel?“ war laut. Die Antwort: Ja, jetzt gibt’s das.
Vom Dwitter-Clip zum Vollpreistitel
Nguyen hatte vor dem Clip keine Spielveröffentlichung vorzuweisen. Er arbeitete als 3D-Animator in einer Pariser Werbeagentur und programmierte abends in Unity. Der virale Clip erreichte im Januar 2020 innerhalb von 48 Stunden 1,2 Millionen Aufrufe auf Dwitter (einer Twitter-Alternative für kurze Videoclips). Nguyen startete sofort ein Patreon, das innerhalb einer Woche 340 Unterstützer anzog.
Die Entwicklung zog sich über vier Jahre. Nguyen finanzierte das Projekt aus Ersparnissen (rund 25.000 Euro) und den Patreon-Einnahmen. Eine erste spielbare Demo veröffentlichte er im März 2022 auf Itch.io. Sie verzeichnete 47.000 Downloads. Im September 2023 folgte eine Demo auf Steam (Next Fest), die sich 18.000 Mal herunterladen ließ. Der finale Release kostet 11,99 Euro auf Steam und Itch.io. Eine Switch-Version ist für Anfang 2025 angekündigt.
Janky, sick and silly, genau richtig
Nguyen hat den Stil der Animation direkt ins Gameplay übertragen. Das Ergebnis ist jankig, also ruckelig im besten Sinne, übertrieben in jeder Bewegung und dabei völlig ernst gemeint.
- Der Spinosaurus bewegt sich schwer, aber die Kombos fühlen sich wuchtig an.
- Die Attacken mit dem Buster Sword sind überzeichnet, beinahe choreografisch.
- Zwischen den Animationen hakt es manchmal, das gehört zum Charme.
In einer Zeit, in der viele Indie-Spiele auf polierten Pixel-Look setzen, geht Dinoblade den entgegengesetzten Weg: roh, direkt und mit einer Prise „das habt ihr so noch nie gesehen“.
Indie-Trends: Virale Clips als Spielvorlage
Dinoblade reiht sich in eine kleine Gruppe von Spielen ein, die aus einem viralen Kurzclip entstanden sind. Getting Over It (Bennett Foddy, 2017) startete als experimenteller Prototyp. Only Up! (SCKR Games, 2023) hatte 3 Millionen Views vor Release und verkaufte 500.000 Einheiten in drei Monaten. Buckshot Roulette (Mike Klubnika, 2023) basierte auf einem Game-Jam-Prototyp, der auf Twitter viral ging.
Im Unterschied zu diesen Titeln ist Dinoblade kein kurzes Erlebnis. Nguyen gibt die Spielzeit mit 4 bis 5 Stunden für den ersten Durchlauf an. Das Spiel enthält sechs Arenen, 15 Gegnertypen und drei Bosse. Die Steuerung ist arcadelastig: zwei Angriffs-Buttons, eine Sprungtaste und eine Ausweichrolle. Kein Blocken, keine Magie, nur der Dino und das Schwert.
Fazit: Kein Meme, sondern ein richtiges Spiel
Dinoblade ist heute veröffentlicht worden, kein Prototyp, keine Techdemo, sondern ein spielbares Action-Spiel mit Dinosaurier und Schwert. Die kurze Entwicklungszeit (von viraler Animation zum fertigen Produkt) zeigt, dass Nguyen das Momentum genutzt hat, ohne das Publikum zu enttäuschen.
Wer auf jankige Arcade-Action mit absurdem Setting und einem Hauch Final-Fantasy-Nostalgie steht, sollte hier zuschlagen. Es ist genau das, was der Clip versprach: albern, cool und völlig überdreht.