Ein magischer Auftakt
2012 veröffentlichte Arkane Studios Dishonored, die Fachpresse reagierte begeistert. PCGamer betitelte seine Review mit der Aussage, das Spiel funktioniere als magischer Attentäter in der rostigen Stadt Dunwall genauso brillant, wie es aussehe. Vierzehn Jahre später ist dieser Satz kaum zu widerlegen.
Dishonored ist kein simpler Shooter. Es ist ein Stealth-Abenteuer, das dem Spieler Werkzeuge gibt und dann sagt: „Mach, was du willst.“ Die Kombination aus übernatürlichen Kräften, Schmalspur-Schleichen und offener Levelgestaltung hat Genre-Maßstäbe gesetzt.
Entwickler mit einer Handschrift
Arkane Studios wurde 1999 in Lyon gegründet. Vor Dishonored arbeitete das Team an Arx Fatalis (2002), einem First-Person-RPG, das mit freiem Zauberstab-Zeichnen experimentierte, und Dark Messiah of Might and Magic (2006), einem actionlastigen Melee-Spiel mit physikbasierten Kämpfen.
Beide Titel etablierten Arkans Kern-DNA: nicht-lineare Vertikal-Level, multiple Lösungen für Hindernisse und eine Welt, die auf Spieler-Input reagiert. Raphael Colantonio, Gründer und Creative Director, war von der Thief-Reihe und Deus Ex beeinflusst. Diese Wurzeln prägen Dishonored bis ins kleinste Detail, jede Tür, jeder Dachvorsprung ist eine Einladung zum Experiment.
Die Dishonored-Reihe: Zahlen und Daten
Dishonored verkaufte sich bis 2014 über 4,6 Millionen Mal, ein Erfolg, der Arkane erlaubte, eine Fortsetzung zu entwickeln. Dishonored 2 erschien 2016, spielte 15 Jahre später in Karnaca und bot mit Emily Kaldwin eine zweite spielbare Figur. Dishonored: Death of the Outsider folgte 2017 als eigenständiges Spin-off.
Die Serie verkaufte insgesamt über 10 Millionen Einheiten (Stand 2021). Jeder Teil erzielte Metacritic-Werte zwischen 81 und 91. Dishonored selbst holte den BAFTA Games Award for Best Game 2013, eine Auszeichnung, die selten an ein neues IP geht. Die Entwicklungszeit lag bei etwa drei Jahren, das Budget war mit rund 20 Millionen Dollar moderat.
Einordnung ins Genre: Zwischen Thief und Deus Ex
2012 war das Jahr von Far Cry 3, Assassin’s Creed 3 und Borderlands 2, Actiontitel mit offenen Welten oder Systemen. Dishonored setzte dagegen auf enge, dicht gefüllte Level, die wie mechanische Puzzles funktionieren.
Das Spiel gehört zur Familie der Immersive Sims, deren DNA auf Ultima Underworld (1992) zurückgeht. Arkane explizierte diese Tradition mit einem eigenen Twist: Die Magie des Outsiders erlaubt Teleportation (Blink), Zeitmanipulation und Gedankenkontrolle. Dadurch entstehen Lösungswege, die kein Designer vorhersehen kann. Dishonored ist kein Open-World-Titel, es ist ein Kurzstrecken-Spiel mit maximaler Tiefe pro Quadratmeter.
Dunwall: Eine Stadt aus Stahl und Rost
- Die Hafenmetropole Dunwall ist düster, von der Pest gezeichnet und technisch veraltet.
- Gepanzerte Wächter, Rattenplagen und korrupte Adlige bevölkern die Straßen.
- Der britische Vibe aus viktorianischer Industrie und okkultem Steampunk erzeugt eine der dichtesten Atmosphären der Spielegeschichte.
Jeder Winkel erzählt eine Geschichte. Die tristen Fassaden, das tropfende Rohr, die schmutzigen Kanäle, Arkane hat kein Pixel verschwendet. Dunwall wirkt nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein lebendiger, verrottender Organismus.
Spielgefühl: Schleichen, Morden, Teleportieren
- Corvo Attano, der Protagonist, besitzt die Magie des Outsiders, darunter Teleportation, Zeitverlangsamung und Gedankenkontrolle.
- Der Spieler kann jede Mission auf mehrere Arten lösen: laut und blutig, leise und tödlich oder sogar komplett gewaltfrei.
- Die Konsequenzen sind spürbar: Je mehr Chaos man verursacht, desto mehr Ratten, mehr Wächter und ein düstereres Ende erwarten einen.
Die Steuerung sitzt perfekt, die Kämpfe fühlen sich wuchtig an. Besonders der Blink-Teleport ist ein Traum: Ein Tastendruck, und Corvo erscheint auf einem Dachvorsprung. Das Leveldesign ist darauf zugeschnitten, jede Karte ist ein senkrechter Parcours.
Warum die PCGamer-Review heute noch stimmt
Die Redaktion hatte recht: Dishonored sieht nicht nur brillant aus, es spielt sich auch so. Die Grafik ist gealtert, aber der charakteristische Öl- und Tuschestil altert würdevoll. Die Magie, die Freiheit und die dichte Welt sind zeitlos.
Auf modernen Rechnern läuft das Spiel mit 144 FPS und höheren Auflösungen ohne Patches. Steam zeigt für 2024 noch täglich etwa 500 bis 1.000 gleichzeitige Spieler, ein Zeichen, dass die Mechanik auch nach 14 Jahren nicht rostet. Der Outsider winkt immer noch.