Harte Worte von Nippon Ichi
Sohei Niikawa, Gründer und ehemaliger Präsident von Nippon Ichi Software, hat sich in einem Interview mit Kotaku deutlich positioniert. Seine Aussage ist ein Paukenschlag für die gesamte Branche.
Sony plant offenbar, die Produktion von Discs für PlayStation einzustellen. Der Entwickler hält das für einen fatalen Fehler.
Sohei Niikawa: Der Schöpfer hinter den Worten
Niikawa gründete NIS 1993 in Kakamigahara, Japan, damals ein Dreimann-Studio. Vor Disgaea programmierte seine Firma „Rhapsody: A Musical Adventure“ (1998) für die PS1, ein taktisches RPG mit Puppenspiel-Optik, das sich nur rund 50.000 Mal verkaufte. Der Durchbruch gelang 2003 mit Disgaea: Hour of Darkness auf der PS2, das für sein absurd überzogenes Levelsystem und seine Parodie auf SRPG-Klischees berühmt wurde. Niikawa verließ den Präsidentenposten 2021, bleibt aber als Creative Director aktiv.
„Dann macht doch gleich gar keine Konsolen mehr“
In dem Gespräch wetterte Niikawa gegen den Schwenk zu rein digitalen Medien. Sein Standpunkt ist klar: Wer Discs abschafft, sollte auch die Hardware infrage stellen.
- Ein reines Digital-Angebot mache die Konsole für viele Spieler uninteressant.
- Physische Spiele seien kein Relikt, sondern ein Kernmerkmal von Konsolen überhaupt.
- Der Schritt von Sony sei ein „Schlag ins Gesicht“ der treuen Fangemeinde.
Disgaea, Eine Reihe lebt von der Disc
Die Disgaea-Reihe umfasst sieben Hauptteile (Stand 2025) und Ableger wie Disgaea Infinite oder Disgaea RPG. Teil 1 verkaufte sich weltweit über 500.000 Mal, für ein Nischen-SRPG ein respektabler Wert. Jeder Ableger erscheint mit limitierten Editionen: Disgaea 7: Vows of the Virtueless (2023) enthielt in Japan eine Artbook-CD, einen Acryl-Ständer und einen digitalen Soundtrack, nur als Disc. NIS America bringt physische Versionen oft Monate später nach Nordamerika und Europa. Ohne Discs fiele dieses Vertriebsmodell komplett weg.
Retro-Gaming und Sammlerkultur unter Druck
Gerade für Disgaea-Fans sind Discs oft das einzige Mittel, um die Spiele mit allen Extras zu besitzen. Die Serie lebt von limitierten Editionen, Artbooks und Steelbooks.
- Sammler greifen gezielt zu physischen Kopien, ein Markt, der jetzt bedroht ist.
- Auch Retro-Gaming könnte ohne Discs auf Dauer austrocknen, da keine gebrauchten Medien mehr zirkulieren.
Sonys Strategie: Digital Only um jeden Preis?
Sony selbst hat mit der PlayStation 5 Digital Edition bereits einen Fuß in die Tür gesetzt. Jetzt scheint der komplette Verzicht auf Discs nur noch eine Frage der Zeit. Der Marktanteil digitaler Spieleverkäufe liegt bei Sony bei über 70% (Geschäftsjahr 2023). Physische Verkäufe schrumpfen jährlich um rund 15%. Analysten erwarten, dass die nächste PlayStation-Generation (PS6) entweder nur noch digital erscheint oder ein Disc-Laufwerk als separates Zubehör verkauft wird.
Der ehemalige NIS-Präsident sieht darin einen Irrweg. Er argumentiert, dass die Konsole ihre Identität verliere, wenn sie sich nicht mehr klar von PC oder Cloud-Diensten abhebe.
Die Stimmung in der japanischen Entwicklerszene
Niikawa ist kein Einzelfall. Auch andere japanische Studios wie Falcom (Trails-Serie) und Atlus (Persona) haben sich öffentlich gegen einen rein digitalen Vertrieb ausgesprochen. Kleineren Firmen fehlt die Marketingmacht, um ihre Spiele im digitalen Dschungel sichtbar zu machen. Hinzu kommt: Der japanische Gebrauchtmarkt, mit Ketten wie Book Off und Geo, machte 2022 noch rund 20% des Umsatzes aus. Discs sind dort die alleinige Handelsware.
Kein Ende der Debatte in Sicht
Nintendo setzt bei der Switch 2 auf Cartridges. Microsoft bietet mit Series X und Series S beide Optionen an. Die Diskussion um Discs ist kein neues Thema, aber wenn einer der profiliertesten japanischen Entwickler so deutlich wird, sollte Sony zuhören.