Ein Geburtstag für die Geschichtsbücher
Bethesda Softworks feiert am 28. Juni 2026 seinen 40. Geburtstag. Das Unternehmen wurde 1986 von Christopher Weaver in Rockville, Maryland gegründet, zuerst als Publisher für Sportspiele wie Gridiron! und Wayne Gretzky Hockey.
Weaver hatte zuvor bei der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gearbeitet und ein Physikstudium absolviert. Die erste Wende kam 1992, als der Programmierer Julian Le Fay ein kleines RPG namens The Elder Scrolls: Arena vorschlug. Es war als Gladiatorenkampfspiel geplant, wuchs dann zu einem Open-World-RPG heran.
- Bis 1994 waren nur sieben Angestellte im Studio.
- Arena verkaufte sich rund 100.000 Mal, genug, um die Firma vor der Schließung zu bewahren.
Vom Beinahe-Bankrott zum Durchbruch
Mitte der 1990er Jahre stand Bethesda kurz vor der Insolvenz. The Elder Scrolls II: Daggerfall (1996) wurde mit einem Budget von rund 400.000 Dollar entwickelt, ein Bruchteil dessen, was spätere Titel kosteten. Die handgenerierte Spielwelt umfasste 160.000 Quadratkilometer, mehr als jedes andere Rollenspiel seiner Zeit.
- Der Erfolg von Daggerfall (über 500.000 Verkäufe) brachte Liquidität, aber die Firma blieb finanziell angeschlagen.
- 1999 gründete Weaver die Holding Zenimax Media, um Risiken zu streuen. Bethesda Softworks wurde zum Publisher, während die Entwicklung an das neu geschaffene Bethesda Game Studios (unter Todd Howard) ausgelagert wurde.
- The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) verkaufte sich über vier Millionen Mal und setzte einen Standard für narrative Open Worlds.
- Oblivion (2006) folgte mit knapp zehn Millionen verkauften Einheiten, Skyrim (2011) mit über 60 Millionen (Stand 2023). Jeder Teil steigerte die Größe und Detailtiefe exponentiell.
Das Risiko, das Arena darstellte, zahlte sich über 30 Jahre aus. Ohne diesen Schritt gäbe es die Serie heute nicht.
Fallout und der zweite Glücksgriff
2004 kaufte Bethesda die Fallout-Lizenz von Interplay für geschätzte 1,2 Millionen Dollar. Dazu gehörten die Rechte an den ersten beiden Teilen des postapokalyptischen Klassikers. Unter der Regie von Todd Howard entstand Fallout 3 (2008), eine Neuinterpretation aus der Ego-Perspektive, die die Serie einem Millionenpublikum öffnete.
- Fallout 3 verkaufte sich über zwölf Millionen Mal und gewann zahlreiche Auszeichnungen.
- Der Spin-off Fallout: New Vegas (2010) wurde von Obsidian Entertainment entwickelt und gilt unter Fans als inhaltlich dichter.
- Fallout 4 (2015) brachte es auf über 25 Millionen Verkäufe. Das Spiel nutzte erstmals die Creation Engine, eine Weiterentwicklung der Gamebryo-Engine aus Oblivion.
- Fallout 76 (2018) war der erste reine Online-Ableger. Der Start verlief katastrophal, Serverabstürze, fehlende NPCs, leere Versprechen. Bethesda zog Lehren daraus und verbesserte das Spiel über Jahre. 2025 hatte Fallout 76 rund 15 Millionen registrierte Spieler.
Die Fallout-Übernahme war keine Garantie. Das Franchise hätte auch scheitern können, so wie andere Lizenz-RPGs der Ära (etwa Das Schwarze Auge von Attic). Bethesda gelang der zweite große Wurf.
40 Jahre, und kein Ende in Sicht
Das Studio aus Rockville hat Generationen von Spielern geprägt. Von Arena bis Fallout 4 entstanden 17 Haupttitel. Die Creation Engine 2 treibt seit 2023 Starfield an, ein neues Sci-Fi-RPG, das sich nach schwachem Start ebenfalls stetig verbesserte. Microsoft übernahm Bethesda samt Zenimax im März 2021 für 7,5 Milliarden Dollar.
- Die Belegschaft wuchs von sieben auf über 2.000 Mitarbeiter (inklusive ZeniMax-Töchtern wie id Software und Arkane).
- The Elder Scrolls VI wurde 2018 angekündigt, aber kein Verkaufsdatum genannt. Branchenbeobachter rechnen frühestens mit 2028.
- Bethesda-Spiele stehen seit jeher für ambitionierte, oft fehlerhafte Welten. Die „Bethesda-Glitche“ sind legendär, von fliegenden Pferden in Skyrim bis zu verschwindenden Questgegenständen.
Die Jubiläumsfeier fällt in eine Phase, in der das Unternehmen unter Microsofts Dach neue Ressourcen erhält, aber auch Druck: Redfall (2023) von Arkane Austin fiel durch, und Starfield erreichte nicht die erhofften Verkaufszahlen. 40 Jahre Bethesda bedeuten auch 40 Jahre Hochs und Tiefs. Das nächste große Rollenspiel wartet, und mit ihm die Frage, ob das Studio seine alten Stärken bewahren kann.