Ein Blick in die Vergangenheit von FromSoftware
Ein aufmerksamer Spürhund der Fangemeinde hat das bislang früheste bekannte Videomaterial zu Demon’s Souls ans Licht befördert. Die Aufnahmen stammen aus einer internen Entwicklungsphase, in der das Projekt intern noch unter dem Arbeitstitel Demon’s Field geführt wurde.
FromSoftware startete die Entwicklung von Demon’s Souls unter der Leitung von Hidetaka Miyazaki, nachdem das Projekt intern bei Sony Japan Studio zuvor als gescheitert galt. Miyazaki übernahm das Konzept eines Action-Rollenspiels mit hoher Komplexität, das bei anderen Teams zuvor keine Form fand.
Überraschende Einblicke in die Entwicklung
Die Aufnahmen aus dem Prototyp offenbaren technische Experimente, die den Fokus auf Spielmechanik vor dem finalen Art-Design zeigen. Besonders auffällig ist die Kameraperspektive, die in diesem Stadium des Spiels zur Verfügung stand.
- Der Prototyp enthält einen spielbaren First-Person-Kameramodus.
- Die Spielwelt wirkt in diesem frühen Zustand noch deutlich rudimentärer.
- Die Bewegungsabläufe und das UI unterscheiden sich massiv vom späteren Demon’s Souls.
Vor Demon’s Souls war FromSoftware vor allem für die King’s Field-Reihe und die Armored Core-Serie bekannt. King’s Field war eine First-Person-Dungeon-Crawler-Serie, die von 1994 bis 2006 auf der PlayStation und PlayStation 2 erschien. Der nun entdeckte Prototyp zeigt, wie stark Miyazaki bei der Konzeption auf die Wurzeln seines Arbeitgebers zurückgriff, bevor er sich auf die Third-Person-Perspektive festlegte.
Was das Material zeigt
Das Video verdeutlicht, wie stark die Vision für das spätere Action-Rollenspiel während der Entwicklung variierte. Die First-Person-Ansicht wirkt im Vergleich zur finalen Third-Person-Perspektive ungewohnt und bietet eine völlig andere Perspektive auf die Gegner und Umgebungen.
Die Existenz dieses Materials ist für Fans der Serie ein seltenes Dokument. Es zeigt den kreativen Prozess bei FromSoftware, bevor der bekannte Schwierigkeitsgrad und das düstere Design ihre endgültige Form annahmen.
- Der Clip bestätigt, dass der Prototyp Demon's Field bereits grundlegende Konzepte wie das Ausdauer-Management enthielt.
- Die Interaktion mit der Umgebung basierte in diesem Stadium noch auf einem anderen physikalischen Modell als das 2009 veröffentlichte Spiel.
- Der Ego-Modus war vermutlich ein Überbleibsel aus der technischen Testphase, in der die Engine von King’s Field IV als Basis diente.
Branchenkontext und historische Einordnung
Der Wechsel von der Ego-Perspektive zur Third-Person-Sicht war für den Erfolg des Spiels bei der Veröffentlichung 2009 in Japan essenziell. Die Third-Person-Perspektive erlaubte eine bessere Übersicht über das Schlachtfeld, was für die präzisen Ausweichmanöver gegen Gegner wie den Tower Knight oder Old King Allant zwingend erforderlich war.
Im Vergleich zu zeitgenössischen Titeln wie Oblivion oder Fallout 3, die auf First-Person-Perspektiven setzten, distanzierte sich FromSoftware bewusst von diesem Standard. Demon’s Souls verkaufte sich zum Start in Japan schleppend, fand jedoch durch den Import-Markt und die Mundpropaganda eine loyale Anhängerschaft.
Die technischen Daten des Prototyps lassen darauf schließen, dass die Entwicklung auf Hardware-Devkits der PlayStation 3 stattfand, die kurz vor dem offiziellen Launch 2006 an das Studio gingen. Die visuelle Darstellung der Shader und der Beleuchtung im Video unterscheidet sich fundamental von der finalen Version, die das damals neue Beleuchtungssystem der PS3-Hardware ausreizte.
Der Fund unterstreicht, dass das Spielkonzept von Demon’s Souls als technischer Prototyp begann, der die Grenzen der damaligen Hardware auslotete. Dass der Ego-Modus zugunsten der Third-Person-Ansicht verworfen wurde, prägte das Genre der sogenannten „Souls-likes“ nachhaltig. Seitdem hat kein FromSoftware-Titel mehr eine First-Person-Ansicht für das Kern-Gameplay integriert.