Schön innen, schrecklich außen
GIGA hat die 15 Konsolen mit den hässlichsten Gehäusen der Geschichte aufgelistet. Während die Hardware Jahr für Jahr Rekordleistungen erzielte, blieb das Außendesign oft ein Nebenschauplatz. Heraus kamen Geräte, die wie überdimensionierte Gamepads, missglückte Toaster oder Relikte der Plastik-Ära der 90er wirken.
Das Paradebeispiel für diese Diskrepanz ist die Philips CD-i von 1991. Philips, ein niederländischer Elektronikkonzern, hatte kaum Spieleerfahrung, vorher produzierte das Unternehmen vor allem Audioanlagen, Fernseher und PC-Monitore. Das Gehäuse war beige, kantig, mit einem frontalen CD-Schacht, als wäre es ein Büro-CD-Player aus dem Katalog. Die CD-i verkaufte sich weltweit nur rund 1 Million Mal. Das Design half nicht, das Gerät als ernsthafte Konkurrenz zu Nintendo oder Sega zu positionieren.
Was macht eine Konsole wirklich hässlich?
Drei Faktoren führen meist zum Design-Flop: übertriebene Proportionen (riesige Lüftungsschlitze, asymmetrische Buchsen), schlechte Materialwahl (glänzender Billigplastik, der nach Tagen verkratzt) und eine Überfrachtung mit Schaltern und Anschlüssen, die das Gerät wie ein Studio-Mischpult wirken lassen.
Die Xbox Original von Microsoft (2001) vereinte diese Fehler eindrucksvoll. Mit 32,5 cm Breite und 3,86 kg war sie die größte Konsole ihrer Generation. Das Gehäuse aus grünlich-schwarzem Kunststoff trug ein riesiges „X“ als Lüftungsgitter. Microsofts Konsolen-Team unter Seamus Blackley hatte zuvor PC-Spiele wie Age of Empires entwickelt, Erfahrung mit Hardware-Design fehlte. Zum Vergleich: Die PlayStation 2 von Sony (2000) war mit 30,2 cm Länge und 2,2 kg deutlich kompakter und besaß ein mattes, schlichtes Gehäuse.
Die schlimmsten Vergehen laut Ranking
Das Ranking kritisiert vor allem drei Sünden: überladene Bedienelemente ohne wirklichen Nutzen, den misslungenen Versuch, mit Klavierlack und Chrom Edel-Image zu erzwingen, sowie monströse Ausmaße, die neben dem Fernseher wie ein zweiter Kühlschrank wirken.
Ein extremes Beispiel ist die Nintendo Virtual Boy von 1995. Die rote Plastikbrille auf einem schwarzen Ständer sah aus wie eine übergroße Sonnenbrille aus einem 80er-Jahre-Science-Fiction-Film. Entwickelt wurde sie von Nintendos R&D3-Abteilung unter Gumpei Yokoi, dem Erfinder des Game Boy (1989) und der Game & Watch-Reihe. Yokoi verließ Nintendo nach dem Flop. Die Konsole zeigte nur monochrome rote 3D-Grafik und wurde nach weniger als einem Jahr eingestellt. Verkaufszahlen: etwa 770.000 Einheiten weltweit.
Retro-Charme allein reicht nicht
Nostalgie lässt manche Plastikbüchsen heute wieder hip erscheinen. Das Ranking macht aber klar, dass selbst Konsolen mit legendären Spielen design-technisch fragwürdig waren. Ein Gehäuse wird nicht automatisch gut, nur weil es an eine Kindheitserinnerung geknüpft ist.
Die Sega Dreamcast (1998) ist ein gutes Beispiel. Das weiße Gehäuse mit dem schwarzen Disc-Symbol galt damals als zu schlicht, fast lieblos. Der Dreamcast war Segas letzte Konsole. Vorgänger: die Sega Saturn (1994), ein schwarzes, komplexes Gerät mit mehreren Deckeln und großen Lüftungsschlitzen, und der Mega Drive (1988), ein schlanker, schwarzer Kasten mit goldenen Akzenten. Der Dreamcast verkaufte sich 10,6 Millionen Mal, ein Bruchteil der PlayStation 2 (155 Millionen). Sein Design polarisiert bis heute: minimal oder lieblos?
Keine Schonfrist für Design-Sünden
Ein durchdachtes Gehäuse ist kein Luxus, sondern ein Zeichen von Respekt vor dem Spieler und dem eigenen Produkt. Wer mit atemberaubender Grafik wirbt, aber ein pflegeintensives Äußeres liefert, verspielt Glaubwürdigkeit.
Die erste Version der PlayStation 3 (2006, Modell CECH-Axx) zeigte, wie fatal Materialwahl sein kann. Der Klavierlack auf der Oberseite zerkratzte nach wenigen Tagen, Fingerabdrücke waren unvermeidbar. Sonys Design-Team unter Ken Kutaragi wollte ein Premium-Gerät abliefern, doch die Oberfläche war eine Zumutung. Der Preis lag bei 599 US-Dollar, die PS3 startete schlecht in den Verkauf. Die zeitgleiche Xbox 360 (2005) von Microsoft setzte auf mattes Weiß und gebürstetes Silber, was deutlich unempfindlicher war. Sony wechselte erst mit der PS3 Slim (2009) zu matter Oberfläche.