EU-Kommission gibt grünes Licht
Die Europäische Kommission hat dem saudi-arabischen Public Investment Fund (PIF) die Übernahme von Electronic Arts kartellrechtlich genehmigt. Der Deal hat ein Volumen von rund 55 Milliarden US-Dollar.
Was die Freigabe bedeutet
Die Brüsseler Wettbewerbshüter sehen keine Einwände gegen den Erwerb der Kontrolle über EA durch den PIF. Damit ist ein wichtiges regulatorisches Hindernis aus dem Weg geräumt.
Der PIF und seine Ambitionen
Der Staatsfonds aus Saudi-Arabien investiert seit Jahren massiv in die Spielebranche. Mit EA würde er einen der größten Publisher der Welt unter seine Kontrolle bringen, ein Schritt, der in der Branche für viel Gesprächsstoff sorgt.
Bereits hält der PIF Anteile an Nintendo (8,6 %), Capcom (5 %), Take-Two Interactive (3,7 %) und der Embracer Group (8 %). 2022 erwarb er die E-Sport-Plattformen ESL und FACEIT für rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Über seine Tochter Savvy Games Group hat der Fonds 38 Milliarden US-Dollar für Gaming-Investitionen angekündigt, mit EA wäre ein Großteil davon platziert.
Electronic Arts: Vom Startup zum Giganten
Electronic Arts wurde 1982 von Trip Hawkins gegründet und entwickelte sich von einem reinen Publisher für Heimcomputer-Spiele zum eigenen Entwickler. Der erste große Erfolg war „Pinball Construction Set“ (1983), später folgten Sportlizenzen und die Übernahme von Studios wie Maxis (1997, SimCity, Die Sims), DICE (2006, Battlefield) und BioWare (2007, Mass Effect, Dragon Age).
2024 beschäftigte EA über 13.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2024 bei rund 7,5 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn betrug 1,27 Milliarden Dollar. Mit der geplanten Übernahme durch den PIF würde EA zu einem Staatsunternehmen werden, ein Novum für einen Publisher dieser Größe.
EAs umsatzstärkste Marken
- EA Sports FC (ehemals FIFA): jährlicher Umsatz von über 1 Milliarde US-Dollar. Ultimate Team generiert allein Hunderte Millionen.
- Madden NFL: über 130 Millionen verkaufte Einheiten seit 1988.
- Battlefield: über 100 Millionen Verkäufe. Der letzte Teil Battlefield 2042 (2021) enttäuschte kommerziell.
- Die Sims: über 200 Millionen verkaufte Einheiten. Das kommende Project Rene soll das Franchise neu erfinden.
- Apex Legends: über 100 Millionen registrierte Spieler, 2024 noch immer einer der umsatzstärksten Battle-Royale-Titel.
EA hält zudem die Rechte an Star-Wars-Spielen (Jedi: Fallen Order, Squadrons) und betreibt mit Respawn Entertainment (Titanfall) ein eigenes talentiertes Studio. Keine dieser Marken ist aus kartellrechtlicher Sicht unersetzbar, anders als etwa die Call-of-Duty-Marke bei Microsofts Activision-Deal.
Branchenkontext: Ein Deal im Schatten von Microsoft-Activision
Mit 55 Milliarden Dollar wäre die EA-Übernahme der zweitgrößte Deal in der Spielebranche nach Microsofts 69-Milliarden-Übernahme von Activision Blizzard (2023). Der PIF würde damit direkte Kontrolle über Titel erlangen, die in über 150 Ländern vertrieben werden.
Anders als Microsoft, das aus eigener Kraft wachsen will, dient der PIF den Diversifizierungszielen Saudi-Arabiens, weg vom Öl, hin zu Technologie und Unterhaltung. Die EU-Kommission prüfte vor allem, ob der Deal den Wettbewerb auf dem Markt für Spiele-Publishing beeinträchtigt. Sie sah keine Gefahr, weil EA mit Ubisoft, Take-Two und Microsoft weiterhin genügend Konkurrenz hat.
Nächste Schritte
Die EU-Entscheidung bringt den PIF seinem Ziel einen großen Schritt näher. Die EU-Kommission ist damit die erste große Wettbewerbsbehörde, die den Deal abgesegnet hat.
Noch offen sind die Prüfungen durch die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) und die britische Competition and Markets Authority (CMA). Beide Behörden haben in den letzten Jahren verstärkt kartellrechtliche Bedenken gegen große Spieleübernahmen geäußert. Die CMA blockierte 2023 fast den Microsoft-Activision-Deal und forderte Zugeständnisse. Ein Abschluss der EA-Übernahme wird frühestens im zweiten Halbjahr 2025 erwartet.