Überraschung in der Retro-Ecke
Vor einiger Zeit sorgte Camelot mit der Ankündigung eines zweiten Golden Sun für Aufsehen. Die Kollegen von Kotaku zeigten sich in ihrer Meldung erstaunt, und viele Fans konnten es kaum glauben. Immerhin galt der erste Teil als eines der besten Rollenspiele auf dem Game Boy Advance.
Heute ist der Nachfolger längst erhältlich. Was damals wie eine Überraschung wirkte, gehört inzwischen zum festen Bestand der GBA-Bibliothek.
Studio-Historie und Wurzeln bei Camelot
Das Entwicklerstudio Camelot Software Planning, geleitet von den Brüdern Hiroyuki und Shugo Takahashi, startete nicht direkt mit eigenen Marken. Früher firmierte das Team als Climax Entertainment und Sonic! Software Planning und entwickelte unter anderem die ersten beiden Shining Force-Titel für Sega sowie das Rollenspiel Beyond Oasis.
Nach dem Wechsel zu Nintendo prägte das Studio die Sport-Spielelandschaft mit Titeln wie Mario Golf und Mario Tennis auf dem Nintendo 64. Mit Golden Sun kehrte das Team zu seinen traditionellen JRPG-Wurzeln zurück und bewies, dass technisches Know-how aus Sportspielen auch in komplexen Fantasy-Welten funktioniert.
Was den zweiten Teil auszeichnet
- Die Geschichte wird direkt fortgesetzt, diesmal aus der Perspektive der bisherigen Antagonisten.
- Bekannte Gesichter kehren zurück, während die Party um neue Figuren wie den Klabautermann Ivan oder die Seherin Jenna wächst.
- Camelot nutzt die GBA-Hardware erneut für stimmungsvolle Pseudo-3D-Effekte in den Zauberkämpfen.
Um welche Details es genau geht, darüber schweigt sich die ursprüngliche Ankündigung aus. Klar war nur: Der zweite Teil kam früher als gedacht.
Frühere Releases und der rasche Veröffentlichungsrhythmus
Der erste Teil von Golden Sun erschien im August 2001 in Japan und im Februar 2002 in Europa. Bereits im April 2002 folgte die Veröffentlichung des Nachfolgers Golden Sun: Die vergessene Epoche in Japan, gefolgt vom US-Release im April 2003.
Diese extrem kurze Entwicklungszeit war möglich, weil Camelot das Spiel ursprünglich als ein einziges Modul konzipiert hatte. Wegen technischer Speichergrenzen des GBA-Moduls teilte das Studio die Story in zwei Hälften auf, wodurch die Engine bereits stand und direkt weiterverwendet werden konnte.
Warum Golden Sun so besonders war
Golden Sun galt auf dem Game Boy Advance als das Rollenspiel schlechthin. Die Mischung aus rundenbasierten Kämpfen, Dungeons voller Denksportaufgaben und einer fesselnden Geschichte begeisterte Fans weltweit. Dazu kam das sogenannte Djinn-System, bei dem kleine Elementargeister gesammelt wurden, um Werte zu steigern und neue Klassen freizuschalten.
Ein Sequel musste also hohe Erwartungen erfüllen. Dass Camelot so schnell nachlegte, sprach für das Vertrauen des Entwicklers in das eigene Konzept und die Leistungsfähigkeit der 32-Bit-Hardware.
Branchenkontext und Konkurrenz auf dem GBA
Zu Beginn der 2000er Jahre galt der Game Boy Advance als die primäre Plattform für klassische 2D-Rollenspiele. Square Enix portierte zahlreiche Final-Fantasy-Klassiker, während Nintendo mit Titeln wie Mario & Luigi: Superstar Saga ebenfalls in den Markt drängte.
Trotz dieser Konkurrenz besetzte Golden Sun eine eigene Nische, weil es grafisch und spielerisch wie ein 16-Bit-Titel der späten Super-Nintendo-Ära wirkte, aber moderne Effekte nutzte. Die Kritiken lobten vor allem die Detailverliebtheit der Pixelkunst und den Soundtrack von Motoi Sakuraba.
Die Bedeutung für den Game Boy Advance
Der GBA war reich an guten Rollenspielen. Golden Sun stach dennoch heraus, auch weil Camelot bewies, dass epische Erzählungen auf dem Handheld funktionieren.
Der zweite Teil festigte diesen Ruf. Wer zur damaligen Zeit eine Konsole besaß, kam an der Kartusche kaum vorbei.
Konkrete Vorgänger und Verkaufszahlen
Der erste Teil verkaufte sich weltweit über 1,5 Millionen Mal, was für ein neues, nicht auf einer etablierten Lizenz basierendes Rollenspiel einen beachtlichen Erfolg darstellte. Golden Sun: Die vergessene Epoche knüpfte nahtlos an diesen kommerziellen Erfolg an und erreichte ähnliche Verkaufsregionen.
Über ein Passwortsystem am Spielbeginn konnten Spieler den Spielstand des Vorgängers übertragen, um Ausrüstung und Daten in das neue Abenteuer mitzunehmen.
Blick auf die Kartusche
Wer den ersten Teil noch im Regal stehen hat, sollte die Konsole auspacken. Der Nachfolger ist da und bietet eine direkte Fortsetzung der Reise.
Die Retro-Gemeinschaft darf sich freuen. Golden Sun 2 ist kein ferner Traum mehr, sondern ein reales Spiel für den Game Boy Advance.