Der ewige Running Gag
Seit über 30 Jahren treiben Hacker und Bastler ein besonderes Spielchen: Sie bringen DOOM auf Hardware, für die es nie gedacht war. Die Webseite GIGA hat nun 21 besonders kuriose Beispiele in einer Liste zusammengestellt.
Die Ursprünge dieser Tradition liegen im Quellcode-Release von 1997. id Software, gegründet 1991 von John Carmack, John Romero, Adrian Carmack und Tom Hall, hatte zuvor mit Commander Keen (1990) und Wolfenstein 3D (1992) die Grundlagen gelegt. DOOM selbst erschien 1993 für MS-DOS und verkaufte sich bis 1995 rund 2,5 Millionen mal. Die Shareware-Version erreichte eine geschätzte Installation auf 10 Millionen Rechnern.
Von der Klinik bis zur Bank
- Ein Schwangerschaftstest als DOOM-Plattform? Ja, das gibt es.
- Auch ein Geldautomat soll den Dämonenjäger schon beherbergt haben.
- Die Liste umfasst darüber hinaus Drucker, Taschenrechner und sogar Lego-Steine.
Jedes dieser Geräte wurde durch kreative Software-Anpassungen und oft auch Hardware-Modifikationen zum Laufen gebracht. Die Bandbreite reicht von medizinischen Apparaten bis zu alltäglicher Bürotechnik.
Konkret: Der Schwangerschaftstest-Hack stammt von Entwickler Foone (2020). Er ersetzte das Display des ClearBlue-Tests durch einen Raspberry Pi mit Bildschirm. Der Geldautomat war ein alter IBM 4767, der mit DOS lief und per Diskettenlaufwerk bestückt wurde. Lego-Steine? Der Port auf Lego Mindstorms EV3 nutzte die ARM-CPU des Steins und einen externen Bildschirm. Taschenrechner wie der TI-84 Plus erforderten eine eigene Assembler-Engine.
Warum gerade DOOM?
Der Grund für die Obsession ist simpel: id Software veröffentlichte 1997 den Quellcode von DOOM. Seitdem kann jeder die Engine anpassen und auf andere Systeme portieren. Dazu kommen die geringen Anforderungen, eine 386er-CPU und 4 MB RAM reichen theoretisch aus.
So wird der Shooter zum perfekten Testobjekt für Bastler, die beweisen wollen, dass fast jede Hardware mit genug Willen spielbar wird.
Die minimalen Systemanforderungen (386er mit 20 MHz, 4 MB RAM, VGA-Grafik) sind niedriger als die jedes modernen Smartphones. Die gesamte Engine passt auf eine Diskette. 1997 folgten inoffizielle Ports auf Linux (von Dave Taylor) und später auf Konsolen wie den Game Boy Advance (2002, inoffiziell). Heute existiert eine Portierung auf die Nintendo Switch, die ursprünglich als Homebrew startete. Der Rekordhalter für die kleinste Hardware dürfte ein Doom auf einem Tesla-Armaturenbrett sein (in der Liste nicht genannt, aber dokumentiert).
Was die Liste zeigt
Die Zusammenstellung von GIGA ist kein technisches Handbuch, sondern eine Liebeserklärung an die Kreativität der Szene. Sie dokumentiert, wie ein Spiel aus den 90ern bis heute Grenzen sprengt, und das oft ohne offizielle Unterstützung.
Wer selbst staunen will, findet die komplette Auflistung auf der Quelle. Ob ein Schwangerschaftstest wirklich die Hölle auf Erden darstellt, sei aber jedem selbst überlassen.
Das Phänomen „Can it run Doom?“ existiert seit den frühen 2000ern. Es ist so tief in der Netzkultur verankert, dass 2021 eine Petition startete, Doom auf einem Magen-Darm-Spülgerät zu portieren. Die 21 Beispiele von GIGA sind nur ein Ausschnitt: Weitere bekannte Objekte umfassen einen TI-83 Plus Taschenrechner, einen HP 48GX, einen Drucker (HP LaserJet 4 mit eingebautem Display) und ein Bitcoin-Mining-ASIC. Die Gemeinschaft hat gezeigt, dass selbst Hardware ohne Betriebssystem (wie ein Lego-Baustein) durch Emulation lauffähig gemacht werden kann.