Faker trägt jetzt Uniform, aber nicht im Summoner’s Rift
Der legendäre League of Legends-Profi Faker (Lee Sang-hyeok) wurde zum Ehrenpolizisten der südkoreanischen Nationalpolizei ernannt. Sein Auftrag: als Botschafter für Prävention von Online-Glücksspiel vor allem Jugendliche vor Cyber-Wetten schützen. Die Aktion erfolgt genau ein Jahr, nachdem Riot Games offiziell Wettanbieter-Sponsoren in Ligen und Turnieren erlaubt hatte.
Die südkoreanische Polizei nutzt bereits seit Jahren prominente Gesichter für Aufklärungskampagnen. 2023 ernannte sie etwa K-Pop-Gruppe BTS zu Botschaftern gegen Drogenmissbrauch. Dass nun ein Esport-Star folgt, zeigt, wie tief Gaming in der koreanischen Alltagskultur verankert ist: 68 Prozent der 10- bis 19-Jährigen spielen regelmäßig Videospiele, laut einer Regierungsstudie von 2023. Rund 5 Prozent gelten als risikobehaftet spielsüchtig.
Riot Games wurde 2006 von Brandon Beck und Marc Merrill in Los Angeles gegründet. Der erste Release League of Legends erschien 2009 und etablierte das MOBA-Genre als Massenphänomen. Seitdem kamen Ableger wie Teamfight Tactics (2019), Legends of Runeterra (2020) und Valorant (2020) hinzu. Der Konzern erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden US-Dollar, ein Teil davon stammt aus Sponsoring-Deals mit Wettanbietern.
Von Riot-Geld zu Polizei-Dienst?
- 2025 erlaubte Riot Wettanbieter-Sponsoren in Ligen und bei Turnieren.
- Kritiker warnten damals vor einer Normalisierung von Glücksspiel im Esport.
- Jetzt setzt Südkorea ausgerechnet Faker als Gegenpol ein, den integresten Star der Szene.
Konkrete Zahlen: Der erste große Deal nach der Regeländerung ging an den koreanischen Wettanbieter Korail Bet, der ab der 2025er Spring-Split der LCK als Sponsor auftrat. Die Summe wurde nicht veröffentlicht, liegt aber Schätzungen zufolge im einstelligen Millionenbereich pro Split. Zuvor hatten bereits Ligen wie die League of Legends Championship Series (LCS) in Nordamerika ähnliche Partnerschaften, etwa mit PointsBet (2022) oder DraftKings (2023). Südkorea zögerte länger, bis Riots globaler Druck die Tür öffnete.
Die Ironie: Faker selbst hat nie mit Wettanbietern kooperiert. Sein langjähriger Vertrag mit SK Telecom T1 (heute T1) verbot solche Deals. 2024 unterschrieb er einen neuen Vertrag mit T1, der ihm jährlich rund 5 Millionen US-Dollar garantiert, ohne Wettenanteile. Sein Gehalt stammt aus Gehalt, Preisgeldern und Werbeverträgen mit Mainstream-Marken wie Nike oder Samsung.
Was bedeutet das für die Szene?
Die Spannung zwischen Riots Kommerz und Fakers Vorbildfunktion ist offensichtlich. Derselbe Spieler, der in offiziellen Riot-Streams vor Millionen Zuschauern spielt, wirbt nun auf Polizei-Plakaten gegen das, was seine Arbeitgeber finanzieren. Genau diese Doppelrolle verleiht seiner Botschaft Gewicht. Faker sagte in einem Interview 2023: "Ich spiele, weil ich den Wettbewerb liebe. Geld war nie der Grund." Seine neue Rolle unterstreicht diesen Ethos, auch wenn Riot weiterhin Millionen mit Wett-Partnern verdient.
In der Esport-Geschichte gab es ähnliche Ambivalenzen. Der Counter-Strike-Profi Olof "olofmeister" Kajbjer wurde 2018 von der schwedischen Polizei als Botschafter gegen Skin-Gambling eingesetzt, nachdem Valve Skin-Wetten in Steam verboten hatte. Anders als Faker war olofmeister jedoch in keine Sponsoring-Kontroversen verwickelt. Fakers Fall ist heikler, weil er bei demselben Unternehmen angestellt ist, das die Wetten ermöglicht.
Fakers Karriere umfasst vier Weltmeisterschaftstitel (2013, 2015, 2016, 2023), zehn LCK-Meisterschaften und über 1.000 offizielle Siege. Kein anderer Spieler hat so viele Siege in der LCK (über 600). Sein Durchhaltevermögen, seit 2013 ununterbrochen aktiv, macht ihn zur idealen Identifikationsfigur für Jugendliche, die zwischen Leistungssport und Spielsucht unterscheiden sollen.
Kein Witz: Faker patrouilliert digital
Die Ernennung ist kein PR-Gag. Faker erhält eine offizielle Ehrenplakette und wird in Aufklärungskampagnen mitwirken, auf Twitch, in Schulen und über soziale Medien. Südkorea hat eine der höchsten Spielsuchtraten weltweit, gerade unter Jugendlichen. Laut einer Umfrage des koreanischen Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus aus 2024 gaben 12 Prozent der männlichen Jugendlichen an, Geld für Online-Glücksspiele ausgegeben zu haben, meist über illegale Wettseiten, die in Südkorea hart verfolgt werden.
Die Polizei startet parallel eine App-gestützte Kampagne namens "Safe Gaming", die Jugendliche über Risiken informiert und Ausstiegshilfen bietet. Faker wird in Videos und Livestreams auftreten, ohne Bezahlung, wie die Polizei betont. Sein Engagement ist Teil eines umfassenderen Programms, das auch Schulbesuche und Workshops mit Psychologen umfasst.
Andere Esport-Stars haben ähnliche Rollen übernommen: Der StarCraft II-Profi Lee "Flash" Young-ho arbeitete 2021 mit der südkoreanischen Polizei gegen Cybermobbing. Doch kein Engagement hatte bisher eine derart direkte Verbindung zum Sponsor-Konflikt wie Fakers aktuelles. Ob Faker jemals Streife läuft? Eher nicht. Aber seine Stimme gegen Online-Glücksspiel trägt weiter als jede Polizeisirene, und zwingt Riot zu einer unangenehmen Debatte über die eigenen Geschäftspraktiken.