Die stille Krise hinter den Massenentlassungen
Während Schlagzeilen meist von Festangestellten berichten, zeigt ein aktueller Bericht von Kotaku: Vertragsarbeiter werden von den großen Publishern noch härter getroffen. Sie sind es, die Spiele am Laufen halten, vom QA-Test bis zum Live-Service-Update, und doch als Erste gehen müssen.
Der Satz aus der Branche bringt es auf den Punkt: „Industry’s Cooked“, die Industrie ist am Ende. Ohne Abfindungen, ohne Kündigungsschutz und ohne Plan B stehen viele Entwickler vor dem Nichts.
Was der Bericht enthüllt
- Major companies streichen nicht nur Vollzeitstellen, sondern kappen ganze Vertragsbelegschaften.
- Viele dieser Arbeiter waren jahrelang für AAA-Titel und Live-Spiele tätig, ohne jede Sicherheit.
- Die Kündigungen kommen oft kurzfristig, die Aufträge werden gestoppt, die Erfahrung geht verloren.
Wer trägt die Last?
Es sind die stillen Helfer: Tester, Level-Designer, Motion-Capture-Spezialisten und Community-Manager. Sie arbeiten oft unter härteren Bedingungen als Festangestellte, und werden bei Sparrunden als Erstes aussortiert. Vertragsarbeit war lange das Rückgrat der Branche. Jetzt bricht dieses Rückgrat unter den Streichungen der Konzerne zusammen.
Warum das auch eure Spiele betrifft
Wenn erfahrene Vertragskräfte gehen, geht auch Know-how. Bugs bleiben unentdeckt, Patches kommen später, Projekte werden eingestellt. Die Qualität leidet direkt unter den Entscheidungen der Konzernspitzen. Wer sich über einen holprigen Launch oder verspätete Updates ärgert, sollte wissen: Oft sind die abservierten Vertragsarbeiter der Grund.
Konkrete Opfer: Studios und ihre Geschichten
Im Sommer 2024 strich Rocksteady Studios (Batman: Arkham Asylum, Arkham City) nach dem Flop von Suicide Squad: Kill the Justice League einen Großteil seiner Vertragsbelegschaft. Das Studio hatte zuvor mit Batman: Arkham Knight einen kommerziellen Erfolg, doch der Live-Service-Titel verkaufte sich nur 200.000 Mal in den ersten Wochen, weit unter den Erwartungen. QA-Tester und Supporting-Artists, die während der turbulenten Entwicklung eingestellt worden waren, erhielten oft nur Tage vor Vertragsende die Absage.
Bungie entließ im Oktober 2023 rund 100 Mitarbeiter, darunter viele Vertragskräfte im Live-Ops-Bereich. Das Studio hatte nach der Übernahme durch Sony mit sinkenden Spielerzahlen in Destiny 2 und dem gescheiterten Spin-off Marathon zu kämpfen. Die entlassenen Tester waren zuvor für die wöchentlichen Updates zuständig, ihre Abwesenheit spüren Spieler seither in langsameren Patches. Bei BioWare führte die enttäuschende Aufnahme von Anthem (2019) zu einem mehrjährigen Abbau von Vertragsarbeitern, der sich bis in die Entwicklung von Dragon Age: Dreadwolf zog. Viele Level-Designer, die an der offenen Welt von Anthem gearbeitet hatten, fanden nie wieder einen Festvertrag.
Die ungeschönten Zahlen hinter den Schlagzeilen
Laut einer Analyse von GameIndustry.bi wurden allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 weltweit über 11.000 Gaming-Jobs gestrichen. Vertragsarbeiter machten schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Betroffenen aus, obwohl sie nur etwa 15 Prozent der Gesamtbelegschaft stellen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2023 lag die Zahl der Entlassungen bei knapp über 10.000. Der Trend beschleunigt sich, während Publisher wie Electronic Arts, Ubisoft und Take-Two ihre Kostenstrukturen überprüfen.
Ein besonders krasses Beispiel liefert Embracer Group: Der schwedische Konzern kündigte 2023 ein Umstrukturierungsprogramm an, das zur Schließung mehrerer Studios führte. Dabei verloren hunderte Vertragsarbeiter ihre Jobs, darunter Teams, die an einem unveröffentlichten Star Wars: Knights of the Old Republic-Remake gearbeitet hatten. Das Projekt wurde eingestellt, obwohl bereits Prototypen existierten. Die Kosten pro Vertragsarbeiter liegen für Publisher oft 30 Prozent unter denen eines Festangestellten, ein Grund, warum sie in Krisen als Erstes fallen.